Irisprize 2011

5.-8.10.2011

Bericht von Andonia Gischina (PORTRAIT EINER KLEINSTÄDTISCHEN HAUSFRAU UM DIE 50)

Das Irisprize Festival ist ein Queer Festival, das Anfang Oktober in Cardiff, der Hauptstadt von Walles, stattfindet und dort das Independent Chapter Art Centre und den Cineworld Cardiff bespielt.

Es ist ein kleines Festival, was ich in diesem Fall als sehr positiv bezeichnen würde, da eine vertraute Atmosphäre entsteht und man mit allen anwesenden Filmschaffenden ins Gespräch kommt. Von den Organisatoren wird oft und gern von der Iris Family gesprochen und tatsächlich ist eine Kontinuität zu beobachten, das Festival lädt ehemalige Gäste mit ihren neuen Filmen ein und verfolgt mit Interesse ihre Entwicklung. Jeden Tag wird den Gästen des Festivals ein Mittagessen in jeweils verschiedenen Restaurants angeboten, auf denen man sich mit Jurymitglieder, Kinobetreiber und Organisatoren austauschen kann.

Das Programm, bestehend aus den 30 im Wettbewerb laufenden Kurzfilmen und etwa 10 abendfüllenden Filmen, ist so zusammengesetzt, dass man die Chance hat, jeden Film zu sehen und jede Veranstaltung zu besuchen. Es ist sehr international. Anwesend waren Filmemacher aus den USA, Japan, Frankreich, Israel, Indien, Deutschland und natürlich aus allen Ecken von England.

Die zwölfköpfige Jury war aus Filmemachern, Produzenten, Schauspielern, Journalisten, Kinobetreibern, Schriftstellern, BAFTA Vertreter etc. zusammengesetzt. Das Besondere an das Irisprize Festival ist die Möglichkeit, die das Festival für den Autor des ausgezeichneten Kurzfilm bietet, im nächsten Jahr zurück nach Walles zu kehren und sein/ ihr neues Kurzfilmprojekt zu verwirklichen. Zu diesem Zweck stellt das Festival die stolze Summe von 25.000 Euro bereit. Der fertige Film wird dann bei der nächsten Ausgabe des Festivals aufgeführt. Des Weiteren gibt es den Publikumspreis für den besten Spielfilm, und seit diesem Jahr auch den Preis für die beste Hauptdarstellerin und den besten Hauptdarsteller, für den die Freunde des Festivals abstimmen dürfen. Im Mittelpunkt steht der klassische narrative Film. Des Weiteren waren auch zwei Dokumentarfilme, ein Trickfilm und ein Experimentalfilm zu sehen. Die Thematik konzentriert sich natürlich auf Geschichten wie Comming out, Comming of Age oder Stoffe, in deren Mittelpunkt homosexuelle Menschen und ihre Probleme stehen, das Festival ist allerdings auch für Beiträge offen, die sich, wie in meinem Fall, an davon abweichenden Themen orientieren. Diese Filme stellen auf Iris jedoch eher die Ausnahme dar.

Ich hatte ein großes und interessantes Feedback zu meinem Film und wurde am Tag des Screenings und den darauf folgenden Tagen oft von anderen Filmemachern oder Freunde des Festivals angesprochen und auch von der Juryvorsitzenden, mit der ich in einem langem Gespräch über Motivation und verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten diskutiert habe, was ich als relativ ungewöhnlich empfand. Etwa die Hälfte der Kurzfilm Filmemacher und der Autoren der abendfüllenden Filme waren anwesend. Nach jedem abendfüllenden Film fand eine Diskussion statt mit Vertretern von Crew oder Cast, beim letzten Film waren Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann neben den Hauptdarstellern anwesend. Einige der Spielfilme, die auf dem Festival liefen, feierten dort ihre Premiere.

Das Festival bietet einen interessanten Einblick in die Produktionswege englischer und amerikanischer Filmemacher. Vor allem die Filmemacher aus Amerika haben Modelle vorgestellt, Filme durch private Investoren zu finanzieren. Das Festival hat verschiedene Podiumsdiskussionen wie „Producers Forum“ oder „LGBT families and children on film“ organisiert. Des weiteren fand ein Gespräch mit dem Regisseuren Magnus Mork, Iris Prize Gewinner des letzten Jahres, statt.

Das Festival organisiert die Unterbringung für seine Gäste, in dem diese von Freunden des Festivals untergebracht werden. Eine sehr schöne Idee, da man sofort den Anschluss an Stadt und Land findet und (wie in meinem Fall) die Chance bekommt, bleibende Freundschaften zu knüpfen. Meine Hosts haben sich jede erdenkliche Mühe gegeben, meinen Aufenthalt so angenehm und sorgenfrei wie möglich zu gestalten.
Das Irisprize ist ein sehr junges und ehrgeiziges Festival, das mit vielen Festivals aus Europa, Asien, Amerika und Australien kooperiert. Und auch, wenn es dieses erst seit 5 Jahren gibt, ist Iris Prize auf gutem Wege, sich international einen Namen zu machen.

FAZIT:
Es lohnt sich auf jeden Fall, einen Film beim Irisprize einzureichen und zum Festival zu fahren, abgesehen davon, ob man die 25 000 Euro Finanzierung für einen nächsten Film als Ziel ins Auge fasst oder einfach um talentierte Filmemacher kennenzulernen, Kontakte zu Filmschaffenden aus verschiedenen Ländern zu knüpfen, die eigenen Englischkenntnisse auf die Probe zu stellen, einen Film auf einem ausländischen Festival vorzustellen und neue Einblicke in die Mechanismen der Filmbranche zu gewinnen.

http://www.irisprize.org/