Fantastic Fest 2011

22.-29.09.2011

Bericht von Florian Puchert (TEUFELSNACHT – NIGHT OF THE DEVIL)

Das Fantastic Fest in Austin existiert zwar erst seit 2005, hat sich aber innerhalb kürzester Zeit zu dem bekanntesten und größten Filmfestival für Horror und Genre-Kino in den USA entwickelt. So zählt es laut Variety zu den „10 Film Festivals We Love“. Das liegt mit Sicherheit an den schillernden Persönlichkeiten der Festivalgründer Tim League (der Besitzer der Alamo Drafthouse Kinos in Texas) und Harry Knowles (der legendäre Internet-Kritiker und Gründer von Ain’t it Cool News). Es liegt aber auch an der großartigen Programmauswahl und dem unnachahmlichen Flair des Filmfestes, das das Motto der Stadt - „Keep Austin Weird“ - nur zu gerne zelebriert. Hinzu kommen Stargäste, wie dieses Jahr u.a. Elijah Wood und Dominic Monaghan, die sich jeden Tag auf dem Festival blicken lassen, jenseits von allen roten Teppichen oder VIP-Bereichen - denn diese sucht man in Austin vergebens. Ich hatte das Festival als Genre-Fan schon länger auf den Radar. Insofern waren wir mit der Auswahl unseres Kurzfilms, der bayerischen Horror-Komödie TEUFELSNACHT – NIGHT OF THE DEVIL überglücklich.

Die Organisation ist aus Filmemacher-Sicht sehr gut. Schon vorab war die Kommunikation mit den Veranstaltern ausgezeichnet und auch vor Ort wurde man bestens betreut: Abholung vom Flughafen, ein regulärer Shuttle-Service zwischen Hotel und Kino, ein ebenso zuverlässiger Transport zu allen speziellen Events für Filmemacher, sowie ein immer anwesender Ansprechpartner vor Ort. Einzig bei dem Besorgen der Filmtickets muss man auch als akkreditierter Gast schnell sein, denn so gut wie jedes Screening ist in kürzester Zeit ausverkauft – und das bei einem Festival, das pro Time-Slot vier Filme gleichzeitig zeigt! Der Ansturm der Fans ist gewaltig und auch die Stand-By Warteschlangen nehmen bisweilen monströse Ausmaße an. Die Filmauswahl selbst ist sehr facettenreich: So sieht man neben dem ersten israelischen Horrorfilm (RABIES) oder japanisch-deutschen Pink Movie-Musicals (UNDERWATER LOVE) auch Lars von Triers MELANCHOLIA, den österreichischen Cannes-Beitrag MICHAEL oder den von Belgien ins Oscar-Rennen geschickten BULLHEAD. Daneben gibt es auch Weltpremieren und „Secret Screenings“. Kurzfilme werden entweder vor Langfilmen gezeigt oder laufen in einem der drei Kurzfilmblöcke, die ebenfalls restlos ausverkauft waren. Neben der geballten Ladung Film, gibt es einen „Fantastic Arcade“ – Wettbewerb, der Independent Computerspiele prämiert (ein Genre von dem ich gar nicht wusste, dass es existiert), sowie zahlreiche feucht-fröhliche Panels, Diskussionsrunden, Boxkämpfe und Karaoke-Partys mit den vielen anwesenden japanischen Filmemachern.

Was das Festival aber wirklich besonders macht, ist die große Präsenz von (Internet-)Presse und Filmemachern, sowie Industrie-Vertretern, die auf diversen Spezial-Events, wie Luch und Dinner Veranstaltungen im Haus des Festival-Chefs Tim League oder Ausflügen zum BBQ ausdrücklich zum ungezwungenen Austausch ermuntert werden. Ich war als Kurzfilmer sehr erstaunt, dass ich völlig gleichberechtigt an all diesen Veranstaltungen teilnehmen konnte – und auch darüber, wie offen und interessiert mir Filmemacher und Journalisten aus aller Welt gegenübergetreten sind. Ebenso groß war das Interesse der Veranstalter und Vertreter weiterer Festivals an den German Films Materialien.
Die enorme Internetaufmerksamkeit, die dem Festival zu Teil wird, ist übrigens auch gleich ein sehr potentes Werbemittel für den eigenen Film – alleine die offizielle Ankündigung der ausgewählten Kurzfilme wird auf hunderten Websites in Newsmeldungen weiterverbreitet. Einziger Wermutstropfen ist, dass das Festival weder Anreise- noch Hotelkosten für Kurzfilmer übernimmt. Insofern war ich sehr froh, dass mir German Films den Besuch des Festivals ermöglicht hat!

Zwanzig gesehene Filme später und mit unzähligen neuen Kontakten in der Tasche muss ich feststellen, dass ich noch nie so viel Spaß auf einem Festival hatte. Denn eines ist auf dem Fantastic Fest immer und überall spürbar – die grenzenlose Begeisterung für das Medium Film!

fantasticfest.com