BAMkids Film Festival 2011

28.01.–06.02.2011 (Seattle) und 05.-06.02.2011 (New York)
Bericht von Anne Walther (STEINFLIEGEN)

Das Children’s Film Festival Seattle des Northwest Film Forum ist ein sehr junges und noch recht kleines Festival. Doch neben dem Seattle International Film Festival hat es sich als reines Kinderfilmfestival bereits einen guten Namen gemacht und ist im Pazifischen Nordwesten der USA das größte seiner Art. Alle Filme, die dort laufen, werden automatisch auch für das REDCAT International Children's Film Festival in Los Angeles vorgeschlagen. Die Einladung der Festivaldirectorin mit einer unglaublich netten Mail mit „I love your film“ und „you made my day“, konnte ich nicht abschlagen. Neben den screenings gibt es einige schöne Veranstaltungen für Kinder, wie zum Beispiel Filmemacher workshops, life-performances, Kinderkonzerte und das berühmt berüchtigte all you can eat pancake Frühstück, was ich leider wegen meines enormen Jetlag verpasst habe. Dafür war ich bei der Pyjama Eröffnungs “Party“, die vor allem darin bestand, dass in Schlafanzügen gekleidete Kinder wild zu einer in Amerika wohl ziemlich bekannten und lustigen Kinderband abhotteten. Alles in allem sehr amerikanisch, aber auch überaus amüsant. Das Festival eignet sich also weniger, um mit Hollywood Produzenten Kontakte zu knüpfen, als mit sehr netten und offenen Eltern, Kindern und Veranstaltern Spaß zu haben. Bei einem vom Festival organisieren Filmemacherdinner lernte ich andere Filmemacher und Festivalmacher kennen und wurde sehr freundlich nach Costa Rica eingeladen. Mein Film STEINFLIEGEN sollte nicht nur dort auf dem Festival laufen, ich war auch immer privat willkommen. Als Filmemacherin, die extra aus Deutschland zu ihnen gekommen ist, war ich für die Kinder eine kleine Attraktion. Nach den screenings konnten sie mir Fragen stellen und die Puppen (den Hauptdarsteller und einen Nebendarsteller aus meinem Puppentrickfilm) inspizieren, was sie auch sehr genau taten. Normalerweise stellt das Festival für die Filmemacher ein Hotel, was in diesem Jahr als Sponsoringpartner leider kurzfristig abgesagt hatte. So kümmerte sich die Festivalleitung selbst um eine private Unterkunft für mich, die ich dann doch nicht brauchte, weil ich bei Freuden von Freunden unterkam. Auch hier wurde ich extrem offen und freundlich empfangen, was mir eine wunderschöne Zeit in Seattle bescherte. Da es an den Wochentagen nur Schulvorstellungen am Morgen gab, beschloss die Festivaldirektorin Liz Sheperd kurzerhand, sich einen Tag Auszeit zu nehmen, um sich ausschließlich um mich zu kümmern. Da es der erste regenlose Tag in Seattle seit meiner Ankunft war, beschlossen wir, nicht ins Museum zu gehen und die übliche Touristenroute abzuarbeiten, sondern fuhren zu ihr nach Hause mit der Fähre nach Vashon Island, eine verträumte Insel direkt neben West Seattle. Dort lernte ich ihre nette Familie kennen, brachte ihren Kindern wichtige deutsche Sätze wie „Ich mag Essiggurken“ bei und dann holten wir ihren winzig kleinen Hund ab und gingen am Strand spazieren. Ein perfekter Tag. Bis die Email kam, dass mein Flug am nächsten Tag nach New York wegen eines Blizzards im mittleren Norden gecancelt war. Da in New York noch ein weiteres Kinderfilmfestival für mich anstand, setzten wir alles daran, einen geeigneten Ersatzflug zu bekommen. So verbrachten wir (die komplette Familie und ich) abwechselnd insgesamt drei Stunden in der Hotline der Fluggesellschaft, um einen neuen Flug zu bekommen, der den Blizzard umflog. So wurde aus der Direktroute von Seattle nach New York ein „kleiner“ Umweg über Houston, Texas.

Das BAM Kids Film Festival findet an zwei Tagen im BAM, der Brooklyn academy of music statt. In zwei wunderschönen Kinosälen, den rose cinemas, werden Kinderfilme aus der ganzen Welt gezeigt. Eine Hotelübernachtung im nahegelegen Mariott an der Brooklyn Bridge übernimmt das Festival, um die restlichen Übernachtungen musste ich mich selbst kümmern. Neben den sehr gut ausgewählten Filmen, gab es auch auf diesem Festival viele Zusatzangebote für Kinder wie Bands, live-performances, das obligatorische Kinderschminken und einiges mehr. Vor allen Vorführungen gab Nicole Dreiske, die Festivaldirektorin, den Kindern „Anleitungen“, wie sie die Filme schauen und beurteilen könnten, da es ja ausschließlichen einen Publikumswettbewerb gab. Auf sehr reizende Art erklärte sie auch, dass die Filme unterschiedliche Sprachen hatten, da sie von überall auf der Welt kamen, dass es deswegen zum Teil Untertitel gab und diese von einem subtitel reader vorgelesen würden, damit die Eltern nicht die ganze Zeit „Übersetzungsflüstern“ müssten. Da mein Film in New York mit einer Kopie ohne Untertitel lief, sprach eine Schauspielerin die Dialoge ein, was für mich sehr ungewohnt war, dem Film aber anscheinend keinen Abbruch tat. Denn die Kinder stellten mir beim Publikumsgespräch danach Fragen, die ich niemals erwartet hätte, mir aber einen völlig neuen Blick auf den New Yorker Nachwuchs gaben.

So hatte ich alles in allem eine wunderbare Zeit in den USA, was ohne die Unterstützung von german films nicht möglich gewesen wäre und wurde aufgrund des New Yorker Festivals mit meinem Film nach Australien eingeladen, wo er bald mit den Little Big Shots durch das ganze Land tourt.

www.childrensfilmfestivalseattle.org