Krakow Film Festival 2009

29.05-04.06.2009

Bericht von Katrin Magrowitz (DIE UMARMUNG)

Das Krakower Film Festival ist eines der ältesten Festivals in Europa für Dokumentarfilme, Animation und Kurzfilme. Hier hat Krzysztof Kieślowski seine Karriere begonnen, Andrzej Wajda ist der Schirmherr und Werner Herzog wurde hier 2002 mit den Dragon of Dragon gekürt.

Filme die hier im Wettbewerb laufen können gleich mehrere Awards gewinnen: Grand Prix-Golden Dragon, Silver Dragon für beste Regie eines Dokumentarfilms, Silver Dragon für beste Regie Animation, Silver Dragon für Beste Regie Kurzfilm, Prix EFA Award best European film, FIPRESCI Jury Award und FICC Jury Award. Der Prix EFA Gewinner qualifiziert automatisch für den FIAPF, European Film Academy. Der Grand Prix Gewinner qualifiziert für die Oskar Nomination!

Und unser Film läuft im Wettbewerb! Grandios! Eigentlich war die Premiere ja in Deutschland geplant, aber schon die Tatsache, dass wir dabei sein werden, ließ Oscar Stimmung aufkommen. Also bin ich hin.

Am Flughafen in Krakow ging das Festival dann eigentlich auch schon los. Im Festivalbus vom Flughafen zum Hotel traf ich auf Jurymitglieder und Organisatoren anderer Festivals mit denen man sofort Kontakte knüpfte konnte. Das war dann auch der Ton des Festivals an sich: überschaubar (ca 200 Filme laufen in drei Kinos über sieben Tage lang) und persönlich (Barbara Orlicz-Szczypula, Head of Programme Office mit der ich einen Monat lang emails über technische Details ausgetauscht hatte, hat mich mit einer Umarmung empfangen, mit dem Festivaldirektor Krzyszof Gierat habe ich später Wodka gekippt).
Die Wettbewerbsprogramme sind unkonventionell zusammengestellt. Nach einem 80minütigem Dokumentarfilm läuft da ganz locker ein 3minütiger Animationsfilm und dann geht es weiter mit 20minuten Kurzfilmdrama. Q & A mit den anwesenden Regisseuren gibt es im Anschluss an jeden 2 Stunden Block.

Im Dragon Forum diskutierten Industriespezialisten aus Europa und Amerika über weltweiten Vertrieb, Ankauf und Fundraising von Kurzfilmen und Dokumentarfilmen. Agenturen waren dabei; Shorts International (UK), Sundance Institute (USA), Lichtpunkt (NL); Distributors und comissioning Editors verschiedener Produktionsfirmen und TV Sender, wie NDR und Arte. Nach dem Forum konnte man auf die Leute zugehen oder sie später bei der allabendlichen „industry drinks“ Stunde ansprechen.

Krakow hat außerdem einen Market mit einer Videobibliothek für die Wettbewerbsfilme und ca 500 weiteren Filmen, die man sich in einem gut geordneten Katalog anschauen kann.

Traditionell ist Krakow dem Dokumentarfilm verbunden und obwohl ich eher nicht so der Doku Fan bin, habe ich mich hier überzeugen lassen. Dokumentarfilme wie PIZZA IN AUSCHWITZ von Moshe Zimerman (KZ Überlebender kehrt nach Auschwitz zurück), UNMISTAKEN CHILD von Nati Baratz (Suche nach Inkarnation of Lama in Tibet) und RED SAND von David Procter (Spanischer Bullkampftradition) die alle, so unterschiedlich ihre Themen auch waren, eines gemeinsam haben: originell und einzigartig zeigen sie uns, was es heißt, ein Mensch zu sein. Ich war schwer beeindruckt.

Auch bei den Kurzfilmen kam es beeindruckendes zu sehen: LEAVING (UK) von Richard Pennfold über die Unfähigkeit einer Frau ihren gewalttätigen Ehemann zu verlassen, FINDING (UK) von Jess und Louie Salto, ein Spionagefilm dessen Produktionsaufwand alleine, den Machern garantiert einen Job bei der nächsten James Bond Verfilmung einbringen wird.

Nachts wird in Krakow gefeiert. Ob diskomäßig mit einem unglaublich coolen polnischen Filmregisseur/DJ, oder bei der exklusiven HBO Party, der Wodka fließt und die Stimmung ist großartig.

Auch wenn wir nicht gewonnen haben - der Goldene Dragon ging verdienterweise an PIZZA IN AUSCHWITZ - ein Film den jeder sehen sollte!, so war doch schon das dabei sein an sich, eine Ehre und das Networking erfolgreich. Wir haben jetzt einen Vertrieb für unseren Film und sind zu anderen Festivals eingeladen worden.

Fazit: Krakow FF ist ein kleines Mekka für jeden ernsthaften Filmemacher ob Dokumentar oder Spielfilm. Besonders bedanken möchten wir uns bei Jutta Wille und Anne Reinsch von der Kurzfilm AG und Martin Scheuring von German Films, deren unkonventionelle und unkomplizierte Bearbeitung unseres Antrags, uns diese großartige Festivalerfahrung erst ermöglicht hat.

www.krakowfilmfestival.pl