International Students' Film Festival 2010

24.-28.09.2010
Bericht von Emre Koca (SEPPI & HIAS)

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums hat das „Film and Television Institute of India“ (FTII) einen Internationales Studentenfilmfestival auf dem Campus des FTII in Pune organisiert. Das Festival fand vom 24. bis zum 28. September 2010 statt. Dies ist das erste seiner Art, das vom FTII organisiert wurde.

Mehr als 50 Filme (Kurzspielfilme, Dokumentarfilme und Animationsfilme) von Einheimischen, aber auch von wichtigen ausländischen Filmhochschulen wurden präsentiert. Die Gäste von den renommiertesten Filmhochschulen der Welt sollten dabei ihre aktuellen Filmproduktionen selbst präsentieren.

Folgende Institutionen nahmen unter anderem teil: Beijing Film Academy, China; Royal College of Art, London; HF University of Film and Television, Munich; Chapman School of Film and Video, Ngee-Ann, Polytechnic, Singapore; Griffith University, Australia; Tisch School of Art, New York University; NUCT, Rome, Italy; ECAM, Spain; EICTV, Cuba; HFF Konard Wolff, Germany; VCA & Film Music, The University of Melbourne; Le Femis, Paris, France; VGIK, Moscow, Russia; FAMU, California, USA; SRFTII, Kolkata; Whistling Woods, Mumbai; Prasad Film Academy, Chennai.

Für die drei Bereiche Fiction, Non-Fiction und Animation gab es jeweils einen Geldpreis zu gewinnen. Mitglieder der Jury waren Reinhard Hauff, Bina Paul, Ranjan Palit, Gitanjali Rao und Prasanna Vithanage.

Jede Filmhochschule wurde von mindestens einem Studenten vertreten, der seinen eigenen Film vorstellte. Nach den Screenings wurden die Filme im offenen Forum diskutiert. Eine ideale Möglichkeit seinen eigenen Film mit indischen, aber auch Gästen aus anderen Ländern und Kontinenten zu besprechen. Dozenten des FTII waren ebenfalls vor Ort und haben sich an den Gesprächen beteiligt.

Der erste Tag des Studentenfilmfestivals begann mit einer kleinen Eröffnungsfeier auf dem FTII Campus. Bei dem lockeren get-together kamen die einheimischen Filmstudenten/Organisatoren des FTII, mit den ausländischen Filmstudenten das erste Mal zusammen und konnten sich schon mal kennenlernen. Zuvor wurden den internationalen Gästen ein paar indische Studentenfilme aus verschiedenen Jahrgängen gezeigt, um ihnen einen Einblick auf die hiesigen Produktionen zu geben.

An den drei folgenden Festivaltagen wurden die Festivalfilme in drei verschiedenen Filmsälen in jeweils drei Blöcken vorgeführt, die morgens um 9.30 Uhr begannen und nachmittags gegen 17 Uhr endeten. Mittags gab es eine Stunde Pause. Den Festivalteilnehmern wurde dabei leckeres Essen – meistens indische Spezialitäten – serviert. Am letzten Festivaltag wurde ein Symposium zum Thema „From Film School to Industry: Challenges“ durchgeführt. Anschließend fand die Preisverleihung statt, bei der jeder Festivalbesucher eine Teilnahmebestätigung erhielt. Nach der Preisverleihung wurden die Preisträgerfilme, sowie indische Studentenfilme gezeigt, die nicht im Wettbewerb liefen.

Zu Beginn eines jeden Screenings konnte jeder Filmemacher seinen eigenen Film ansagen und die Zuschauer über sein Projekt informieren und auf die ihm wichtigen Dinge hinweisen. Eine intensive Diskussion fand allerdings bei den Screenings selbst noch nicht statt, sondern erst bei dem offenen Forum, welches jeden Tag nach den Screenings abgehalten wurde. So saßen wir abends meist 2-3 Stunden beisammen und haben Film für Film im Detail besprochen. Teilweise „frame by frame“. Das Interesse der indischen Filmstudenten war sehr groß. Zur persönlichen Vorstellung kam immer noch die Vorstellung der jeweiligen Filmhochschule. Studieninhalte, Aufbau des Studiums, die einzelnen Departments, Produktionsbedingungen etc. waren wichtige Themen in Bezug auf unsere Ausbildungsstätten. Zwischenfazit: Alle Filmstudenten weltweit studieren an ähnlichen Instituten und kämpfen mit den gleichen Budgetproblemen.

Beim offenen Forum, hatte ich die Gelegenheit nicht nur meine Filmhochschule, die HFF München, sondern auch den deutschen Kurzfilm an sich vorzustellen. Diesbezüglich habe ich auf die Arbeit der AG Kurzfilm hingewiesen und das Werbe- und Infomaterial an die Interessenten verteilt. Ein Teil der Unterlagen wurde in den Bestand der Institutsbibliothek aufgenommen, so dass sich alle Studenten über die AG Kurzfilm informieren können und zwar das ganze Jahr über. Bei einigen Gastgebern war die AG Kurzfilm bereits bekannt. Das Interesse am deutschen Kurzfilm war sehr groß.

Parallel zur AG Kurzfilm habe ich auch German Films vorgestellt und ebenfalls Infomaterial an die Interessenten verteilt. Das Interesse an aktuellen deutschen Langfilmprojekten war ebenfalls sehr groß. Insbesondere ein Festivalscout war sehr an neuen deutschen Langfilmen interessiert. Er bekam von mir das Infomaterial ausgehändigt.

