Ann Arbor Film Festival 2014

25.-30.03.2014

Bericht von Helena Wittmann (WILDNIS)

Im März 2014 ermöglichte mir der Reisekostenzuschuss von German Films die Teilnahme an der 52sten Ausgabe des Ann Arbor Filmfestes in den USA. Das Festival ist das am längsten bestehende Filmfestival in den USA, das sich auf Experimental- und Avantgardefilme konzentriert.

Der Festivalleiter David Dinnell zeichnet sich für die hervorragende Programmierung einer anspruchsvollen Auswahl verantwortlich. Das Festival zeigt sowohl Lang- als auch Kurzfilme in einem internationalen Wettbewerb und diversen Sonderprogrammen. Es wird großen Wert auf die Projektionen gelegt und Filme bevorzugt im Originalformat gezeigt. So wurde für die Super 8 Filme extra ein sehr lichtstarker Projektor aus Kanada geliehen. Auch die Vorführer werden speziell für das Festival angestellt, um dem hohen Anspruch des Festivals Rechnung zu tragen.

Um einen Einblick in das Profil des Festivals zu geben, seien hier kurz die Sonderprogramme der diesjährigen Ausgabe genannt: Thom Andersen Retrospektive, Penelopee Spheeris Retrospektive, Joseph Bernard – Super 8 Films. Daneben stellte jedeR der drei JurorInnen (Steve Anker, Jeremy Rigsby, Hope Tucker) jeweils ein von ihm/ihr kuratiertes Programm vor. Der Wettbewerb zeichnet sich durch eine fokussierte Programmierung aus. Dinnell achtet sehr sensibel darauf, die ausgewählten Filme so zusammen zu bringen, dass sie sich gegenseitig stärken und ein jedes Kurzfilmprogramm auch in sich stimmig ist. In den Wettbewerbsprogrammen werden immer wieder auch ältere Filme gezeigt, die den Bezugsrahmen des jeweiligen Blocks erweitern. Die Filme werden in diesem Sinne ohne Zwischenmoderation gezeigt und erst danach findet ein Q&A mit allen anwesenden FilmemacherInnen gemeinsam statt. Auch hier ist das Niveau sehr hoch, bietet aber auch Experimentalfilm-unerfahrenen Zuschauern einen Anker. Für das Publikum sind die genannten Umstände unbedingt eine gute und bereichernde Erfahrung.  So verwundert es nicht, dass das Festival äußerst gut besucht ist. Die meisten Filmvorführungen finden in den zwei wunderschönen Kinosälen des Michigan Theatre statt. Neben dem zahlreichen Fachpublikum finden auch „normale“ Kinobesucher ihren Weg in die Programme. Das Interesse am Kino ist groß, die Nachfragen wirklich interessiert und oftmals ungewöhnlich differenziert.

Das Fachpublikum setzt sich hauptsächlich aus anderen FestivalleiterInnen, KuratorInnen und FilmemacherInnen zusammen. Ich hatte mehrere Anfragen für meinen Film. Da die Atmosphäre trotz der vielen Besucher und Filme sehr intim und herzlich ist, kommt man schnell in Kontakt. An jedem Abend gibt es nach den Filmprogrammen noch eine Veranstaltung, die in immer verschiedenen Bars stattfindet. Auch hier ist der Andrang groß.

In Zusammenarbeit mit der Universität fand in diesem Jahr ein Programm statt, das auch in Zukunft weitergeführt werden soll. An jedem Tag fanden Paneldiskussionen unter der Leitung des kanadischen Videokünstlers Christopher McNamara statt, um die Einbindung der Stadtbewohner zu fördern und aktuell relevante Themen im Zusammenhang des Festivals zu diskutieren. Ich wurde als Diskussionsteilnehmerin zu einer Veranstaltung eingeladen, die sich mit dem Verhältnis von Technik und künstlerischen Methoden auseinandersetzte. Auch das eine gute Erfahrung unter vielen.

Das Festival stellt jeden Tag Kaffee und Tee im Foyer bereit, organisiert die Unterkunft für die Gäste und stellt einen Shuttledienst zur Verfügung, der von Bewohnern übernommen wird – ehrenamtlich wohlgemerkt! Menschen, die das Festival wichtig für die Stadt finden und es unterstützen möchten.

Ich kann das Ann Arbor Filmfest wirklich in jeder Hinsicht empfehlen und hoffe selbst, noch einmal hinfahren zu können.

http://aafilmfest.org