Kinoforum - Festival Internacional de Curtas-­Metragens de São Paulo 2013

22.-30.08.2013

Bericht von Esther Löwe (MERRY-GO-ROUND)

Vor einigen Wochen erhielt ich die Einladung zum 24. Internationalen Kurzfilmfestival São Paulo. Nach der Suche nach relativ günstigen Flügen, entschied ich mich nicht persönlich am Festival teilnehmen zu können. Überraschend kam dann die großzügige Einladung vom Goethe-Institut São Paulo, für mich die Reisekosten vollständig zu übernehmen.
Also machte ich mich auf die lange Reise in die größte Stadt Brasiliens. Momentan ist dort Winter und die Einwohner São Paulos, in dicken Jacken gekleidet, beschweren sich über das furchtbar kalte Wetter – bei wechselhaften Temperaturen von 15 bis 27°C!

Am Guarulhos Flughafen angekommen, erwartete mich ein Namensschild und ein junger Mann, der nicht ein Wort Englisch sprach. Da mein Portugiesisch quasi non-existent ist, befand ich mich auf anhieb in einer Situation, die innerhalb meines Aufenthaltes, zur Norm werden sollte.

Der Mann wartete jedoch nicht nur auf mich, sondern auf weitere Filmemacher, die zum Festival aus Kolumbien, Griechenland und Frankreich anreisten. Nach einer 18-stündigen Reise dauerte es also weitere zwei Stunden am Flughafen, während wir auf die anderen Festivalteilnehmer warteten, bis wir uns dann endlich in einem Bus, der uns in die Innenstadt bringen sollte, befanden. In Deutschland hätte ich mich innerlich aufgeregt, meine Laune hätte sich proportional zu meiner steigenden Müdigkeit verschlechtert. Aber ich war nicht überrascht von den Geschehnissen – und an das Alltagstempo meiner Kindheit in Afrika erinnert. Gelassen (vielleicht auch vor Erschöpfung) ließ ich mich auf meine ersten Erlebnisse in Brasilien ein.

Gelassenheit, Gastfreundlichkeit und Humor sind einige der Charakteristika, die mir für die Macher des Festivals in den Sinn kommen. Bei 400 Kurzfilmen, die in acht Kinos in der gesamten Stadt verteilt gezeigt wurden, ist die positive Stimmung des Festivals und aller Beteiligten mir am meisten in Erinnerung geblieben.
Die Kinosäle waren rundum sehr neu und ermöglichten technisch moderne Vorführungen. Allerdings waren lediglich in MIS, dem Museum for Image and Sound, die brasilianischen und südamerikanischen Programme, die eine Mehrzahl der gezeigten Filme ausmachten, untertitelt. Da São Paulo immens groß ist und die Fahrtwege zwischen den verschiedenen Vorführorten daher teilweise recht viel Zeit in Anspruch nahmen (jeder Festivalteilnehmer erhielt eine Magnetkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt), sah ich viel weniger Filme aus Südamerika als ich mir vorgenommen hatte. Sowohl die Opening Ceremony, die Award Ceremony (mit vielen Preisen für brasilianische Filme) sowie alle Debatten und Workshops fanden nur auf Portugiesisch statt. Wenige südamerikanische Regisseure und nahezu keine brasilianischen Regisseure sprachen Englisch, so zeigte sich die Kommunikation mit einheimischen Filmemachern als Herausforderung, anders als viele der Festivalmacher, die größtenteils relativ gut oder sogar sehr gut Englisch sprachen.

Das Festivalprogramm ist sehr heterogen und der Anspruch der Programm-Macher ist genau das: Die Filme sollen so facettenreich wie möglich sein. Die meisten internationalen Filme habe ich gesehen und auch die eine oder andere sehr besondere Arbeit entdeckt. Von diesen Filmen waren ungefähr 25 Regisseure aus der ganzen Welt selbst anwesend. Um den Diskurs zwischen den internationalen Filmemachern zu ermöglichen, organisierte das Festival viele abendliche Veranstaltungen. Allein schon durch die Sprachbarriere mit den Brasilianern fiel die Kontaktaufnahme mit anderen ausländischen Regisseuren leichter und ich lernte alle kennen. Bei der sonntäglichen Festival-Grillveranstaltung und verschiedenen Parties fielen aber auch zwischen portugiesisch-sprachigen und englisch-sprachigen Festivalteilnehmern endgültig die Barrieren.

Obwohl ich vor allem sprachlich von einem internationalen Festival mehr erwartet hätte, war meine Zeit beim Festival in São Paulo eine spannende. Ich habe nicht nur neue Kontakte geknüpft, sondern auch über mich und meine Arbeit als Filmemacherin viele Einsichten erhalten.

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