Foyle Film Festival 2011

23.-27.11.2011
Bericht von Christian Ricken (SCHWITZKASTEN)

Dank der Unterstützung von AG-Kurzfilm / German Films ging es für mich im November nach Derry, Nordirland zum 24. Foyle Film Festival, um dort unseren Kurzfilm SCHWITZKASTEN vorzustellen.

Derry (Offiziell: Londonderry) ist nach Belfast die zweitgrößte Stadt Nordirlands mit ca. 85.000 Einwohnern. Die Stadt liegt am Fluss Foyle und ist auch unter dem Namen “The Walled City“ bekannt - nach der alten Steinmauer, die den Stadtkern komplett umschließt und zu einem sehr schönen Rundgang auf der Mauer einlädt. Während des Nordirland-Konfliktes seit Ende der 60er bis Ende der 90er Jahre war Derry leider immer wieder Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken. (Trauriger Höhepunkt: Der Bloody Sunday am 30. Januar 1972). Heute wirkt Derry auf mich wie eine sehr nette, ruhige Kleinstadt mit dem obligatorischen Regenwetter und den typischen irischen Pubs inkl. viel zu früher Sperrstunde.

Das Foyle Film Festival gab es dieses Jahr bereits in der 24. Ausgabe. Beim Festival gab es Screenings von Langfilmen, Workshops, ein “Education Programme“ und den Wettbewerb um den “Light in Motion Award“ in den folgenden vier Kategorien: Best International Short, Best Animated Short, Best Irish Short und Best Documentary. Das Festival ist “Oscar Affiliated”, “BAFTA recognised” und “BIFA recognised“. Das Herz des Festivals ist das Kulturzentrum “The Nerve Center“, das auch einen Kinosaal beherbergt. Einige Vorführungen waren auch in einem großen Multiplex Kino, das aber, zumindest bei der von mir besuchten Vorstellung eines Langfilms, deutlich schlechter besucht war.

Meine Anreise war eine wahre Odyssee, da der Flughafen von Derry, aus München kommend, nur sehr schlecht angebunden ist, und dies eine Übernachtung in London erforderte. Dafür war mein Bed & Breakfast in Derry ein Glückgriff: Zentral gelegen, servierte mir Besitzer Seamus ein Frühstück, das für eine ganze Schulklasse gereicht hätte. (Abbey Bed & Breakfast).

Unser Film SCHWITZKASTEN lief als einer von 13 Filmen in der Kategorie Best International Short im Wettbewerb um den “Light in Motion Award“, dessen Gewinn eine Einreichung bei den Academy Awards ermöglicht. Das Screening war am Freitag um 13:30 Uhr im Kino des Nerve Centers. Dabei handelt es sich um ein kleines Kino, das aber, trotz der Mittagszeit, gut gefüllt war. Leider gab es kein Q&A, sondern ich konnte nur vor dem Programmblock ein paar kurze Worte sagen. Bei unserer Komödie wurde viel gelacht und ich durfte nach dem Programmblock in viele freudige Gesichter schauen, die mir zu unserem Film mit den Worten “very funny“ oder “great film“ gratulierten.
Neben unserem Film war noch ein weiterer deutscher Film im Wettbewerb Best International Short: RAJU von Max Zähle. Im Wettbewerb Best Animated Short waren zwei Deutsche Filme vertreten: BOB von Jacob & Harry Fast und WALLFLOWER TANGO von Wolfram Kampffmeyer. Die Awards gingen dann leider nicht nach Deutschland, sondern verteilten sich wie folgt:
Best International Short: TSUYAKO von Mitsuyo Miyazaki
Best Irish Short: DOWNPOUR von Claire Dix
Best Animated Short: A MORNING STROLL von Grant Orchard
Best Documentary: A PEOPLE UNCOUNTED von Aaron Yeger

Leider gab es kaum andere Filmemacher, die ihren Film vorgestellt haben, was zur Folge hatte, dass ein Vernetzen mit anderen Filmemachern oder Leuten aus der Branche sehr schwierig war. Mir schien es, als würde das Festival fast ausschließlich von kinointeressierten Einheimischen besucht. Allerdings muss ich sagen, dass ich nur zwei Tage (Donnerstag und Freitag) vor Ort bleiben konnte und die Zahl der Fachbesucher am Wochenende wohl traditionell am höchsten sein soll, da viele Gäste aus der Branche für dieses Wochenende aus England nach Derry kommen würden.

Es gab beim Festival keine Akkreditierung, wie ich sie von anderen Festivals kenne, sondern ich konnte mir im Nerve Center einfach gratis Tickets zu den jeweiligen Vorführungen und Veranstaltungen, die ich besuchen wollte, geben lassen. Die Mitarbeiter der Festivalorganisation waren sehr freundlich, offen und immer hilfsbereit. Diese Art war übrigens typisch für alle Einheimischen, die ich, auch außerhalb des Festivals, kennen gelernt habe: Eine kurze Begrüßung und schon war man in ein angenehmes Gespräch verwickelt.

www.foylefilmfestival.org/index.html