2ANNAS - Riga International Film Festival 2011

23.-28.05.2011
Bericht von Marlene Denningmann (INTERVIEW #3)

RIGA Airport. Linda Beķere, Guest Manager, holt mich am Flughafen ab. Sie studiert so etwas wie Kulturmanagement, erzählt sie, und ist als Volunteer zum ersten Mal beim 2ANNAS Festival dabei. Sie begleitet mich zum Hotel und bringt mich dann direkt zum Kino, wo in Kürze der erste Programmblock des Int. Wettbewerbs beginnt. In Riga gibt es zwei oder drei kleinere Programmkinos. Das KSuns ist eines davon. Es hat eine kleine Cafébar mit Balkon. Hier trifft man sich vor und zwischen den Screenings. Ich werde den beiden Organisatorinnen des Festivals vorgestellt: Amanda Boka und Līva Rubene. Außerdem sind bereits zum Eröffnungsabend, den ich verpasst habe, zwei Filmemacher aus Italien, eine estische Regisseurin und ein russischer Regisseur angereist. Von den Filmprogrammen bin ich positiv überrascht. Mir war zuvor aufgefallen, dass der Internationale Wettbewerb sehr viele Filme im Programm hat, die bereits auf anderen Festivals erfolgreich waren. Dennoch versuchen die Programme nicht nur gefällig zu sein. Im Vorfeld hat das Festival einen Experimentalfilmabend mit freiem Eintritt veranstaltet, erzählt Amanda. Das Kino war überfüllt. Sie und Liva hoffen, das Publikum in Riga mehr für experimentellere Filme begeistern zu können. Deshalb soll es solche Veranstaltungen in Zukunft regelmäßig geben. Man spürt, dass die beiden mit frischem Eifer bei der Sache sind. Erst im vergangenen Jahr wurden Amanda und Liva in einer feierlichen Zeremonie von ihren Vorgängern als die neuen „2ANNAS“ ins Amt gehoben. (Oft würden sie übrigens gefragt, ob es sich um ein lesbisches Filmfestival handele. Der Name käme aber ganz einfach daher, dass das Festivalbüro in der Anna Straße 2 zuhause ist.) Mit dem Generationswechsel soll das Festival, das einmal als Studentenfestival begonnen hat, weiter wachsen. Die jungen Organisatorinnen haben im vergangen Jahr viele Festivals besucht, Kontakte geknüpft und in Lettland PR gemacht. Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr Vorträge und Diskussionen angeboten, z.B. zum Thema Urheberrechte. Es gibt Sonderprogramme mit Studentenfilmen, einem Best of vom London Short Film Festival und einen „Salon des Refusés“ mit einer Auswahl von Filmen, die es nicht in den Wettbewerb geschafft haben. Da das Festival mit einer einzigen Spielstätte sehr übersichtlich ist und wir nur eine Handvoll internationale Gäste sind, stellt sich bald eine familiäre Stimmung ein. Zwei Jurymitglieder, Matti Kiuru vom Tampere Film Festival und Johann Knattrup Jensen, ein dänischer Regisseur, sind vom Festival in einem Appartment untergebracht worden und laden alle Regisseure und Teammitglieder an meinem ersten Abend dorthin zu einem Umtrunk ein. Festivalerfahrungen werden ausgetauscht, Filme besprochen. Mein Screening folgt am nächsten Abend. Bisher wurden die Regisseure immer vor Beginn des Programms vorgestellt. Ich finde es interessanter, sich nach dem Film zu unterhalten und kurzerhand ändert Liva, die das Programm moderiert, das Procedere und wir schließen ein Q&A an das Screening an. Später beim Zusammenkommen auf dem obligatorischen Balkon, bestätigt sich mein Gefühl, dass dieses Gespräch sehr gut aufgenommen wurde. Von der Publikumsresonanz und dem Feedback her, war die Aufführung in Riga für mich bisher die beste. Die lockere Atmosphäre trägt dazu bei, dass sehr leicht Dialoge zustande kommen. Und die Kontakte, die in Riga geknüpft werden, beschränken sich nicht auf ein oberflächliches Kennenlernen. Ich kann die Reise zu diesem sympathischen Festival also nur empfehlen.

www.2annas.lv/eng/news/?n=103