SXSW South By Southwest 2015

13.-21.03.2015
Bericht von Xaver Xylophon (ROADTRIP)

Ich hatte dieses Frühjahr die große Ehre, für ein paar Tage nach Texas zu reisen, um mit meinem animierten Kurzfilm ROADTRIP am Southbysouthwest teilzuhaben. (Ich habe übrigens erst mit meiner Zusage endlich erfahren, dass sich hinter dem kryptischen Kürzel SXSW, dass man hin und wieder auf einem Filmplakat entdeckt, ein richtiger Festivalname verbirgt).

Der ganze Trubel beginnt bereits ein paar Wochen zuvor, denn man wird im Vorfeld mit unzähligen Info-Emails regelrecht überschüttet, was mir zwei Dinge suggerierte: Erstens, das Festival nimmt die Sache sehr ernst, und zwei¬tens, es steht wohl ein Riesenevent bevor. Und wie ich bei meiner Anreise feststellen konnte, lag ich in beiden Dingen richtig!
Die Stadt Austin platzt aus allen Nähten. Das Festival spaltet sich nämlich in drei Events auf, die zwar zeitlich leicht nacheinander gestaffelt liegen, aber dennoch allen Orts auf angenehme Weise zur Überschneidung kommen: eine Interaktive Konferenz, ein beliebtes und renommiertes Musikfestival und dann eben das Filmfestival. Events, Work¬shops, Vorträge, Konzerte, Screenings, Partys an allen Ecken und Enden. Die Organisation durch die Betreiber ist dabei bemerkenswert reibungslos und alles findet beeindruckend professionell und mit viel Flair statt. Die Mitarbei¬ter sind alle gut informiert und super nett. Allerdings muss man auch eine gehörige Portion Tatendrang, Entscheidungsfreudigkeit und Überblick mitbringen, um in dem wilden Trubel nicht unterzugehen.

Am einfachsten ist es natürlich, sich auf den Filmpart zu beschränken, denn das Programm alleine ist so umfang¬reich, dass es sich in einer Woche niemals bewältigen lässt. Zudem kommt noch hinzu, dass man mit seiner „Filmmaker“-Badge nur beschränkt Zugang zu den restlichen Events hat und immer ein bisschen Extra-Aufwand betreiben muss, wenn man in die anderen Welten eintauchen möchte. So habe ich eben genau das getan, und mich vor allem auf das Filmfestival konzentriert.

Das Festival sieht sich als Independent-Festival und abgesehen von ein paar größeren „Headlinern“ und der ein oder anderen Hollywood-Prominenz (unter anderem Adrien Brody & Ryan Gosling haben in diesem Jahr ihre Re¬gie-Erstlingswerke vorgestellt) begegnet man tatsächlich kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Produktionen. Allerdings ist die amerikanische Interpretation von Independent natürlich eine andere als die eines europäischen Festivals und so sind die meisten Filme überaus konsumierbar und liefern meistens auch einen gewissen Unter¬haltungswert. Auch das Kinoerlebnis wird auf eine amerikanische Art zelebriert: teils wunderschöne alte Kinos mit großen Billboards, die den Film ankündigen, und imposanten Neonschildern zeigen die Filme und in zwei der Säle kann man zudem während der Vorstellung Fastfood, Kuchen, Shakes oder Drinks bestellen – inklusive Lieferung an den Sitzplatz bei laufender Vorstellung! Eine spaßige Angelegenheit. Die Screenings sind zumeist voll und die Besucher haben offensichtlich richtig Lust, sich auf die Filme einzulassen; die Stimmung ist ausgelassen und dabei sehr ange¬nehm.

In meinem Block, den „Animated Shorts“, waren zehn Filmmacher der elf ausgewählten Filme persönlich vertreten – nicht für jedes Festival selbstverständlich. Somit bietet das Festival auch viel Platz für Austausch und angenehme Bekanntschaften. Insgesamt ist das SXSW ein guter Ort für Networker, denn ein guter Querschnitt der amerikani¬schen und internationalen Filmindustrie ist vor Ort vertreten. Für mich als Animationsfilmemacher war unter an¬derem interessant, dass das hippe Videoportal Vimeo vor Ort von den Betreibern vertreten war; mit einem eigenen Kino und Veranstaltungen. War interessant die Jungs der Plattform mal persönlich kennen zu lernen.

