VIDEOGRAPHY - Festival of Experimental and Numerical Images 2010

24.-26.03.2010

Bericht von Konstantinos-Antonios Goutos /the[video]Flâneu®

(LIFE CIRCLE LIVE CIRUS LIFE - lobende Erwähnung der Jury)

Wie die Stadt Liège an beiden Ufern der Maas liegt, teils multikulturell, laut und spannungsvoll, teils bürgerlich, ruhig und langweilig, so habe auch ich mich zwischen einer extrem aufregenden, dreitägigen, eigenen [video]Flanerie durch die Stadt (auch bei zwei der wichtigsten Museen der Stadt mamac.be / museeartwallon.be) und einem eher weniger intensiven Videofestivalerlebnis gefühlt...

Am letztem Abend allerdings, dank des Empfangs und der lobenden Erwähnung, die meiner Videoarbeit life circle live circus life zuteil wurde, sind letztlich echte großartige Kommunikationsbrücken zwischen meinen beiden Gefühlswelten erwacht und es entstand genau wie bei der Funktionsweise der Brücken der Stadt, ein unvergesslicher, harmonischer, dialogischer, internationaler und intermenschlicher Verkehr...

Für die Interpretation und Weitergabe des aufregenden Teils meiner Liègener Zeit ist schon ein multikomplexer Prozess von einmaligen Erinnerungen, Erlebnissen, Menschennetzen, Zufällen, Farben, Gerüchen, Tönen und Geschmäckern entstanden der zu einem späteren Zeitpunkt, bei der Erscheinung meiner Liègener Videoarbeiten zu spüren sein soll...

Für die Beschreibung des Festivalerlebnisses soll der folgende (absichtlich trocken formulierte) Text dienen:

...

Das Festival des Images Expérimentales et Numériques „Videographies [21]“ fand zwischen dem 24. und 26. März 2010 in Liège, Belgien statt. Es ist ein neuer Schritt der gleichnamigen Institution mit einer wichtigen dreißigjährigen Vorgeschichte auf dem Gebiet der Videokunst und es versteht sich als internationales und interkulturelles Videofestival. Zurzeit scheint es eher auf den französischsprachigen Raum beschränkt zu sein, es ist klein aber hat möglicherweise noch eine große Zukunft vor sich...

Aus ca. 120 Einreichungen wurden dieses Jahr 31 Videoarbeiten für den Wettbewerb ausgewählt: 16 aus Frankreich, 12 aus Belgien, 1 aus den USA, 1 aus Spanien und meine Videoarbeit life circle live circus life, die dort als deutsche Beitrag fungierte, allerdings auch als griechischer bezeichnet werden kann...

Als Festivalort wurde ein neues Programmkino ausgewählt: Das Cinéma Sauvenière liegt im Zentrum der Stadt, ist architektonisch sehr interessant, es hat mehrere Kinosälen und ein Bar-Restaurant als Treffpunkt
Die Videoblöcke liefen für zwei bis drei Stunden pro Tag, Beginn war jeweils ab 20 Uhr 30. Vorher und naher war im selben Kinosaal Atom Egoyans neuer Film Chloe zu sehen...

Fünf Videoarbeiten wurden für einen nationalen Installationswettbewerb ausgewählt und in den Vorräumen des Kinos sorgfältig installiert.

Das Programm wurde auf drei Tage verteilt und in sechs Teile strukturiert:

Der erste Teil (ca. eine Stunde) jeden Tages (Carte Blanche) war für eine Videoauswahl einer der Juroren (Bige Örer, Jean Detheux, Philippe Franck) reserviert. Darauf folgten die Videoarbeiten des Wettbewerbs. Am Ende des dritten Tages fand wie üblich die Preisverleihung statt.

Das Festival konnte keine Reisekosten oder Unterkunftskosten für die teilnehmenden Autoren übernehmen. Es gab keine Partys, Exkursionen, Brunches oder runde Tische. Es gab keine Videothek oder Marktabteilung, es wurde kein großer Katalog gedruckt (nur ein 16seitiges gut gemachtes Programmheft) und die Infoplakate waren in der Stadt kaum zu sehen...

