Cleveland International Film Festival 2010

18.–28.03.2010
Bericht von Stefan Najib (KABAMIR)

Das CIFF war bisher das größte Festival, auf dem mein Kurzfilm KABAMIR gezeigt wurde. Seit diesem Jahr als „Road to the Oscars“-Festival von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences anerkannt, habe ich es vor allem als Kurzfilmschaffender als ein besonders interessantes Festival erlebt.

In Cleveland laufen außergewöhnlich viele Kurzfilme im Programm: In diesem Jahr waren es 152, und damit nur ein Film weniger als bei den Langfilmen. Bereits im Vorfeld fiel mir die offene, herzliche Art im Kontakt mit den Festivalmitarbeitern besonders positiv auf. Ein Fahrer holte mich vom Flughafen ab und informierte mich über die Stadt und diverse Wohnmöglichkeiten.

Die Hotels in der Stadt waren sehr gut auf das Festivalpublikum vorbereitet. Mein Hotel lag zwar einige Autominuten entfernt vom Tower City Center, in dessen Kino das Festival stattfand; doch konnten sowohl ich als auch die übrigen Filmemacher den Ort des Geschehens mittels eines kostenlosen Hotelshuttels problemlos erreichen.

Das Tower City Center ist ein ehemaliger historischer Bahnhof, der zur Shopping Mall umgebaut wurde. Das Gebäude ist an sich ein sehr schöner, lichtdurchfluteter Ort, der mit seinem weitläufigen Food Court eine willkommene Abwechslung zwischen dem Filmeschauen bietet.

Das Kino selbst hat sehr viele Säle, die alle auch vom Festival genutzt werden. Da sich diese auf einem Stockwerk befinden, hat man keine Probleme von einem Screening zum nächsten zu kommen. Besonders angenehm war die moderne technische Ausstattung. Mein Film wurde – wie viele andere – digital projiziert. Während ich auf einigen Festivals dramatisch schlechte, lichtschwache Projektionen miterleben musste, beeindruckte das CIFF in allen Sälen mit einer herausragend brillianten Wiedergabe.

Während meines Aufenthaltes besuchte ich sowohl die Kurzfilmprogramme, als auch die Langfilmvorführungen. Dabei fiel mir auf, dass sehr viele Kurzfilme außerordentlich gut waren. Bei anderen Festivals sind die Kurzfilmprogramme oft ermüdend, weil die Mischung an Themen und die Qualitätsunterschiede eher überreizend wirken. Die Kompilationen auf dem CIFF haben nicht nur Spaß gemacht, sondern es war wirklich inspirierend, die Werke anderer Filmemacher sehen zu können.

Während des Festivals wurde man als Filmemacher sprichwörtlich „auf Händen getragen“: Der grüne Full-Access-Pass hat mir zu jedem erdenklichen Ort Zugang verschafft, alle Mitarbeiter waren besonders nett, bei jedem Screening bekam ich bevorzugte Behandlung für die Platzwahl, gratis T-Shirts, und ganztägig wechselndes Vollcatering.

Besonders schön fand ich die Einrichtung des Hospitality Centers, die Basisstation für Filmemacher und CIFF-Team, wo es zwischen fünf und sieben Uhr abends ein Get-together gab. Dabei kümmerte sich Jessica Ferrato (Short Film Liason) darum, mich anderen Filmemachern und auch einigen Industry People vorzustellen.

Während die Kontakte zu Branchenvertretern eher weniger waren, konnte ich sehr viele wirklich nette Kurzfilmschaffende kennenlernen. Dabei konnte man viele Erfahrungen austauschen, vielleicht arbeitet man in Zukunft einmal zusammen. Wir waren auf jeden Fall alle gleichermaßen vom Festival begeistert. Ein Kurzfilm-Regisseur war auf eigene Kosten aus Pakistan angereist, von einem anderen Film kamen Regie und Produktion eigens aus Brasilien. Das spiegelt wirklich den Geist des Festivals wieder.

Die netten Menschen aus dem Media Room machten mit jedem Filmemacher ein Videointerview und Portraitfoto, um das Material auf YouTube zu veröffentlichen. Dieser bewusste Umgang mit den Gästen führte in der kurzen Zeit zu einem familiären Miteinander, was mich am meisten an dieser Veranstaltung begeisterte.

Als letzte Besonderheit sind noch die „Cleveländer“ zu erwähnen: CIFF ist ein echtes Publikumsfestival, täglich waren um die 7000 Besucher im Kino, die für eine rege Stimmung sorgten. Für mich als Regisseur gibt es sicherlich nichts Aufregenderes und Schöneres, als einen vollbesetzten Kinosaal bei einer Filmvorführung mitzuerleben. Die Teilnahme am CIFF war ein einzigartiges Erlebnis, und ich freue mich sehr die Möglichkeit bekommen zu haben, daran teilzunehmen. Auch in Zukunft werde ich bei diesem Festival auf jeden Fall Filme einreichen!

www.clevelandfilm.org