Und anders als bei vielen großen Festivals muss man um einen Film zu sehen, nicht extra vorher umständlich Karten besorgen. Es genügt, mit der Badge rechtzeitig vor Filmbeginn am Kino zu sein.
Falls mal doch großer Andrang ist, z.B. für die Headliner, kann man sich dennoch pro Tag zwei Fastlane-Tickets holen, mit denen man ähnlich wie bei Ryanair die Schlangen einfach überspringt!
Ein nettes Feature des Festivals ist übrigens die vorgezogene Preisverleihung, diese findet zur Mitte des Festivals statt. Dass heißt nämlich, es bleibt noch Zeit, die Gewinnerfilme im normalen Programm zu sehen, falls man das nicht schon getan hat. Der Preis ist übrigens kein Cash-Preis, wie sonst bei Festivals dieser Größenordnung, sondern eine direkte Qualifizierung für die Oscar-Shortlist. Geschmackssache.
Ein kleines Special ist zudem ein Sonderpreis für das beste Filmplakat – ein Medium, das in der Filmwelt jenseits der offiziellen Distribution oft keine Würdigung findet. Also nicht vergessen rechtzeitig das Poster einzusenden!

Die einzigen Mankos finden sich bei der Versorgung der Gäste mit Unterkunft, Essen und Reise.
Vor allem die finanzielle Unterstützung ist alles andere als toll – es gibt nämlich keine. Abgesehen von dem einen oder anderen Freibier ist man auf sich selbst gestellt.
Um die Anreise muss man sich komplett selbst kümmern und auch die Unterkunft muss auf eigene Faust gesucht werden (die vom Festival vorgeschlagenen Hotels kosten alle ca. 200 $ pro Nacht), was eine kleine Herausforderung darstellt, da Austin zum Festivalzeitpunkt restlos ausgebucht ist. Auch die Preise sind zum Festivaltermin deutlich höher. Ich und die meisten anderen Filmemacher haben auf eine AirBnB-Unterkunft zurückgegriffen. So kommt man zwar auch etwas mit der texanischen Kultur in Kontakt, ist aber eher ab vom Schuss. Es empfiehlt sich ein Fahrrad zu mieten, das hat in meinem Fall super geklappt! In Texas spielt dabei auch das Wetter mit und man ist so zudem schnell bei den verschiedenen Kinos und Veranstaltungsorten, die man sonst teilweise nur mit dem Shuttle¬bus erreicht (oder man läuft 30-40 Minuten).

Was die Verpflegung mit Essen angeht, entspricht Texas voll dem amerikanischen Klischee: Man findet vor allem Fastfood. Natürlich gibt es auch anständiges (teilweise sogar vegetarisches) Essen, aber das hat seinen stolzen Preis. Für ein Essen jenseits von Burger und Tacos legt man gerne (je nach Wechselkurs) mal 20 Euro auf den Tisch.
Ein spezielles (erschwingliches) Angebot für die Festivalgäste hätte ich durchaus gut gefunden, aber auch hier liefert das Festival bis auf ein einziges Filmmaker-Lunch keine Essensmarken oder sonstige Unterstützung.
Aber um diese kleinen Ernüchterungen zu Stemmen, steht einem ja unter anderem die AG Kurzfilm zur Seite.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass das Festival voll auf überzeugt. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und zugleich entspannt.
Das Programm kann sich mehr als sehen lassen, sowohl für den Film als auch die anderen Branchen. Das Publikum ist zahlreich und sehr filminteressiert; die Fachbesucher kommen in sehr großen Mengen und auch das Rahmen- / Abendprogramm ist super.

Ich hatte eine wirklich gute Zeit auf dem SXSW und würde die lange Reise jederzeit wieder auf mich nehmen!!!