Shriekfest 2014

02.-05.10.2014
Bericht von René Schweitzer (MAC BLASTER – DIE WELT IM FADENKREUZ)

Anfang Oktober 2014 besuchten mein Kollege Sebastian Utech und ich das Shriekfest 2014 in Hollywood, Kalifornien. Wir waren mit unserem Western/Splatter-Kurzfilm Mack Blaster – Die Welt im Fadenkreuz dorthin eingeladen worden. Auf Grund des prominenten Standorts in Hollywood und wegen dem guten Ruf, der dem Festival vorrauseilte, flogen wir dank der Unterstützung von German Films & AG Kurzfilm nach Los Angeles.

Im Vorfeld muss gesagt werden, dass wir unsere erste und bis dato einzige Erfahrung als Gäste von Filmfesten bei PiFan 2014 (Pucheon International Fantastic Film Festival, Südkorea) gemacht hatten, wo unser Film in der Official Selection seine Weltpremiere gefeiert hatte. Dort wurden uns Reise- und Wohnkosten erstattet und wir hatten vor Ort das Gefühl wie Staatsgäste behandelt zu werden. In Hollywood lief es dann gehörig anders. Das Festival war sehr klein und das einzige finanzielle Entegegenkommen sollte eine 20%- Ermäßigung in unserem Hotel bleiben, welche das Shriekfest für uns ausgehandelt hatte. Flug, Hotel, Drinks bei Welcome- und Closingparty... Hier gab es nichts geschenkt. Allerdings hatte ich schon des Öfteren gehört, dass das bei amerikanischen Festivals ganz normal sei.

Das Shriekfest 2014, das sich wie immer ganz dem Horrorfilm verschrieben hatte, erstreckte sich über drei Tage, startete allerdings schon eine Nacht früher mit der Opening-Party in einer zweistöckigen Bar in Hollywood. Die Schauspielerin Denise Gosset, die das Festival seit über einem Jahrzehnt mehr oder weniger alleine schmiss, empfing uns an einer Miniaturausgabe eines roten Teppichs, vor der Festivalwand. Nach ein wenig Smalltalk wurden Fotos geschossen, dann ging es ins Innere des Ladens. Hier tummelten sich etliche Filmemacher. Sebastian und ich waren neben einer Gruppe Engländer die einzigen Nicht-Amerikaner hier. Wir führten Smalltalk mit einigen Filmschaffenden und bestaunten die passend schaurige Inneneinrichtung der Bar. Am interessantesten war es im zweiten Stockwerk, dem sogenannten Pressestockwerk. Hier saßen drei Kamerateams und zwei Journalisten, die es vorzogen das Gesprochene niederzuschreiben. Es überraschte uns, dass wir uns eigentlich nur anstellen mussten um ein wenig Promotion für unseren Film zu bekommen. Wen sie genau interviewten, kümmerte die Journalisten im Vorfeld wenig. Das bekamen sie ja dann mit standarisierten Fragen während des Interviews heraus. Anfangs wirkte diese Prozedur etwas befremdlich, doch es war faszinierend in einer knappen Stunde vier Interviews abwickeln zu können.

Die Party war dann Amerika-typisch früh zu Ende und wir hatten nicht das Gefühl, sonderlich vorangekommen zu sein. Weiter ging es am nächsten Abend in den Raleigh Studios, einem Studio-Komplex gegenüber der Paramount Studios, in denen unter anderem die Serien Castle und Agents of S.H.I.E.L.D. produziert werden. Das Filmfest fand im Charlie Chaplin Theatre innerhalb des Studiogeländes statt. Denise und ihr Team hatten sich Mühe gegeben, den Kinosaal schön schaurig auszustatten, unter anderem mit einer lebensgroßen Zombie-Puppe. Wir freuten uns, als wir zwei unserer Mack-Blaster-Plakate auf dem Weg zum Kinosaal entdeckten. An diesem Abend sahen wir zwei Filme, anschließend gab es einen kleinen Empfang mit kostenlosen(!) Getränken und Häppchen. In den nächsten zwei Tagen wurden vom Mittag bis Mitternacht Filme gezeigt.

Mittag und Nachmittag gehörten den Kurzfilmblöcken, vom späten Nachmittag bis in die Nacht liefen die Langfilme. Leider gab es nach den Kurzfilmen kein Q&A, im Gegensatz zu den Langfilmen. Erfreulicherweise waren die Filmemacher sämtlicher gezeigter Langfilme anwesend und da sich das Festival in so überschaubarem Rahmen abspielte, konnte man jeden von ihnen völlig problemlos ansprechen. Zu unserer großen Freude gefiel Mack Blaster den Zuschauern in dem gefüllten Saal hervorragend und so wurden wir in den folgenden Tagen von etlichen Filmemachern, Zuschauern und Distributoren angesprochen. Außerdem gaben wir weitere Interviews.

Die Preisverleihung fand am Sonntag nach der letzten Vorstellung ebenfalls im Kinosaal statt. Denise moderierte das Ganze sehr familiär. Mittlerweile kannten sich die meisten Filmemacher untereinander. Anschließend gab es dann die Closing-Party in einer Bar in Hollywood, direkt neben der Location der Opening-Party. Die Bar war diesmal für jedermann geöffnet, es fühlte sich also nicht wirklich wie eine Closing Party an, sondern eher so als würde man mit den Kollegen vom Festival noch einen Trinken gehen. Und damit war es vorbei mit dem Shriekfest 2014.

Fazit:

Gegenüber unserer PiFan-Reise verliert das Shriekfest natürlich in sämtlichen Bereichen, was aber auch keine Schande ist, wenn man die Größenordnung der beiden Festivals vergleicht.

Trotzdem bleibt mir das Shriekfest als kleines, familiäres Horrorfestival in Erinnerung, bei dem man sich ziemlich schnell unter einander kennt und bei dem wir eventuell ein paar hilfreiche und nützliche Kontakte sammeln konnten. Außerdem war das Aufgebot an Presse für die Größe des Festivals erstaunlich umfangreich.