Visions du Réel 2012

19.-28.04.2012

Bericht von Heidi Specogna (ESTHER UND DIE GEISTER)

Vom 19. bis 28. April fand das diesjährige Filmfestival „Visions du Réel“ im schweizerischen Nyon statt. Mit Unterstützung von German Films und der deutschen AG Kurzfilm konnte ich dort meinen Film ESTHER UND DIE GEISTER im Wettbewerb der kurzen Filme vorstellen. Die Vision du Réel gehört mit zu den ältesten Dokumentarfilmfestivals, es war in diesem Jahr die 18. Ausgabe, die zweite unter dem neuen Direktor Luciano Barisone. Das Programm unterteilt drei internationale Wettbewerbe – Kurz-, Mittel- und Langfilme, sowie eine eigene Wettbewerbsektion für die Schweizer Filme. Darüber hinaus gibt es Reihen wie die „Best of Festivals“, eine andere für Nachwuchsfilme und Autodidakten, sowie Ateliers mit Retrospektiven gestandener Dokumentaristen. Die Reihe „Focus“ widmet sich einem Land - in diesem Jahr wurde zum Beispiel das bosnische Filmschaffen vorgestellt. Durch diese klug konzipierten Sektionen, nicht überladen und in den Programmblöcken aufeinander abgestimmt, kann man sich als Besucher gut im Angebot orientieren. Hervorragender Begleiter ist dabei der Katalog, sehr aufwändig gestaltet und mit einer persönlich verfassten Inhaltsangabe der Festivalmacher zu jedem einzelnen Film.

Im Anschluss an die Filmvorführungen gibt es ein moderiertes Publikumsgespräch, in englisch oder französisch. Man trifft dabei auf ein rege interessiertes Publikum und auf Moderatoren, die die Filme sehr aufmerksam gesichtet haben und einem spannende Fragen auf den Weg mitgeben.

Jeweils am Folgetag der Erstpräsentationen der Filme begegnen sich die Regisseure in einer Forums-Runde. Betreut wird diese von Festivaldirektor Luciano Barisone. Darin geht es nicht um thematische Auseinandersetzung zu den einzelnen Filme, sondern im Fokus stehen übergeordnete Themen, wie zum Beispiel: Beziehung zwischen Filmemacher und Protagonisten – diskutiert vor der Hintergrund der unterschiedlichsten Erfahrungen, entsteht daraus eine reichhaltige Debatte.

Da parallel zum Festival auch das „Pitching du Réel“ stattfindet, ergibt sich für Filmemacher die Chance, Produzenten und Redakteure und andere Branchenmitglieder zu treffen. Nyon ist klein und übersichtlich, die Gespräche sind leicht herzustellen. Schade ist einzig, dass es für diese Begegnungen keinen wirklichen Ort gibt, der dazu einlädt. Mitten im Zentrum ist ein Zelt aufgebaut, dem aber sowohl der Charme wie auch ein annehmbares Catering fehlen. Die Hotelunterkünfte sind zudem in der Stadt selber begrenzt, was dazu führt, dass viele Festivalteilnehmer weit außerhalb untergebracht werden müssen. Zwar ist ein regelmäßiger Fahrdienst eingerichtet, aber in Stosszeiten geraten diese an den Rand der Kapazitäten. Die Gästebetreuung an sich ist sehr freundlich und aufmerksam. Die Filmemacher bekommen einen täglichen Bericht zugeschickt, worin sie ersehen, wer sich für ihre Filme in der Videothek interessiert hat. Wenn man von Nyon zurückkehrt, dann hat man meist schon die nächsten Einladungen zu Festivals vorliegen…

http://www.visionsdureel.ch