Cork Film Festival 2010

06.-11.11.2010
Bericht von Ingo Rudloff (EINKLANG - 2 BRÜDER)

Mit Unterstützung der AG Kurzfilm und German Films konnte ich im November mit meinem Dokumentarfilm EINKLANG - 2 BRÜDER das 55. Filmfestival von Cork besuchen.

Das älteste Festival Irlands befindet sich in einer sympathischen, mittelgroßen Stadt (ca. 200.000 Einwohner) im Südwesten der Insel gelegen. Meine verwunderte- und zugleich beeindruckte Frage, ob der Regen sich für gewöhnlich während der gesamten Festivalzeit über die Stadt ergösse, um die freundlichen Einwohner ins Kino zu treiben, verneinte der charismatische und liebenswerte Festivaldirektor Mick Hannigan vehement. Irlands Kultur- und Tourismus-Ministerin versuchte auf der Eröffnungsfeier ebenfalls solche Befürchtungen zu zerstreuen.

Das Herzstück des Festivals stellt der internationale Kurzfilmwettbewerb dar, weitere Sektionen sind ausgewählte internationale Dokumentar- und Spielfilme, Filme aus Cork sowie eine schwul/lesbische Filmreihe. Bespielt werden in Cork ein Multiplex, von dem 2-3 Säle genutzt werden, als auch das Opern-Haus der Stadt mit knapp 500 Sitzplätzen. Entgegen meiner Erwartung entpuppte sich das Festival nicht als Verkaufsplattform mit Einkäufern, sondern als Publikumsfestival. Über die anwesenden TV-Redakteure und Professionals wird man über die exzellente Gästebetreuung informiert, so denn jemand zugegen ist… Bezüglich der „Betreuung“ kann nur Positives vermeldet werden, da die Gastgeber über zahlreiche „Branchentreffs“ get-together ermöglichten, zudem drei Übernachtungen in einem sehr charmanten BB ermöglichten und allabendliche Essenseinladungen aussprachen.

Auch hinsichtlich der Projektionen kann ich nur Positives berichten, denn da Cork nur Film bzw. Digibeta/Beta projiziert, entschloss ich mich, unseren Film statt auf HDCam auf Digibeta laufen zu lassen. Zu meiner Überraschung musste ich mir eingestehen, dass ich den Film noch nie so gut auf der Leinwand gesehen hatte. Etwas bedauerlich war allerdings die Zuschauerzahl, die sich um 14:30 Uhr ins Multiplex eingefunden hatten. Knapp 40 Gäste waren gekommen, ausschließlich Rentner aus Cork, wie mir der Festivaldirektor erklärte, der die anschließende Diskussion moderierte. Das etwas ältere Publikum hatte allerdings „mucksmäuschenstill“ den Film verfolgt und verwickelte mich in eine knapp 30-minütige erfrischende und wohlwollende Diskussion.

Schade allerdings, dass es auf diesem Festival keinerlei Wiederholungen der Filme gibt, wie es sonst für gewöhnlich der Fall ist. Da sich das Festival über eine Woche erstreckt und ich leider der 2. Hälfte nicht mehr beiwohnen konnte, möchte ich jedoch nicht versäumen zu erwähnen, dass es in meiner Abwesenheit einen Dokumentarfilm-Workshop in Kooperation mit MEDIA gegeben hat. Da war ich allerdings schon wieder auf der Rückreise…

Fazit: Von über 3500 eingereichten Filmen werden knapp 300 ins Programm genommen. Wer zu diesen „Eingeladenen“ zählt, sollte die Chance nutzen und nach Cork fahren, sich aber nicht erhoffen, seinen Film dort wirtschaftlich erfolgreich vermarkten zu können, sondern vielmehr die angenehme und gastfreundliche Atmosphäre des Festivals genießen.

www.corkfilmfest.org