Dafür hatten die Organisatoren Geld gespart, um erstklassige Persönlichkeiten der Internationalen Film -und Kunstszene für die Besetzung der Jury zu gewinnen: Jurymitglieder waren:
- Jean-Paul Fargier, Professor, Autor, Kritiker bei Le Monde, Cahiers du Cinéma,
- Bige Örer, Direktorin der Istanbul Biennale
- Jean Detheux, Maler und Videokünstler
- Robert Stéphane (Professor, Präsident der Videographie[s])
- Nicolas Provost, Videokünstler, der leider wegen der Vorbereitung eines eigenen Filmes abgesagt hat...

Für eine extrem lebendige Stadt wie Liège mit beispielsweise mehr als 40.000 Studenten, und einer Kunsthochschule das Festival konnte leider nur eher wenige Zuschauer gewonnen. (Ca. 100 Personen an den jeweils ersten beiden Abenden und ca. 150 Personen am Abschlussabend).
Es wurde nicht nach dem Ende jeder Videoarbeit, sondern am Ende jedes Programms applaudiert, aber eher verhalten...

Außer der kleinen Retrospektive des Jurors Jean Detheux mit seinen wunderschönen Videoarbeiten habe ich keine besondere Entdeckung machen können... (Im Gegensatz zur Biennale for Visual Art, die gleichzeitig in der Stadt lief und voller Überraschungen und Entdeckungen war).

Spontaneität [„Rendre l’appareil“ von Oubayda Mahfoud[, kritischer Humor [„In situ # 2 : les mobiles“ von Clotilde Amprimoz], technische Perfektion [„Phone Tapping“ von Hee Won Navi Lee und Chassé-Croisé von Jung Hee Seo], Innovation [„Orgesticulanismus“ von Mathieu Labaye], Ästhetik [„The Swimming Pool“ von Julien Brunet] und Erzählungskraft [„Tant qu’il y aura del poussière„ von Marie Devuyst], sind die Charakteristiken der preisgekrönten Videoarbeiten (Die Jury hatte alle meine Favoriten ausgewählt und ehrenvoll erwähnt ...)

Da der Präsident des Festivals einer der Pioniere für die Verbreitung der Videokunst und jahrelanger Direktor des Belgischen Fernsehens war, hatte er die Ausstrahlung der preisgekrönten Arbeiten im Belgischen Nationalen Fernsehen [rtbf.de] vermittelt, was demnächst erfolgen wird. (Hierfür folgte ein Team von Film -und Journalistikstudenten alle drei Tage den Künstlern und Juroren und interviewte sie für das Begleitprogramm ...)

Am letzten Abend und kurz vor einer spontanen, unabhängigen Straßenparty, fand sich endlich die Zeit für intensive Dialogrunden zwischen Künstlern, Juroren, dem Festivalteam und einigen Zuschauern: Bei dieser Gelegenheit habe ich mit anderen Künstlern Freundschaften begonnen (z. B. Clotilde Amprimoz und Florence Babin) und im Gespräch mit den Organisatoren ein paar neue Ideen eingebracht bezüglich der einzuladenden Künstler und der Zukunft des Festivals.

Von Festivalseite wurde der Wünsch für eine weitere Zusammenarbeit sowohl mit mir, als auch mit anderen Videokünstlern aus Deutschland angekündigt und sowohl von Seiten der Juroren, als auch von Seiten der Professoren und Medienstudenten der Universität großes Interesse und Bewunderung für meine Arbeit und Vorgehensweise gezeigt …

Besonders bedanken möchte ich mich bei Jutta Wille und Anne Reinsch von der Kurzfilm AG und Martin Scheuring von German Films, deren unkomplizierte und schnelle Bearbeitung meines Antrags, mir diese aufregende Reise überhaupt erst ermöglicht hat.
Bei Joachim Bartsch und Friedemann Hoerner für die Gestaltung meines Werbematerials, bei meinem legendären Mentor Jürgen Böttcher, sowie bei Thomas, Anastasia, Emanuela und Rajele möchte ich mich ebenso herzlich für die Unterstützung bedanken.

www.videographies.be