Festival des Films du Monde | FFM 2014

21.08.-01.09.2014
Bericht von Lisa Bierwirth (TEUFEL)

Am 22. August 2014 habe ich mich auf den Weg nach Montreal gemacht, um meinen Film „Teufel“ im diesjährigen Studentenwettbewerb des „Montreal World Film Fest“ zu präsentieren. Nach der langen Reise war es wundervoll, mit einem Shuttle vom Flughafen abgeholt zu werden. Meine Unterkunft war in „Little Italy“, morgens machte ich einen Spaziergang zum Festivalzentrum in der Innenstadt. Eine Empfehlung, denn Montreal ist eine, wie ich finde, tolle Stadt und so kann man sie gut kennenlernen.

Im Festivalzentrum wurde ich sehr nett empfangen, und dort konnte ich mich zunächst orientieren. Das ging sehr schnell, denn alles Kinos sind in fußläufiger Entfernung, was dem Montreal Film Festival einen intimen Charakter und Charme verleiht. So lernt man schnell andere Filmemacher kennen, die sich auch größtenteils täglich zum Aperitif und Gesprächen auf dem Balkon des Festivalzentrums im Hotel getroffen haben. Alles in allem eine sehr angenehme Atmosphäre und gute Voraussetzungen für ein Filmfestival.

Das Programm war äußerst spannend und interessant, und entsprach somit durchaus dem „Ruf“ des alt eingesessenen Festivals. Neben der vielfältigen Kuratierung und der guten Gesamtatmosphäre ist insbesondere auch die Stadt ein Grund zum Festival nach Montreal zu reisen. Neben dem Festival fanden gleichzeitig viele andere Events in der Stadt statt. So bin ich eines Abends z.B. auf einem sehr beeindruckendem Konzert des „Jewish Music Festivals“ gelandet.

Aber nun zu dem eher enttäuschenden Moment. Wie ich von unserer Festivalbetreuung und anderen Menschen vor Ort erfahren habe, hat das Festival in den letzten Jahren starke finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen. Die Auswirkungen davon sind an vielen Stellen leider deutlich spürbar und wirken sich offensichtlich auch auf die Festivalkommunikation und damit auf die Vorführungen aus. Viele Kinosäle waren nicht einmal halb voll. Nur einige wenige Langfilme im Wettbewerb haben es geschafft, die Kinos zu füllen, Kurzfilme bekamen kaum Aufmerksamkeit. Das Publikum schien mit dem Festival gealtert zu sein. Die Vorführungen um 21 Uhr waren so gut wie gar nicht besucht.

Außer den anderen Filmemachern waren nur wenige Studenten anwesend, auch anderes jüngeres Publikum, wie z.B. Schulklassen, waren leider nicht präsent. Es schienen auch nur äußerst wenige Pressevertreter anwesend zu sein. Workshops, die noch in den letzten Jahren angeboten wurden, gab es in diesem Jahr leider nicht mehr.

Persönlich konnte ich ganz gut mit diesen Defiziten umgehen, habe mich stattdessen ausgiebig dem Programm gewidmet, viel Zeit mit den neuen Filmbekanntschaften verbracht, und deswegen die Reise nach Montreal in keinster Weise bereut. Allerdings habe ich einige andere Teilnehmer getroffen, die sehr enttäuscht waren, weil ihre Erwartungen an eine tolle Premiere sich nicht erfüllten – ein verständlicher Wunsch, schließlich gilt das Festival als ein A-Festival!

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass sich das Festival wieder (finanziell) erholen kann.
Montreal ist eine sehenswerte Stadt, die Auswahl der Filme wunderbar, und die Leute, die man trifft, sind es auch. Deshalb wäre schade, wenn es diese Film-Oase nicht mehr geben würde.