BuSho - Budapest Short International Film Festival 2013

03.-08.09.2013

Bericht von Martin Menzel (SEIN GRÖSSTER TRICK)

Das 9. BuSho International Short Film Festival in Budapest fand vom 03. bis 08.September 2013 statt. Ich war mit meinem 24-minütigen Kurzfilm “Sein größter Trick” im Wettbewerb vertreten und habe das Festival über die gesamte Zeit genossen.

Das BuSho ist ein ungemein warmherziges, familiäres Festival und wird mit viel Herzblut organisiert. Die Festivalmacher sind sehr daran interessiert, daß sich die Filmemacher wohlfühlen. Das zeigt sich vor allem in der Rundumversorgung. Die beginnnt mit der gemeinsamen Unterbringung in einem charmant-ostigen Studentenwohnheim direkt an der Donau (in besonderen Fällen – mich begleitete eine Schwangere – auch in einem Apartment), setzt sich über drei gemeinsame Mahlzeiten am Tag  fort, und wird neben den Zeiten für den Kinobesuch mit Stadtrundfahrten, Exkursionen, Konzerten und Partys abgerundet. Das Festival liegt viel Wert darauf, daß die Filmemacher anreisen und an den gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen. Für all das zahlt man lediglich eine Pauschale von 100€.

Eine absolute Besonderheit des Festivals ist die allabendliche „Jury Consultation“, zu der man sich nach dem Festivalblock und gemeinsamen Abendessen im Festivalklub „Trafik“ trifft.  Diese Besprechung im Stuhlkreis soll den Filmemachern der am Tage gezeigten Filme die Möglichkeit geben, mit der Jury ins Gespräch zu kommen. Das hat bei meiner Teilnahme eher leidlich gut funktioniert, da die aus Profis und Laien bunt gemischte Jury dieses Jahres sehr reserviert war. So verkam der Stuhlkreis bisweilen zur Selbsthilfegruppe, in der die Filmemacher vor allem sich selbst und ihre Filme erklärten. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis zu einer Jury, die am Ende Preise zu vergeben hat, ist auch nicht so einfach aufzuheben, und vorschnelle Urteile wollte diese Jury nicht treffen, was verständlich ist. Dennoch hat dieses zwanghafte Forum den Dialog zwischen den Filmemachern, der darüber hinaus stattfand, ordentlich befeuert. Da es im Kino bei den Vorführungen keine Moderation und kein Q&A gibt, ist diese abendliche Runde der Startpunkt für das Kennenlernen der Gesichter, die zu den jeweiligen Filmen gehören und führt in der Regel zu regem Austausch beim Bier danach – oft bis tief in die Nacht.

Vor allem die wunderschöne Stadt Budapest, die gute Umsorgung und der soziale Austausch machen das Festival zu einem Erlebnis. Die Wege sind kurz – Festivalkino „Vörösmarty Mozi“, das Wohnheim, Restaurant „Zappa“ und Club „Trafik“ sind allesamt in der südlichen Innenstadt in Laufweite gelegen. Das Kino zeigt in der Zeit ausschließlich die Festivalprogramme. Jeder Festivalblock läuft zwei Mal, leider zumeist am selben Tag, so daß man an einem Tag verpasste Filme leider nicht mehr nachholen kann. Das Screening war ausschließlich von DVD, wobei eigentlich HD-Projektion vorgesehen war. Doch es gab technische Probleme, die im Folgejahr gelöst sein sollen. Die Qualität der Filme war durchgängig hoch, man konnte sich gut unterhalten und inspirieren lassen. Es war ein überraschend großer Anteil deutscher und deutschsprachiger Filme vertreten, und das zeigte sich auch bei der Preisvergabe, wobei der Hauptpreis nach Österreich, und der drittwichtigste nach Deutschland ging.

Die insgesamt zehn Preise, die die Jury vergeben kann, sind von ideellem Wert und werden als Goldener, Silberner und Bronzener „Busho“ in Form einer Statue vergeben. Des Weiteren gibt es eine Statue für eine Filmschule, die mit den zahlreich besten Filmen vertreten ist. Die Sonderkategorien Animation, Experimental, Comedy, Drehbuch, Schauspiel und Kamera erhalten eine Urkunde. Leider findet das Festival nicht viele Zuschauer über den Kreis der anwesenden Filme- und Festivalmacher hinaus. Da es nicht genug Werbung für sich machen kann, es ist dann doch eher ein armes, kleines Festival, und eher schlecht für Premieren geeignet.

Unterm Strich würde ich den Festivalbesuch jedem Kurzfilmer empfehlen, der Lust auf den Austausch mit anderen Filmemachern und das Kulturelebnis Budapest hat. Es ist sicher kein wichtiges Festival für die „Festivalkarriere“ eines Kurzfilmes, aber man befindet sich in sehr guter Gesellschaft, auch mit seinem Film. Und das Festival hat sicher noch viel Potential, zu wachsen, wenn es bekannter wird.

www.busho.hu