Curta Cinema - Rio de Janeiro International Short Film Festival 2010

28.10.-07.11.2010
Bericht von Ilker Catak (ALS NAMIBIA EINE STADT WAR)

Vom Flughafen Frankfurt bin ich mit meinem Regiekollegen Johannes Duncker nach Rio gereist. Wir kamen nach einem 24-stündigen Flug erschöpft und hungrig in Rio an. Umso mehr hat es uns gefreut, dass wir bereits am Flughafen erwartet wurden. Ein kleines Empfangskomitee (drei Leute) begrüßte uns und fuhr uns, noch bevor es zum Hotel ging, in ein Restaurant, wo bereits andere Filmemacher auf Kosten des Festivals ein Buffet genossen. Anschließend wurden wir ins Hotel gebracht. Das Hotel war zwar klein, aber sehr sauber, ziemlich zentral gelegen und hatte in den Zimmern kostenloses Wi-Fi. Noch am Abend des selben Tages fand unser erstes Screening statt. Wieder wurden wir von einem Fahrer abgeholt und zum Kino gefahren. Zu unserer Verwunderung waren alle Festivalvorführungen auch für Nichtakkreditierte kostenlos, sodass die Kinos fast immer voll waren. Unser Film lief im Internationalen Wettbewerb und obwohl der Film englisch untertitelt war, wurde eine portugiesische Übersetzung noch unter den Film projiziert. Auch um dieses Detail kümmerte sich das Festival. Im Anschluss des Screenings gab es ein langes Q&A, bei dem sich die Brasilianer sehr interessiert zeigten. Nach der Vorführung wurden wir von einem Festivalleiter aus Argentinien angesprochen, mit der Bitte, ihm eine DVD unseres Films zu geben. Bei dieser Gelegenheit gab ich ihm auch Material, das mir von German Films und der AG Kurzfilm zugesendet wurde.

Die Festivalleitung teilte jeden Abend einen Brief mit Programmen und Vorführungen des nächsten Tages aus. Wenn sie einen nicht persönlich erreichte, dann lag der Brief im Zimmer auf der Türschwelle. Fast jeden Tag gab es ein Lunch, immer wieder in einem neuen Restaurant, das auf Kosten des Festivals ging. Somit bekamen wir die Gelegenheit, die Stadt und die anderen Filmemacher besser kennenzulernen. Überhaupt bewiesen alle Beteiligten ein hohes Maß an Gastfreundlichkeit und organisatorischer Genauigkeit. Wir wurden vielen Menschen aus der lateinamerikanischen Filmbranche vorgestellt und konnten somit unser Netzwerk wirkungsvoll erweitern. Das von der AG Kurzfilm mitgeschickte Werbematerial konnten wir dadurch effektiv an Leute bringen, von denen wir glauben, dass diese mit dem Material etwas anfangen können.

Unser zweites Screening fand in einem Kulturzentrum statt, welches u.a. Bilder von Keith Haring ausstellte. Auch hier hatten wir ein langes Q&A nach dem Screening und waren einmal mehr verblüfft über das Interesse, dass unserem Film entgegengebracht wurde. Schließlich mussten wir das Q&A abbrechen, weil der nächste Block kurz davor war, zu beginnen.

Dabei ergriffen wir die Gelegenheit, die brasilianischen Filme zu sehen. Die Filme waren z.T. sehr klug und professionell gemacht. In Gesprächen mit den Filmemachern hörten wir heraus, dass das Kurzfilmfestival in Rio eines der bedeutendsten in ganz Lateinamerika ist. Die 40 Filme des Internationalen Wettbewerbes wurden aus 2730 Einreichungen gewählt. Dass wir schließlich bei der Preisverleihung am vorletzten Tag nichts gewannen, war dann nicht sehr tragisch.

Am letzten Tag des Festivals gingen wir erneut ins Kulturzentrum, wo das Festival eine sogenannte Videothek eingerichtet hatte. Dort bekam man die Gelegenheit alle Filme in der Geschichte des Festivals noch einmal anzusehen. So konnten wir dann auch Filme sehen, die uns entgangen waren. Obwohl das Festival am Tag unserer Abreise bereits vorbei war, waren die Macher noch so freundlich, uns einen Shuttle zum Flughafen zur Verfügung zu stellen. Nicht nur das: noch bevor wir abreisten, schenkte uns das Festival eine große Flasche Cachaca! Wir wurden umarmt und gebeten, nächstes Jahr erneut zu kommen, auch wenn kein Film von uns liefe. Dann gebe es zwar kein Hotelzimmer, aber wir könnten bei den Festivalorganisatoren in den Wohnungen bleiben. Bei soviel Aufmerksamkeit, fiel die Heimreise eher schwer…

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