LA SHORTS FEST 2013

05.-12.09.2013

Bericht von Matthias Zuder (ERBGUT)

Die LA SHORTS, da wollen wir hin. Also fliege ich mit meiner Drehbuchautorin und einer befreundeten Regisseurin sowie ihrem Kameramann, die beide ebenfalls einen Kurzfilm im Wettbewerb haben in die "City of Angels". Nachdem die Stadt ohne Auto bekanntlich "nichts wert" ist, besorgen wir uns gleich nach der Ankunft am Airport einen Leihwagen und machen noch in der ersten Nacht das, was man in LA. niemals tun sollte - Wir besuchen als Touristen in einer dubiosen Gegend die Nachtrafik. Bling-Bling Gestalten vor und hinter dem Tresen zwinkern uns zwielichtig zu. Meine Autorin (mit Amerika-Erfahrung) flüstert: "Wir sind hier nicht in Europa..!" Aber wir haben Glück: Wir überleben den Leichtsinn.

Nachdem wir es, durch diverse Gangviertel und den Mullhouland Drive (die Straße der Finternis), nach North Hollywood geschafft haben, beziehen wir unseren Air B'n'B Palast. Wir fühlen uns wohl, und freuen uns darüber, in 32 Celsius Umgebung ein Budweiser öffnen zu können. Das LA SHORTS hat begonnen.

Der erste Festivaltag wird als Geiztag bezeichnet, weil uns an diesem Tag der Geiz des kapitalistischen Dollarsystems die Hand schütteln wird. Zu erwähnen wäre davor noch, dass das Festival weder die Kosten für Hotel-, Host oder andere Unterbringungsmöglichkeiten übernimmt, noch für die Reisekosten der Filmemacher aufkommt. Das ist an und für sich noch nichts allzu ungewöhniches, macht aber eine Reise ohne German Films für uns trotzdem undenkbar, danke nochmals an dieser Stelle für die liebe Unterstützung.

Dass sich das Festival fast ohne Sponsoren selbst finanziert (laut eigener Aussage) ist löblich, bedeutet aber in der Exekutive etwas ungünstige Bedingungen für Filmemacher. Am Festivalstand angekommen, weigerte sich so bereits der etwas rigide Dävid, der uns die Akkreditierungen ausstellte und für die "Gäste des Festivals" zuständig war, meiner mitgereisten Autorin eine Akkreditierung auszustellen, da pro Film nur eine vergeben wird. Auch das Argument, dass sie tausende Meilen nur für dieses kostbare Stück zurückgelegt hätte, ließ Dävid cold as ice. Selbiges Schicksal sollte auch wenig später den Kameramann meiner Regiekollegin ereilen. Gut -  ein Bonus war, dass man an diesem Stand, an dem man sich auch die Tickets für die vielen Vorstellungen abholen konnte sich gratis Monster- und Rockstar Energydrinks bis hin zum Koffeinschock reinpfeiffen konnte. Die ganze Woche lang. Das war es dann aber auch schon mit der Einlade-kapazität unserer amerikanischen Freunde. Pro Akkreditierung, kann man sich nämlich auch insgesamt nur ein Ticket für die Eröffnung, ein Ticket für die eigene Vorstellung mit Q&A, und ein Ticket für die Abschlusszeremonie erwirken. Auf den Deal, für einen "günstigen" All-Acess Pass für schlappe 120 $ zu erwerben, wollten wir uns aus Prinzip nicht einlassen.
Wir gaben ein amerikanisches Interview für die Medienpartner. Danach gingen wir zur Eröffnungszeremonie, bei der es Free Piiiiizza und Free Beeeeer gab. "Free Piiiiizza und Free Beeeeer" bedeutete ein kleines abgezähltes Stück Pizza pro Person, und 4 Pitcher voll mit herrlichem Pale Ale für das gesamte Kontingent der 400 Gäste. Besonders gewitzte (hungrige) Kerlchen konnten sich durch Dreistigkeit noch ein zweites, oder sogar drittes Stück Piiiizza erzwingen, indem sie sich an der 2 Meilen langen Schlange von Filmschaffenden ein zweites, oder sogar dirttes Mal anzustellen wagten. Ein Bier kostete 6 Dollar, was uns in Anbetracht des Restschaumes in den ewig leeren Pitchern als Hohn erschien. Vielleicht war es deshalb auch so, dass sich bereits kurz nach 10pm nur mehr wenige Leute am Pizzaria Areal befanden. Um 23:00 schloss die Veranstaltung für immer.

