Curta Cinema - Rio de Janeiro International Short Film Festival 2012

01.-08.11.2012

Bericht von Sebastian Mez (BRASA)

Ich freute mich sehr über die Einladung meines Films BRASA in das Programm des Rio de Janeiro Kurzfilmfestivals, da ich somit die Gelegenheit bekam, ihn in dem Land uraufzuführen, in dem er gedreht wurde. Es handelt sich um eine deutsch-brasilianische Koproduktion, und einige Leute, die an der Entstehung des Films mitwirkten, würden den Film vor Ort auf großer Leinwand sehen können.

Somit landete ich am 03.11.2012 zu später Stunde auf dem Flughafen Galeao in Rio de Janeiro. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der andauernde Regen stellten einen enormen Kontrast zum kalten und trockenen Wetter in Deutschland dar. Direkt am Ausgang wartete eine der netten Gästebetreuerinnen mit dem Fahrer auf meine Ankunft. Schon auf der Fahrt zum Hotel wurden mir Ratschläge bezüglich meiner Sicherheit vor Ort gegeben, da einen Tag zuvor ein Gast des Festivals überfallen und ausgeraubt wurde. Ich beschloss daraufhin diese zu beherzigen, und ausschließlich in größeren Gruppen durch die Stadt zu laufen, vor allem bei Nacht.

Der Aufenthalt im Hotel war so geregelt, dass sich zwei Filmemacher ein Zimmer teilen müssen. Das hat Vor- und Nachteile, doch der Umstand bringt mit sich, dass man direkt von der ersten Sekunde an integriert ist und man schneller Kontakte zu den anderen anwesenden Filmschaffenden bekommt. Kurz nach meiner Ankunft im Hotel und einer schnellen Dusche ging es direkt weiter zum Cinema Odeon, der Hauptspielstätte des Festivals, einem unglaublich schönen alten Kino im Herzen des Stadtzentrums. Leider wurden ausschließlich die Filme des internationalen sowie brasilianischen Wettbewerbs dort gezeigt, wohingegen BRASA als Teil der Experimentalfilmsektion in kleinere Spielstätten gelegt wurde.

Die erste Vorführung meines Films in Rio fand am darauffolgenden Tag in Ipanema statt. Dieser für seinen schönen Strandabschnitt berühmte Teil Rio de Janeiros befindet sich im Süden der Stadt. Die Vorführung fand im Oi Futuro Ipanema statt, einem Museum welches Künstlern aus aller Welt Raum für ihre Ausstellungen gibt und zusätzlich ein kleines Kino besitzt. Leider war das Screening an sich eher dürftig besucht, ich konnte ganze sechs Zuschauer zählen. Dennoch gab es ein anregendes Q&A nach der Vorführung welches mich zufrieden aus dem Museum gehen ließ.

Das Rahmenprogramm des Festivals war angenehm organisiert. Fast jeden Tag fanden Meetings in Form von gemeinsamen Essen, das Besuchen von kulturellen Stätten oder das gesellige Beisammensein in der Festivallounge statt. Somit gab es genug Gelegenheiten, das eine oder andere sehr intensive Gespräch zu führen, sowie die mitgebrachten Materialien von German Films an den Mann oder die Frau zu bringen.

Die zweite Vorführung meines Films fand am 07.11.2012 im Ponto Cine statt. Dieses kleine, in einer Shopping Mall untergebrachte Kino befindet sich ca. 2 Stunden entfernt in Guadalupe, einem Vorort von Rio. Auf dem Weg dorthin wurde mir mit einem Schlag die Größe der Metropolregion Rio mit ihren fast 12 Millionen Einwohnern bewusst. Ziel der Festivalorganisation war es, durch die Verlegung der Spielstätte an einen Randbezirk auch jene Menschen in den Genuss der Filmkunst kommen zu lassen, die sonst keinen Zugang zu ihr bekommen. Ein Experiment also, was in diesem Falle jedoch, so muss man es leider sagen, gründlich danebenging.

Durch die lange Fahrt zur Spielstätte erreichten wir das Kino, als der Screening Block schon lief. Bei unserer Ankunft warnten uns die Mitarbeiter vor Ort schon vor, dass das Kino komplett leer sei. Und so war es dann auch. Ich konnte nicht einen einzigen Gast ausmachen. Des Weiteren war das Bildseitenverhältnis meines Films falsch, wodurch das gesamte Bild verzerrt war und der Ton wurde durch einen übertriebenen Kompressor im Kino quasi neu gemischt. Das war nicht nur bitter, es bedurfte auch eines schnellen, kühlen Brahmas um die Situation erträglich zu machen. Nachdem ich mir als einziger Gast meinen Film ansah, welcher zugleich den Block beendete, machte ich mich auf zur Festivallounge. Dort wurde mir berichtet, dass geplant war, die Schulklassen diverser Schulen vor Ort in das Screening zu bringen um eine lebhafte Diskussion entstehen zu lassen. Anscheinend hatten die Lehrer jedoch ihr Versprechen nicht eingehalten und somit blieb das Kino leer.

Zurück im Zentrum vorm Kino Odeon dann ein ganz anderes Bild: eine Endlosschlange von Besuchern wartete auf den Einlass für den nationalen Wettbewerb. Das war zum einen frustrierend zum anderen aber verständlich, da es sich bei der EXPERIMENTA um eine Nebensektion handelt, die selbstverständlich nicht annähernd die gleiche Aufmerksamkeit bekommt wie der Wettbewerb.

Trotz der dürftigen Vorführungen meines Films bleibt mir das Festival besonders gut in Erinnerung, denn es lebt von einer unverwechselbaren Atmosphäre und den Menschen, die sie auf ihre Art zum Leben erwecken. Angefangen von Ailton, dem künstlerischen Direktor, der auf keiner Party fehlte, bis hin zu den Fahrern, die in den frühen Morgenstunden die angetrunkene Meute zurück ins Hotel fuhren, trugen alle ihren Teil dazu bei, dass die Tage am Zuckerhut unvergesslich bleiben. Insofern hoffe ich bald wieder Gast dieses tollen Festivals sein zu können, dann jedoch hoffentlich im Wettbewerb.

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