SITGES – Festival Internacional de Cinema Fantàstic de Catalunya 2012

04.-14.10.2012

Bericht von Markus Kaatsch (Produzent) EAT

Das Sitges Film Festival ist mir seit 2009 bekannt. Hier hat der Kurzfilm THE BOY WHO WOULDN'T KILL von dem befreundeten Regisseur Linus de Paoli seine spanische Premiere gefeiert. Linus berichtete damals von einem tollen Festival und kam mit einer lobenden Erwähnung zurück, hinzu lernte er die amerikanische Schauspielerin Amanda Plummer kennen und verwirklichte mit ihr in Deutschland seinen ersten Langspielfilm DR. KETEL.

In der Tat ist Sitges etwas außergewöhnlich. Im noch warmen spanischen Spätsommer wird hier der Film regelrecht zelebriert. Das Festivalpublikum klatscht und jubelt bei Vorspännen oder nach gelungen Szenen und Effekten - sitzt von früh morgens um 08:00 Uhr bis 03:00 Uhr in der Nacht im Kino. Und so waren wir, Moritz Krämer (Regie), Patrick Jasim (Kamera), Tara Biere, Niklas Warnecke und Markus Kaatsch (Produktion) vom Kurzfilm EAT (dffb/arte), vorerst doch recht erstaunt, aber auch sehr schnell angetan davon, dass der Sitges-Festival-Trailer vor jedem Film stark und immer bejubelt wurde. So etwas erlebt man nicht auf jedem Festival!

Das ist ein ganz besonderer Event für Katalonien und neben San Sebastian eines der medienwirksamsten in Spanien. Das Publikum ist international und kommt auch zum großen Teil aus beruflichen Gründen angereist. Sehr viele Filmemacher, ob Langfilm oder Kurzfilm sind anwesend. Es ist ein großes Filmereignis für alle Fans des fantastischen Films. Hier gibt es nicht nur den klassischen Horrorfilm, sondern die gesamte Bandbreite des internationalen Markts des fantastischen Films mit einer hochkarätigen und großen Filmauswahl. Uns interessierten nicht nur Cronenberg, Burton und Lynch, wir haben das Programm gründlich studiert und eine reiche Auswahl vorerst unbekannter Filme für drei volle Festivaltage ausgesucht: u.a. den japanischen Mainstream-Kinofilm ROBOT-G, den katalanischen Coming-of-Age Film ANIMALS, in ihrer Machart sehr hochwertige und unterschiedliche Animationsfilme (Kurzfilme) und europäisches Arthouse wie Pölslers DIE WAND oder die großartig bitterböse, britische Komödie SIGHTSEERS. Gewinnerspielfilm des Festivals war der schon im Cannes-Wettbewerb 2012 gefeierte HOLY MOTORS von Leos Carax.

SITGES ist eines der weltweit wichtigsten Festivals des fantastischen Films, der Daddy und das Flagschiff an dem sich auch andere Festivals orientieren. Das spürt man. Wir waren nur drei Tage vor Ort und wurden von dieser Welt eingenommen.

Parallel zum Festivalprogramm war Sitges Endstation des „four corners writers workshops“. Hier treffen sich die Workshopmitglieder mehrmals im Jahr in verschiedenen europäischen Städten und tauschen sich neu aus. Wir haben dadurch in Sitges Filmstudenten aus Ungarn und Bulgarien kennengelernt und sind mit ihnen auch nach dem Festival für mögliche internationale Projekte in Kontakt. U.a. konnten wir uns über die verschiedenen Herangehensweisen des Filmemachens in unseren Heimatländern verständigen. Kurz vor unserer Abreise schenkten wir ihnen unsere Akkreditierungen, damit sie die noch folgenden Festivaltage nutzen konnten.

EAT Regisseur Moritz Krämer wurde vor Ort von dem internationalen Festivalradio Fred.fm interviewt. Wir wurden in der Festivalzeitschrift (täglich neue Auflage) mehrmals erwähnt. German Films, sowie AG Kurzfilmkataloge legten wir an unserem ersten Tag in der Chill Corner/Box Office für Filmemacher und Festivalgäste aus.

Aus beruflichen Gründen mussten wir am Festivaldonnerstag wieder abreisen. Zwar nicht mit amerikanischer Schauspielerin, aber nur wenige Stunden nachdem wir gelandet waren, haben wir den Anruf bekommen, dass unser Film als Bester Europäischer Kurzfilm (http://sitgesfilmfestival.com/eng/noticies/?id=1003140) ausgezeichnet wurde. Die Freude war groß, denn es war die Weltpremiere von EAT und somit unsere vollkommen richtige Entscheidung, unsere skurrile Kurzgeschichte, eines Modells, das ihre gesamte Garderobe und schlussendlich sich selbst aufisst, nach Sitges zu bringen. EAT war eher als Experiment und nicht als klassischer Genrefilm gedacht, umso mehr freuten wir uns über ein solch abwechslungsreiches und tolerantes Festival - dass wir und unser Film hier mit offenen Armen empfangen wurden.

http://sitgesfilmfestival.com/eng