Comic-Con International Independent Film Festival 2014

24.-27.07.2014
Bericht von Julia Walter (JOB INTERVIEW)

Nachdem ich mit meinem Film JOB INTERVIEW beim großartigen Palm Springs ShortFest 2014 im Wettbewerb lief und auch vor Ort war, war ich sicher, dass das zunächst meine letzte große USA Festivalreise bleiben würde. Als ich aber dort mit Industry Professionals ins Gespräch kam und erzählte was die nächsten Festival-Stationen meines Films sein werden - u.a. LA Shorts Fest, San Diego Comic-Con - bekam ich überall dieselben anerkennenden Reaktionen: „Wow. You made it into Comic-Con!?...“ Sehr nachdrücklich wurde mir von verschiedenen Seiten ans Herz gelegt, dass ich da unbedingt hinfahren müsse, weil die Comic-Con eine ganz große Sache sei und quasi ganz Hollywood zu diesem Zeitpunkt geschlossen nach San Diego reisen würde.

Da mir German Films und die AG Kurzfilm ihre Unterstützung zugesagt hatten, konnte ich, nur knapp zwei Wochen nach meiner Rückkehr aus Palm Springs, erneut nach Kalifornien fliegen.

Die Comic-Con ist, nun im 44. Jahr, die weltweit größte Veranstaltung zur Populärkultur. Längst stehen nicht mehr nur Comics im Mittelpunkt sondern alles was in irgendeiner Weise mit Fantasy, Action, Horror, Science-Fiction, Superheroes ,Video-Games, etc. zu tun hat. Studios präsentieren ihre Line-Ups, neue Trailer, exklusive Promo-Clips, lassen Cast und Crew von Serien und Filmen für Pressekonferenzen, die vor tausenden von Fans abgehalten werden, einfliegen. „Comic-Con is huge“, hörte ich im Vorfeld von überall - und das stimmt. Eingefleischte Fans kommen mit liebevoll vorbereiteten Kostümen zur Convention und lassen sich gern fotografieren (auch Kult-Regisseur Peter Jackson mischte sich so unerkannt unter’s Volk, was er aber natürlich erst im Nachhinein enthüllte).

Neben all den Screenings, Panels, Videogame-Specials und den tausenden Ausstellern in der riesigen Messehalle gibt es unzählige Veranstaltungen, die sich bis nach Downtown San Diego ausbreiten und die kleine „Themenparks“ zu bestimmten Shows darstellen (und bei denen man stundenlang Schlange stehen kann). Wenn man sich das dicke Programm anschaut, weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.

Und Mittendrin das Comic-Con International Independent Film Festival. Dieses Festival ist anders als alles, was ich bisher an Festivals erlebt habe. Die Emails klärten im Vorfeld der Veranstaltung alle Fragen, vor Ort war ich dann ganz auf mich allein gestellt. Keine Gäste-Betreuung, kein Festivalzentrum. Auch in der Programmierung unterscheidet sich die Comic-Con von anderen Festivals: Formell sind die Filme zwar schon in Programmthemen eingeteilt (Action/Adventure, Animation, Horror/Suspense, Humor, Documentary, Comics-Oriented, Science Fiction/Fantasy), tatsächlich gibt es aber keine Filmblöcke sondern jeder Film ist ein einzelner Punkt im Messeprogramm und auch als solcher im Programmheft angekündigt. Das ist natürlich schick, weil man dadurch mit seinem Film wirklich zum Teil der Comic-Con wird, allerdings ist es so, dass die Zuschauer selten die ganze Zeit beim Festival bleiben, sondern eher gelegentlich vorbeikommen um zwischendurch mal einen Kurzfilm zu sehen.

Erstaunlich war für mich, dass ich noch nie so wenige der anderen teilnehmenden Filmemacher kennen gelernt habe wie hier. Anders als z.B. in Palm Springs, wo sie in Scharen herumlaufen, habe ich, abgesehen von Adam Neese, der das CCI-IFF organisiert, auch keinen einzigen weiteren Filmfestival-Programmer getroffen. Es gibt keine Parties oder Get-Togethers, dafür aber die mehrere Tage dauernde „Comic-Con Film School“, eine Panel-Reihe, die sich an potentielle Film-Anfänger richtet und den Weg von der ersten (Kurz-) Filmidee bis zur Distribution thematisiert.

Der große festliche Saal, in dem das Festival stattfindet, hat eine große Leinwand, auf die allerdings nur von DVD projiziert wird. Er liegt etwas abgelegen innerhalb des noblen Marriott Hotels neben dem Convention Center. Dadurch gibt es also nicht so viel „Laufkundschaft“, die von selbst an dem Festival-Ort vorbei käme. Damit der Saal für das eigene Screening dennoch gut gefüllt ist, muss man sich selbst um Zuschauer kümmern und sie begeistern zum Screening zu kommen. Was das ganze etwas schwierig machte, war die deutliche Ansage von Seiten des Festivals, dass auf dem ganzen Gelände weder Poster aufgehängt noch Flyer oder Postkarten verteilt werden dürfen. Es bleibt also nur Leute persönlich anzusprechen.

Das an das Screening anschließende Q&A war ebenfalls recht ungewöhnlich. Auf der Bühne kam ich mir hinter einem Tisch mit Mikrofonen vor wie auf einer Pressekonferenz. Es gab keinen Moderator, also moderierte ich mein eigenes Q&A. Erfreulich war, dass die Zuschauer extrem positiv auf JOB INTERVIEW reagierten und viele Fragen hatten, die ich gern beantwortete. Nach Ablauf der vorgesehen Zeit hielt ein Festivalmitarbeiter ein Schild hoch, das signalisierte, dass ich nun zum Ende kommen sollte. Bei der Mittags am letzten Tag stattfindenden Award-Ceremony gab es Trophäen (nicht an Anwesenheit der Filmemacher gebunden), im Anschluss wurden noch einmal die Gewinnerfilme gezeigt.  

Was ist sonst noch wichtig? Das Festival bezahlt keine Zuschüsse zu Reise und Unterkunft, dafür bekommt man drei All-Access-Pässe für insgesamt drei Q&A Teilnehmer und drei weitere für zusätzliche Gäste. Außerdem gibt es eine schicke Urkunde für die Teilnahme am Festival.

Lohnt es sich also auf die Comic-Con zu fahren? Ich finde absolut! Die Comic-Con ist ein atemberaubendes Konglomerat aus überdimensionalen Einzelteilen und jeder, der Populärkultur machen möchte, sollte das gesehen haben. Wie immer hat es viel mit Glück zu tun, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Indem ich Zuschauer für meinen Film akquirierte, lernte ich einen Designer kennen, der seit Jahren Kostüme für Superhero-Blockbuster entwirft und der mich dann wiederum mit seinen Freunden und Kollegen (u.a. einem Simpsons-Designer) bekannt machte.

Natürlich sind auf der Comic-Con neben all den Fans enorm viele Film-Professionals unterwegs. Diese muss man aber unter mehr als 130.000 Teilnehmern selbst finden. Wenn man also riesige Menschenmassen gut aushält und entschlossen ist sich mit Eigeninitiative ins Getümmel zu stürzen, dann ist diese Reise eine tolle Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

http://www.comic-con.org/cci/film-festival