Chicago International Children's Film Festival 2013

24.10.-02.11.2014

Bericht von André Hörmann (LODEN - DER KLEINE MÖNCH)

Das Chicagoer Kinderfilmfestival gilt, mit über 200 Filmen im Programm und vier über die Stadt verteilten Veranstaltungskinos, als das größte Nordamerikas. Es ist ein Treffpunkt  von Filmemachern aus der ganzen Welt. Der Hauptfokus der Veranstalter liegt jedoch auf der Arbeit mit den Kindern der Region. Es werden Schulvorführungen einiger Festivalfilme, spezielle Screenings für Schulklassen und einige Workshops für Kinder angeboten. Da Chicago berühmt ist für seine Filmkritiker, liegt ein besonderes Augenmerk auf der Kinderjury. Sie wird bei einem Wettbewerb in den Schulen der Region ausgewählt und von Kritikern geschult. Einige Mitglieder werden als Juroren zu den größten Kinderfilmfestivals der Welt entsandt.

Meine Teilnahme am Festival begann mit einem Radiointerview des überregionalen Senders WBEZ, das ich gemeinsam mit der Festivalprogrammleiterin Ann Vikström, dem New Yorker Filmemacher Jonah Bleicher und der telefonisch zugeschalteten Pädagogin für frühkindliche Erziehung  Dr. Ari Brown führte. Der Fokus des Gesprächs lag auf Unterschieden in Dramaturgie und Herstellungsprozess von Kinderfilmstoffen im Gegensatz zu Filmen für ein erwachsenes Publikum. Die Pädagogin präsentierte die Ergebnisse ihrer letzten Erhebung, aus der hervorgeht, dass Kinder unter drei Jahren im Schnitt bis zu zwei Stunden täglich fernsehen. Gerne wird das TV-Gerät auch am Kinderbett zum Einschlafen eingeschaltet. Dadurch werden Schlafstörungen verursacht und vor allem die sprachliche Entwicklung beeinträchtigt. Ein kritischer Blickwinkel besonders auf die Kleinkinder-Reihe des noch am selben Abend beginnenden Festivals.

Die Festivaleröffnung im Foyer des Hauptveranstaltungsortes „Facets-Cinema“ war familiär und herzlich. Ann Vikström freute sich über die enge Zusammenarbeit mit German Films und die Qualität der Deutschen Kinderfilme. Ihre Assistentin stellte mich drei deutschen Filmemachern vor, die ebenfalls ihre Arbeiten auf dem Festival präsentierten. Das Screening meines Films „Loden - Der kleine Mönch“ in einem Block mit zwei weiteren Filmen aus Asien war für mich ein besonderer Höhepunkt. Trotz Halloween-Nacht war das Kino voll besetzt und ich konnte den Film erstmals gemeinsam mit einem Publikum auf großer Leinwand sehen. Ich freute mich sehr über den Applaus und die vielen Fragen im Anschluss an das Screening.

Dank einiger vom Festival organisierter Events verbrachte ich viel Zeit mit den anderen Filmemachern. Höhepunkt war die Halloween-Nacht, in der wir durch die Chicagoer Bluesbars zogen und schließlich mitten in einer großen Monster- und Zombieparade landeten. Außerdem sah ich mir die Stadt an, mit dem architektonisch beeindruckenden Wolkenkratzerensemble in Downtown, den Szenevierteln Bucktown, Wickerpark und Ucrainien Village und den heruntergekommen Viertel der Southside. Besonders bemerkenswert finde ich den harten Kontrast und die Segregation zwischen Downtown, das hauptsächlich in der Hand von wohlhabenden Weißen ist und der Southside, in der fast ausschließlich von Afro-Amerikanern leben, deren Einkommen unter der Armutsgrenze liegt.

Einen gelungenen Abschluss fand das Festival mit der Preisverleihung und einer Fare-Well Party im Festivalbüro. Ich bin sehr dankbar dafür, die Möglichkeit bekommen zu haben am CICFF teilzunehmen. Im Verlauf des Festivals lernte ich eine Reihe internationaler Kinderfilm-Produzenten und Regisseure kennen und konnte wertvolle Kontakte für zukünftige Zusammenarbeiten knüpfen.

www.cicff.org