Studentenfilm-Festival „Original Narrative“ 2014

12.-13.02.2014

Bericht von Alex Koryakin (THE EID GIFT)

Nur drei Wochen vor Beginn des Festivals erfuhren wir (der Co-Regisseur Ameen Nayfeh und ich), dass unser Film THE EID GIFT in den Dokumentarfilm-Wettbewerb des Festivals Original Narrative in Dubai eingeladen ist. Leider konnte das Festival nur die Reise- und Unterkunftskosten für einen von uns übernehmen, obwohl es zunächst hieß, dass man uns beiden den Aufenthalt im Hotel bezahlen könne. Letztendlich konnte ich das Festival nur aufgrund des Zuschusses von AG Kurzfilm und German Films besuchen.

Wenn man nicht ein besonderes Interesse für die Absurditäten und den Größenwahn der 2- Millionen-Metropole Dubai mit sich bringt, kann ich anderen Filmemachern den Besuch dieses Festivals nur bedingt empfehlen.

Das Festival wurde von der American University in Dubai (AUD) ausgerichtet und fand in diesem Jahr zum ersten Mal statt. An zwei Festivaltagen wurden 50 Kurzfilme überwiegend von jungen Filmemachern aus arabischen Ländern, v.a. aus Libanon und Jordanien, präsentiert. Die Wettbewerbssektionen waren: Fiktion, Dokumentarfilm, Animation und Webisode. Daneben gab es drei Workshops mit internationalen Filmexperten und zwei Panels. Da es das Festival versäumt hatte, mich darauf hinzuweisen, dass man sich für die Workshops im Voraus anmelden muss, stand kein freier Platz mehr für mich zur Verfügung. Es gab zwei Spielstätten, die sich beide fußläufig auf dem Campus der AUD befanden.

Aus meiner Sicht bestand die größte Leistung des Festivals darin, überraschend viele Filmemacher nach Dubai einzuladen. So fanden sich beim Get-Together am ersten Tag des Festivals ca. 35 junge Filmemacher in der Festival-Lounge ein. Nach einer kurzen Ansprache bekam jeder von uns eine Mappe mit dem Festival-Katalog, Essens-Gutscheinen für die Kantine und der Akkreditierung. Ich kam schnell in Kontakt mit anderen Filmemachern, auch wenn ich mich als einziger Deutscher und fast einziger Europäer etwas exotisch fühlte.

Neben den Filmemachern und der Jury war das Festival allerdings von keinen weiteren Vertretern der Filmbranche (Produzenten, Redakteure, Festival-Macher) besucht. Neben den Vorführungen, Workshops und Panels gab es bis auf die Abschlussveranstaltung und die Vorstellungsrunde „Meet
 
The Jury“ keine weiteren Netzwerk-Angebote, Get-Togethers oder Talks.

Ich schaute mir mit ein paar anderen Filmemachern die erste Vorführung des Festivals an: die „Out of Competition“-Reihe. Wir waren schockiert, als wir das eiskalte 700-Plätze-Auditorium der AUD betraten. Wir setzten uns in die erste Reihe. Auch nach mehrmaligen Hinter-Uns-Blicken in die Reihen wurden es nicht mehr als ca. 10 Zuschauer. Der erste Eindruck, das Festival würde es nicht schaffen, ein Publikum anzuziehen, sollte sich bei den folgenden Vorführungen bestätigen.

Am Abend lief unser Film in der zweiten Spielstätte des Festivals, einem 39-Plätze Kino. Ca. 20 Zuschauer waren gekommen, bestehend größtenteils aus anderen, eingeladenen Filmemachern. Nach dem Block gab es eine gemeinsame Q&A-Runde auf der Bühne.

Ich schaute mir noch weitere Programme aus den Sektionen „Fiktion“ und „Dokumentarfilm“ an. Die Filmauswahl hat mich größtenteils nicht angesprochen. Narrative Formen überwogen, aber es gab auch experimentelle Arbeiten.

Am zweiten Tag präsentierten wir unseren Film erneut. Dieses Mal im besagten 700-Plätze- Auditorium mit ca. 20 Zuschauern. Technischen lief das Programm wie auch in den anderen Blöcken problemlos.

Der Abschluss des Festivals wurde überschwänglich gefeiert. Ein ca. 100 Meter langer roter  Teppich wurde ausgelegt und eine Fotowand mit den Logos der Sponsoren und Partner Cadillac, Dubai International Film Festival u.a. wurde aufgestellt. Sogar ein formaler Dresscode war geboten, worüber wir allerdings nicht informiert wurden. Einige Fotografen waren damit beschäftigt, immer neue Personen-Konstellationen vor der Sponsoren-Wand zu fotografieren. Häppchen und alkoholfreie Getränke wurden gereicht.
Anschließend fand die Preisverleihung im großen Auditorium statt. In jeder Sektion gab es den Preis für den „Besten Film“, welcher mit keinem Preisgeld verbunden war, sowie „Lobende Erwähnungen“.

Erfreulich war die Unterbringung in einem sehr guten Hotel mit einem ausgezeichneten Blick auf das „Ski Dubai“. Allerdings waren die Filmemacher auf zwei Hotels verteilt, die weit voneinander entfernt lagen.

Das Festival plant eine weitere Edition im nächsten Jahr. Die Organisatoren hoffen auf eine größere Anzahl an Einreichungen und eine höhere Qualität der Filme, wie sie mir sagten. Auch möchten sie sich nicht als arabisch-sprachiges, sondern als internationales Studentenfilm-Festival etablieren.

http://www.originalnarrative.com/en/