Meine Präsentation wurde mit dem Austeilen von meinen eigenen Film-Flyern, worauf das German Films und das AG Kurzfilm Logo abgebildet sind, abgerundet. Allerdings wollten viele von meinen neuen Fans vor allem die DVD meines Filmes haben.

SEPPI & HIAS kam beim Festivalpublikum sehr gut an. Während der Screenings im Filmsaal gab es viele Lacher, d.h. der bayerische Humor kam (trotz Übersetzungsproblemen) selbst in Indien gut an. Nach der Filmvorführung gab es viel Applaus und viele indische Filmstudenten und andere Zuschauer gratulierten mir zu meiner interkulturellen Komödie zum Thema Religion und Freundschaft.

Sogar die indische Presse und das indische nationale Fernsehen, das vor Ort die Festivalberichterstattung machte, erfuhren von der positiven Resonanz meines Films und interviewten mich auf dem FTII Campus. Ein Artikel erschien in der „Sakaal Times“ Zeitung.

Das Interesse an ausländischen Filmproduktionen und Filmemachern war sehr groß. Nicht nur von der Presseseite her. Es waren auch ein paar indische Festivalscouts und Filmproduzenten vor Ort, die das Gespräch zu den ausländischen Gästen suchten. Ich konnte gute Kontakte zu anderen Festivalmachern knüpfen, die meinen Film auf anderen Filmfestivals in Indien zeigen möchten.

Der eine oder andere Kontakt könnte auch wichtig für die Entstehung eines neuen Filmprojektes sein. Bollywood ist nicht weit. Pune liegt ca. 3,5 Stunden von Mumbai/Bombay entfernt. Und für die Liebhaber des indischen Films ist das eine große Chance. Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen dort einen Film zu drehen.

Obwohl es zum ersten Mal stattfand, ist das Festival wirklich gut organisiert. Das Festival übernahm Flug- und Hotelkosten, samt Verpflegung. Flugbuchung und Hotelbuchung wurden ebenfalls vom Festivalteam organisiert. Jeder ausländische Gast wurde pünktlich vom Flughafen in Mumbai abgeholt und nach Pune ins Hotel gebracht. Die zwei Festivalhotels lagen in der Nähe des Festivalgeländes und waren in 5-10 Minuten zu Fuß erreichbar. Gleich bei der Ankunft bekam jeder sein Programmheft und den Festival Katalog überreicht, die einem die Orientierung erleichterten. Auch standen die Festivalorganisatoren stets hilfsbereit zur Seite.

Der FTII Campus, ein altes Filmstudio, ist riesig und beinhaltet alle wichtigen Einrichtungen, die man für die Herstellung von Filmen benötigt. Ein großes Studio, einen Konzertsaal, Tonstudios, usw. alles was das Herz begehrt. Aber das alles wollte man uns nicht vorenthalten. Die ausländischen Gäste wurden durch die einzelnen Departments des FTII geführt. Dozenten und Studenten nahmen sich die Zeit und demonstrierten ihre Räume und ihre aktuellen Arbeiten. Auch hier wurden gute Kontakte geknüpft.

Das Festival wird seinem Anspruch, die Beziehungen zwischen den internationalen Filmhochschulen zu vertiefen, vollkommen gerecht. In den wenigen Tagen meines Festivalbesuches habe ich sehr viele intensive Gespräche über unsere Filme geführt und dabei viel von unseren indischen Gastgebern gelernt. In diesen wenigen Tagen habe ich auch neue Freundschaften geschlossen, die ich dank Facebook tagtäglich pflegen kann.

Mein Fazit: „Incredible India!“ Ja, Indien ist „incredible“! Es war meine erste Reise nach Indien, aber sicher nicht meine letzte! Indien ist ein sehr faszinierendes Land und gibt mir bereits neue Ideen für Filmstoffe. Wenn man ein gutes Timing erwischt, kann man sogar das Elefantengott-Festival sehen, bei dem sich Massen von Menschen mit Farbe bewerfen und tanzen. So was haben die wenigsten vorher schon mal gesehen. Man sollte seine Reise unbedingt um ein paar Tage verlängern und sich Pune, aber auch Mumbai anschauen, bevor man nach Deutschland zurückfliegt. Einige Festivalbesucher fahren sogar noch ein Stück weiter in den Süden von Mumbai, nach Goa, einem schönen Badeort. In Goa findet zugleich das größte Filmfestival Indiens statt. Das „International Film Festival of India“ (IFFI) hat sogar einen Kurzfilmwettbewerb, das an das „Short Film Center“ angegliedert ist.

Das Land, das Festival, die vielen Filme, die ich dort gesehen habe, alles spricht für die Teilnahme an dieser Veranstaltung. Die eigentliche Bereicherung sind aber die Kontakte die ich während des Studentenfilmfestivals in Pune geknüpft habe. Sie sind, sowohl aus fachlicher, aber auch aus menschlicher Sicht Gold wert. Ich würde jederzeit wieder an den Studentenfilmfestival des FTII teilnehmen, das nicht durch materiellen Luxus glänzt, aber durch seine menschliche Wärme überzeugt.

http://www.ftiindia.com/index.html