5 Stunden früher. Nachtrag. Vielleicht waren wir mittlerweilen von den europäischen, asiatischen, oder afrikanischen Festivals zu verwöhnt, aber außer der bloßen Akkreditierungskarte wurde uns weder ein Stadt- oder Festivalplan oder sonst irgendwas zuteil, was uns bei der Orientierung der nächsten 7 Festivaltage hätte helfen können. Ein Ticket pro Vorstellung kostete auch für die akkreditierten Filmemacher selbst 13 $. Danke Dävid! Eines vergaß ich: der Korrektheit halber muss erwähnt werden, dass auch die erste Vormittagsvorstellung jedes Tages für Besitzer einer heiligen Akkreditierung kostenlos zugänglich war. Das schönste für uns am Geiztag war, als wir das Promo-Material der German Films an den drei Flyer-Ständen des Festivals verbreiten konnten. Großzügig. ;)

TAG 2

Nicht zu vergessen - die LA Shorts sind richtig cool! Weil sie in LA sind. Und dort kann man auch einiges abseits des Festivals erleben, wenn man ein Auto und Freunde dabei hat, oder man sich selbiges vor Ort besorgt. Die Stimmung am Festival, das kein echtes Festivalcenter hatte schien leider eher unfruchtbarer Boden für Kommunikationen zu sein. Wirklich toll mag für manche allerdings gewesen sein, dass der Festivalleiter jede Vorstellung persönlich anmoderierte, und dabei stets preisgab, dass dieses Festival zu einem der renomiertesten und wichtigsten seiner Art zählt. Dann erwähnt er die gewonnen Oscars (da es sich ja um ein Oscar-qualifizierendes Festival handelt) der letzten Jahre. Dann geht es los.

Die Filme, die  es am LA SHORTS zu sehen gibt sind wirklich sehr breit gemischt. Die Range reicht hierbei von "grauenvoll amateurhaft gestalteten Filmen ohne jede Stilsicherheit bei denen man am liebsten das Kino verlassen würde" bis hin zu "wahren Meisterwerken", die mir sicher noch länger in Erinnerung bleiben werden. Nach jedem Screening gibt es ein Q&A mit den Filmemachern, bei denen das Publikum auch zum Mitfragen ermutigt wird. Die meisten Filme sind amerikanischer Herkunft. Die Jury, die über über die Preisfilme "judged" ist nicht vor Ort, und hat vermutlich schon vorher entschieden, welcher einen der begehrten Trophäen erhält. Wenn man hartnäckig ist, kann man nach den Vorstellungen einen der anderen Festivalgäste kennenlernen, gesetze dem Fall man hält sich sich außerhalb des Kinos in North Hollywoo auf, in dem alle Festivalfilme gezeigt werden. Richtiges "Networking" findet allerdings nicht statt, da es weder Partys noch offizielle Veranstaltungen gibt, von denen man erfährt. Gut, das stimmt nicht ganz. Nach meinem Q&A kam eine wirklich attraktive blonde Dame zu mir, drückte mir ihre pinkfarbene Karte in die Hand und hauchzte: "He! I really wanna work with you!"

TAG 3 - 7

Es gibt gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, als sein Vermögen für die immens teuren Festivaltickets auszugeben. Für all jenen, die LA. noch nicht bereist haben, kann eine weitere Attraktion der LA SHORTS sicher darin bestehen, sich diese absurd riesige Stadt mit all ihren Gimmicks vor Augen zu führen. Dazu sind die bereits erwähnten Freunde, und das bereits erwähnte Auto sicher ein Bonus, falls man darüber verfügt. Gemeinsam kann man an den Stränden Malibus surfen, die Buchstaben des Hollywood Signs anzünden, in den Hollywood Hills Sunrise Avenue hören.... zum Kodak Theatre spazieren (für mich heisst es immer noch so..), oder sich mit den "Gay Cops" oder anderen verkleideten Menschen, die am Hollywood Bvd betonharte Groschenarbeit betreiben fotografieren lassen.

RESÛMEE

Mein Tip: kommen sie nicht alleine, und bringen sie ihr Erspartes mit, dann gehört dieses Festival ihnen. Wenn sie Burger und FastFood verehren, Rohkost, Obst und frisches Gemüse hingegen aber verachten, dann ist das ihr Land. Stellen sie sich darauf ein, dass ihr Leihwagen fetter ist als sie es jemals für möglich gehalten haben. Organisieren sie ihre Unterkunft selber und erwarten sie sich nicht allzu viel Guidance vom Festival.

Die Abschlussfeier findet gemäß den Gegebenheiten am selben Ort statt, an dem auch schon die Eröffnung glanzvoll über die Bühne gegangen war. Es gibt Free Pizza und Free Beer, aber wir wissen ja schon was das bedeutet. Über Höhepunkte lässt sich im Allgemeinen  ohnehin streiten. Für meine Celebrity-geile Autorin nämlich war dieser beispielsweise schon im Hinflug nach Los Angeles erreicht. Unerwarteter Weise saß im Flieger LDN Heathrow - LAX nämlich Robin Thicke neben uns. Nur Gott und er selbst weiß, was ihn in die Economy Class unseres Fliegers getrieben hat. Vermutlich war er auf Recherche für ein neues Lied, meine Autorin träumt jedenfalls noch heute von diesem Sitzereignis. Ladys and Gentleman, welcome to Hollywood!


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