TRINIDAD & TOBAGO FILMFESTIVAL 2012

19.09.-02.10.2012

Bericht von Willy Rollé (KINDERWUNSCH)

Trinidad & Tobago freut sich dank Reichtum und Networking auf die Filmindustrie

Trinidad & Tobago ist eine tropisches Land, am Ende der Karibik in der Nähe von Venezuela. Es ist nicht nur reich an Öl und Gas (BP ist da sehr present), sondern auch an Stränden und Wäldern, Musik (Calypso, PAN) und Kultur (auch kulinarisch, Puri), und vor allem an Menschen, die sehr unterschiedlichen Abstammungen haben: hier leben “Trinbagonians” mit amerindianische, afrikanische, (ost)-asiatische, indische, arabische, spanische, französische, britische, amerikanische usw. Herkunft zusammen.  Film ist eine der neuen Industrie in dem Land und wird aktiv unter anderem durch das vom Leiter und Gründer Dr. Bruce Paddington seit 7 Jahren existierende Trinidad & Tobago Film Festival vorangetrieben.
Die in der Karibik relativ ökonomische gute Positionierung von T&T gepaart mit seiner Bevölkerungsvielfalt führt zur Entwicklung und Entfaltung  der Kreativwirtschaft (u.a. des Filmbusiness), weil diese Branche braucht zwei Dinge, die T&T hat: Geld und Netzwerk.

Auf dem Trinidad & Tobago Filmfestival durfte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: mein selbstproduzierter Feature Kurzfilm “KinderWunsch – Family Planning” lief in der Reihe vom Magazin ARC  (Art, Recognition, Culture), unter der künstlerischen Leitung von Holly Bynoe, und mit meinem Dokumentarfilmvorhaben “PAYBACK” nahm ich teil am RBC Focus Immersion Workshop. Das Festival war für mich gleichzeitig eine Chance zur Fortbildung und eine Opportunität, die Dynamik der karibischen Filmindustrie kennenzulernen.

Eine Chance zur Fortbildung

Das Workshop wurde von zwei Filmexperten geleitet: Fernanda Rossi, Script-Doctor und Beraterin für Dokumentarfilmentwicklung  (http://www.documentarydoctor.com/) , die Oscar-nominierte Filme betreut hat, und Alrick Brown, Filmemacher und Filmdozent, (http://www.alricksporch.com/), ausgezeichnet vom Publikumspreis in SUNDANCE in World Dramatic Competition für den Feature Film “KINAYARWANDA”. Beide sind in New York City basiert.  
Das Workshop beinhaltete 4 Tage Programm. Schwerpunkt der Veranstaltung war die Vorbereitung auf die Technicken und die Kunst des Pitchs für Dokumentarfilm. Wir waren 10 Teilnehmer aus der karibischen Diaspora: Trinidad & Tobago, Jamaica, Bahamas, Saint-Lucia, Französisch-Guiana. Die Teilnehmer hatten  sehr unterschiedliche Hintergund: manche hatten einen sehr starken journalistischen Background, andere waren mehr cinematographisch, photographisch oder künstlerisch erfahren. Die Chimie unter uns hat sehr gut funktioniert.
 
