International Short Film Festival 2010

06.-11.10.2010
Bericht von Piotr J. Lewandowski (JANEK)

Das Sapporo International Short Film Festival and Market fand im Oktober auf der zweitgrößten Insel Japans, Hokkaidō statt. Ein fantastisches und gut organisiertes Festival, tolles Publikum, schöne Atmosphäre und ein unvergessliches Ambiente. Kurz und Knapp: Sechs Tage purer Genuss für alle Sinne, nicht nur für Kurzfilmliebhaber, z.B. auch kulinarisch.

Ich hatte die große Ehre, drei meiner Kurzfilme, darunter auch JANEK, bei der Filmmakers' Section präsentieren zu dürfen. In der Sektion wurden insgesamt sieben Regisseure aus der ganzen Welt, darunter auch aus Canada und Singapur eingeladen. Das Besondere daran: Nicht nur ein Kurzfilm steht im Mittelpunkt, sondern vielmehr der Filmermacher selbst. Daher wird alles getan, um den Film-Künstler dem japanischen Publikum näher zu bringen und um einen Dialog auf vielen Ebenen zu ermöglichen.

Das gesamte Festival Team bestand hauptsächlich aus Dosanko (dt. etwa: „In Hokkaidō geborene Kinder“). Die in Hokkaidō geborenen Japaner sind sehr stolz auf ihre Kultur und Tradition. Das Festival feierte erst sein fünf-jähriges Jubiläum, doch hat man das Gefühl, das einwöchige Programm sei bereits viel länger in der Stadt etabliert. Das Team hat für die geladenen Gäste eine Vielzahl an verschiedenen Attraktionen vorbereitet, die sich zwar hauptsächlich auf das Filmische, aber darüber hinaus auch auf kulturelle Ereignisse bezogen haben.

Die japanische Gastfreundlichkeit, exotisches Essen, oder die traditionelle zweistündige Tee- Zeremonie zählen zu den Nebenattraktionen in Sapporo. Es gab täglich interessante Treffs, Informationsaustausch, Gespräche mit Japanern und anderen Filmemachern. Aber auch die Karaoke durfte nicht fehlen. Bei mir war es das erste Mal. Obwohl ich mich schon als recht musikalisch begabten Menschen bezeichnen würde, habe ich festgestellt, dass die Japaner doch besser singen als ich. Wir hatten jedoch alle unseren Spaß und das war die Hauptsache.

Außer Karaoke und gutem Essen gabt es recht viele Seminare, Workshops und Gastvorlesungen, bei denen man auch aktiv mitwirken konnte. Oscar-Preisträger und Jurymitglied Barry Morrow hat interessant, charmant und witzig über die Entstehung von "Rain Man" berichtet. Außerdem hat er uns einige wertvolle Tipps gegeben zum Filmemachen selbst und über die Drehbuch-Dramaturgie in Hollywood. Das Wichtigste ist: keine Kompromisse zu machen und den Mut haben, eigene Geschichten zu erzählen.

Viele Workshops haben sich auf die Praxis bezogen und somit konnte man mehr über die 3D-Technik von Panasonic erfahren, oder über die Digitalen Filmkameras von Nikon, die auch für ausgiebige Tests zur Verfügung standen. Ein weiterer Schwerpunkt war die digitale Bildbearbeitung und das Grading. Auch durch die Seminare ergaben sich Gelegenheiten, mit anderen Filmermachern intensive Gespräche zu führen und mehr über Filmproduktionen und die aktuelle Filmsituation in Japan, aber auch in anderen Ländern zu erfahren. Besonders faszinierend fand ich die Filmemacher aus Singapur und deren Filme. Die Bildsprache, Musik oder Emotionen im Film kam mir doch exotischer vor, als ich es vermutet hätte, doch für die Japaner war es genau die richtige Dosis an Emotion und Pathos.

Das Goethe-Institut Japan veranstaltete im Rahmen des Festivals ein Gespräch zum Thema Kurz- und Langfilm-Produktionen in Deutschland. Diese Veranstaltung fand ein großes Interesse, nicht nur bei den Filmermachern, sondern auch bei vielen Japanern. Auch ich habe an dem Gespräch teilgenommen. Es war ein heiß diskutiertes Thema. Wie es scheint, müssen die Filmemacher weltweit mit ähnlichen Sorgen und Problemen kämpfen, wie die deutschen Filmemacher.

Ich habe auf der Reise unglaublich viel gelernt. Auch wie universell und kraftvoll die Filmsprache funktionieren kann, trotz kultureller oder sprachlicher Unterschiede. Film verbindet und zwar auf vielen Ebenen. Der Eindruck, den das Festival bei mir hinterlassen hat, war wunderbar und einfach unvergesslich. Die ganze Stadt war sichtlich durch das Festival beeinflusst. Die Kunstform des Kurzfilms, vor kurzem hier noch absolut unbekannt, hat viele Freunde und Verbündete gefunden. Ich bin froh, dass ich auch durch meine Filme dazu beitragen konnte, den Japanern europäische Kurzfilme näher zu bringen.

Diese unglaubliche Reise wurde durch die Unterstützung von German Films ermöglicht. Ich hatte die Möglichkeit dem japanischen Publikum nicht nur deutsche, sondern auch deutsch-polnische Filme etwas näher zu bringen. Zu meiner großen Freude waren die Japanern davon sehr angetan, so dass ich erneut eine Einladung für das Festival im nächsten Jahr bekommen habe.

http://sapporoshortfest.jp/08/en/