Melbourne International Film Festival MIFF 2014

31.07-17.08.2014
Bericht von Nora Fingscheidt (BOULEVARD'S END)

Das Melbourne International Film Festival (MIFF) ist das älteste und größte Filmfestival der südlichen Hemisphäre. Dementsprechend umfangreich ist das Filmprogramm: zwei Wochen lang werden unzählige Filme aller Art (Langfilme, Kurzfilme, Spielfilme, Dokumentarfilme) gezeigt. Dabei reicht die Auswahl von ganz neuen Filmen, die gerademal in Cannes liefen, bis hin zu alten Klassikern in Schwarzweiss. Ein großer Fokus liegt auf australischem Kino, sowohl im Lang- wie auch im Kurzfilmbereich und außerdem ist der Nachbar Asien mit sehr vielen Arbeiten auf dem Festival vertreten. Das Programm ist trotz seines Umfangs sehr behutsam ausgesucht und die Qualität der Filme (von dem, was ich gesehen habe) beeindruckend.

Auch bei den Kurzfilmen dominieren australische und neuseeländische Arbeiten, darunter viele Nachwuchsfilmer. Die vergleichsweise wenigen internationalen Kurzfilme (nur drei Programme) sind sehr gut ausgewählt und zusammengestellt. Einige Kurzfilme laufen auch vor Langfilmen; das Festivalprogramm ist übersichtlich trotz seines riesigen Umfangs.

Das Festival findet in verschiedenen Kinos statt, die allerdings alle im Zentrum von Melbourne sind und gut zu Fuß erreichbar. Alle Tickets müssen vorher online gebucht werden, über die spontanen Stand By-Schlangen kommt man kaum in Kinos, denn die Melbourner sind ein kulturinteressiertes Publikum und die meisten Screenings sind voll besetzt. Man muss sich also vorher ausgiebig mit dem Programm beschäftigen und eine Auswahl treffen, sonst steht man in der Kälte.

Da das Melbourne International Film Festival im August stattfindet ist dort tiefer Winter und man sollte es nicht unterschätzen (ich habe es unterschätzt): es wird richtig kalt und windig, es regnet und hagelt, um 18 Uhr ist es dunkel. Ideales Wetter also, um viel im Kino zu sitzen. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man mehr Zeit mitbringen als nur die Zeit des Festivals da zu sein. Die Flugreise ist extrem lang und anstrengend, der große Zeitunterschied fordert einige Tage an Jetlag.

Die Organisatoren aber sind sehr nett und hilfsbereit, kümmern sich um alle Belange. Man wird vom Flughafen abgeholt und zum Hotel gebracht, vor dem Screening wird man ebenfalls persönlich abgeholt und das Kino war vollbesetzt. Auch an Rahmenveranstaltungen wie Workshops, Parties und sonstigen Festivalveranstaltungen mangelt es dem MIFF nicht. Allerdings trifft man auf dem MIFF kaum internationale Filmemacher, sondern vor allem Australier und Neuseeländer. (Wahrscheinlich ist den meisten die Reise zu lang). Auch bei den Langfilmen sind kaum internationale Filmemacher anwesend, deshalb fehlt dem Festival der persönliche Q&A-Faktor. Man erfährt wenig über die Leute hinter den Filmen. Ausgenommen natürlich sind die regionalen Filmemacher. Und das ist natürlich ebenfalls sehr spannend und auch sehr unterhaltsam.