Der erste Schritt des Workshops war ein Get-Together, in dem jeder sein eigenes Dokumentarfilmprojekt vorstellte. In einem zweiten Schritt, erklärte uns Fernanda die grundlegenden und feinen Unterschiede zwischen logline, tagline, one-liner, one-pager, proposal, treatment, synopsis, featurette, promo, assembly, pitch video, pitch tape, teaser etc. Anschließend wurden wir vom Alrick über die tiefen Gründe befragt, warum jeder seinen Film machen will. Große (exitentielle) Fragen wurden aufgeworfen:  warum wollen wir Film machen? Warum wollen wir diesen Film machen, mit dem wir uns bei dem Immersiom Workshop beworben haben? Was ist als Filmemacher unsere eigene Stimme? Am Ende des Workshops wurden wir in zwei Gruppen unterteilt: wir bekamen die Aufgabe, unsere Logline zu überarbeiten (“logline resizing”), über unsere Figuren zu besprechen und letztendlich unser Pitch zu opitimieren.
Die Stimmung zwischen den Workshop-Teilnehmern war konstruktiv. Das Festival war sehr gut organisiert: unser Hotel war super, das Essen auch, der Shuttle-Service einwandfrei. Parties waren toll und Panels sehr lehrreich. Das Spagat zwischen Arbeiten und Freude am Leben war mehr als erfolgreich gelungen.
Das Workshop hilft mir meine Ideen konkret und zielorientiert zu entwicklen. Die Arbeit mit den Coaches war eine Bereicherung, weil Fernanda und Alrick sehr underschiedlich profiliert sind: Fernanda ist sehr gut strukturiert, arbeitet anhand ihres Buchs “Trailers mechanics” mehr auf einer theoretischen Ebene. Alrick arbeitet mehr intuitiv, praxisorientiert, weil er seine Lektionen direkt aus seinen Filmerfahrungen herausnimmt. Beide zusammen waren eine Art Dream Team, weil ihre Kompetenzen sich gegenseitig ergänzten.

Die Dynamik und die Ambition der karibischen Filmindustrie

Nach dem Workshop bekam ich die Chance vor hochkarätigen Persönlichkeiten zu pitchen, wie etwa die Koordinatoren von “CBA Worldview ”, Amy Richardson und Himesh Karand  und vor dem Vetreter vom Tribeca Institut José F. Rodriguez.
Das TTFF ist eine sehr gute Plattform für das Networking, nicht nur für die Karibik, oder Lateinamerika, sondern auch für Nordamerika oder Afrika und letztendlich die Welt, da viele Menschen aus der Region historisch aus allen Kontinenten kommen.  Ich hatte etwa die Chance mit der IndieWire- Kolumnistin Sydney Levine in einem Ausflug zum Strand kennenzulernen. Mit dem Franzosen Jean-Michel Giber, der seit über 30 Jahren in T&T lebt, und den Dokumentarfilm “Calypso Rose” realisierte, konnte ich anstoßen. Christian Sida-Valenzuela, Leiter der Vancouver  Latin American Film Festival war Jury-Mitglied und ein angenehmer Gesprächpartner.  Es war eine Unmengen von kontaktfreudigen Menschen da.

Eins ist sicher: T&T will ins Filmbusiness. Die Filmindustrie wird dort auf vier Ebenen (weiter) entwickelt: Film Education an  der University West Indies (Dozent Yao Ramesar baut einen Filmstudiengang auf) , Festival (TTFF), Produktion und Verleih (T&T Film Company). Das Netwoking wird unter anderem in Kooperation mit vielfältigen Organisationen oder Institutionen vorangetrieben: Zum Beispiel das Caricom ( Caribbean Community and Common Market), das Tribeca Film Institute (von Robert De Niro begründet, mit Sitz in New York),  das CBA Worldview -- Commonwealth Broadcasting Association, eine britische Organisation, dessen Aufgabe ist durch Mainstream Broadcast und digitale Medien die Völkerverständigung zu fördern, das ACPFilms (Afrique, Caraibes, Pacifique), das unter dem Präsident Mohamed Ben Shabbaz ein von Eurimages unabhängiges aus der europäischen Union stammendes Kulturförderungsprogramm  ("No future without culture" ) ist. Andere Festivals sind mit dem TTFF assoziiert wie das IDFA, das kubanische Festival ICAIC, das Havana Film Festival, das Curacao Film Festival, das US’s National Black Programming Consortium etc.

Selbstverständlich bietet das TTFF die Chance, Filmemacher aus der ganzen Region wie zum Beispiel die Bewegung aus Jamaica  New Caribbean Cinema aus Jamaika (http://www.newcaribbeancinema.com/) kennenzulernen. Es ist eindeutig: das TTFF will sich als das Film Festival im Mittelamerika profilieren und ist auf dem guten Weg dahin.

http://www.ttfilmfestival.com