Images Festival Toronto 2014

10.-19.04.2014

Bericht von Juliane Henrich (SCHLEIFEN)

Durch die Unterstützung der AG-Kurzfilm und german films konnte ich zum Images Festival Toronto fliegen, wo mein Film „schleifen“ (to raze) im Wettbewerb gezeigt wurde.

Das Festival ist für experimentellen Film und expanded cinema das größte in Nordamerika, aber man hatte trotzdem nie das Gefühl verloren im Festivalgeschehen zu sein. Das hatte damit zu tun, dass die Atmosphäre sehr offen und freundschaftlich war und man mit allen Festival- und Filmemachern in direkten Kontakt kam.

Das Programm setzte sich aus Kurzfilmblöcken und einigen Langfilmen zusammen, die meistens abends gezeigt wurden. Nachmittags gab es verschiedene Diskussionsveranstaltungen und Künstlergespräche, zu speziellen Filmen des Festivals oder zum begleitenden Galerienprogramm, in dem Filme, Videos und installative Arbeiten präsentiert wurden.
Die Kinoprogramme liefen größtenteils in der Jackman Hall, die Teil der Art Gallery of Ontario (AGO) ist – ein architektonisch sehr interessantes Gebäude im Zentrum der Stadt.

Die Galerien, die mit dem Festival verbundene Arbeiten zeigten, waren größtenteils im 401 Richmond Building – einem riesigen alten Industriebau, der auf vier Etagen alle möglichen Galerien und auch den kanadischen Verleih v-tape beherbergt. Auch die Mediathek, wo man die meisten Festivalarbeiten vor- oder nachsichten konnte, war dort.
Eine installative Arbeit wurde aber auch in einer chinesischen Shopping-Mall im  nahgelegenen Chinatown gezeigt („Silent citizen“ von Bambitchell), was sehr interessant war. Gerade in den Diskussionsveranstaltungen bekam man viel von dem nordamerikanischen „verbalen Spirit“ mit. Die Debatte „Is Artschool killing Art?“ beispielsweise war in Form eines Duells zweier Gruppen arrangiert (Yes-Team und No-Team), die sich dann sehr unverbissen und mit Humor, aber dennoch ernsthaft dieser Frage näherten – mit dem Publikum wurde diskutiert, ob in einem neoliberalen Unisystem mit hohen Studiengebühren überhaupt eine freie künstlerische Entfaltung möglich ist, oder nur ein „Optimierungsprozess“ stattfindet.
Unter den Festivalgästen waren auch einige Größen des Experimentalfilms wie Michael Snow oder Tony Conrad und überhaupt waren viele der Filmemacher, deren Arbeiten präsentiert wurden, vor Ort. Das Niveau der gezeigten Filme und Videos war recht hoch und die Programme gut zusammen gestellt. Die Q and A- Diskussionen nach den Screenings waren von Festivalseite teilweise nicht besonders vorbeireitet (oft hatte der Moderator kaum Fragen an die Filmemacher), aber das Publikum beteiligte sich ausgiebig an den Fragerunden.

Jeden Abend gab es nach dem letzten Programm einen Ausklang mit Drinks und Snacks im Cine-Cycle – einer nahgelegenen Bar. An einem Abend fand dort auch das „Open-Screening“ statt, wo Leute ihre Arbeiten zeigen konnten, die nicht für das offizielle Programm ausgewählt wurden.

Ich kam mit den Leuten vom v-Tape-Verleih in Kontakt (unter anderem auf dem Artist’s Brunch, den Kim und Lisa von v-Tape jedes Jahr veranstalten) und verteilte die AG-Kurzfilm DVDs dort und an andere Kuratoren. Insgesamt kann ich sagen, dass das Images Festival auf jeden Fall eine Reise wert ist!

www.imagesfestival.com