I'VE SEEN FILMS - INTERNATIONAL SHORT FILM FESTIVAL 2012

10.-19.10.2012
Bericht von Jan-Gerrit Seyler (DER PHILATHELIST)

Es war ein Erfolg. Und ein großes Vergnügen, am 19. Oktober im Namen der Hamburg Media School, der AG-Kurzfilm und German Films zum Gala Award Evening in die schöne Location des Spacio Oberdan Theaters in Mailand gehen zu dürfen. Zu den Screenings die Tage zuvor habe ich es leider nicht mehr schaffen können. U.a. unter technischen Gesichtspunkten hätte es mich interessiert; immerhin wirbt das Festival auch damit, Filme über die neueste HD Digital Cinema-Ausstattung zu projizieren.

Der Gala-Abend mit der Preisverleihung ist daher alles, worüber ich berichten kann. Untypisch für italienische Filmfestivals ist, dass das Festival weitestgehend in englischer Sprache abgehalten wird. Hilft ungemein! Und verkürzte die Redezeiten, was auch dem Fluss des Abends sehr entgegenkam. Zugkraft verleihen dem I’ve Seen Films – International Film Festival (www.icfilms.org) prominente Namen wie z.B. Robert Rodriguez als Teil der Jury oder der Leiter des Goethe Instituts Mailand Ulrich Braess unter den anwesenden Gästen sowie natürlich der Gründer und Namensgeber, Rutger Hauer.

Wie erwartet wurde elegante Abendgarderobe getragen, Smokings und ausgefallene Kleider haben in der Stadt der Mode hohen Stellenwert, es gab viel zu bestaunen. Rutger Hauer hat es sich nicht nehmen lassen, vorweg seinen eigenen Film zu präsentieren, ein sehr gefühlvolles Werk zur Aufmerksamkeitslenkung auf seine Organisation, die Rutger Hauer Starfish Association (www.rutgerhauer.org/rutgerhauer.org/index.php) zur Aufklärung und Erforschung von HIV/AIDS.

Es folgten abwechselnd (und in englischer Sprache!) Laudationen und Filmausschnitte der preisgekürten Filme, moderiert von Claudio Colombo. Und plötzlich war ich schon an der Reihe. Special Acknowledgement for “The Philatelist” (www.facebook.com/derphilatelist, www.derphilatelist-film.de), überreicht von Rutger Hauer. Ich kann nicht leugnen, das war schon ein besonderer Moment. Bei aller Liebe der Italiener für die große Geste und einem Hang zur Überhöhung – einen Preis von einem Helden meiner Kindheit für einen eigenen Film überreicht zu bekommen, das ging nicht spurlos an meinem Gefühlszentrum vorbei. Da stand mir auch noch zwei Stunden später ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben.

Beim anschließenden Feiern mit Sekt und Mailänder Torte suchte ich das Gespräch. “Rutger, thank you so much for sharing this moments ... lost in time, like tears ... in rain.“ Hätte ich vielleicht gerne gesagt, habe ich aber nicht. Roy Batty, der berühmteste Replikant seit Bladerunner. Stattdessen alberten wir herum und versuchten unvorteilhafte Grimassen für die Fotografen zu machen und hatten uns naturgemäß herzlich wenig zu sagen.

Auffallend war die Anzahl deutscher Regisseure, die Preise und Anerkennungen bekamen. Schnell kam ich mit Kollegen ins Schnacken, und wir verlängerten in einer größeren Gruppe den Abend in der nächsten Kneipe.

Mein Trip nach Mailand bleibt bei aller Freude auch ein teures Vergnügen. Das Festival konnte mir für eine Nacht ein Zimmer im Hotel bereitstellen, die anderen drei Nächte kam ich in den günstigsten Hostels der Stadt zu 17,- bis 25,- Euro/Nacht unter. Reisekosten konnten leider nicht übernommen werden, auch nicht anteilig. Das Festival setzt eindeutig auf den Promi-Faktor und die vorherige Ankündigung der Gewinner, um Filmemacher kostengünstig anzulocken. So betonte Rutger in seiner Rede, dass die öffentlichen Gelder für die Ausrichtung “re-fucking-diculous“ seien. Tja, und für arme Studenten und Backpacker ist Mailand eh nicht geschaffen – dieser Stadt begegnet man entweder mit Geld oder Humor.


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