Aubagne International Film Festival 2015

16.-21.03.2015
Festivalbericht von Robert Windisch

Das Festival International du Film d'Aubagne (FIFA) legt seinen Schwerpunkt auf Filmmusik und Sounddesign und ist somit eines der wenigen Festivals, das explizit die Komponisten oder Sounddesigner der gezeigten Filme zusammen mit den Regisseuren einlädt. Also reisen die Komponistin meines Filmes und ich (Regie) nach Aubagne, der beschaulichen Nachbarstadt von Marseille. Der Flughafentransfer nach Aubagne verlief reibungslos. Während der Fahrt durch die Kleinstadt fallen sofort die vielen Festival-Plakate auf, die sämtliche Werbung aus den Schaukästen der Bushaltestellen und von den Litfaßsäulen verdrängt haben – das Festival scheint ein bedeutendes Event für die Stadt zu sein. Am zentralen Festivalspace angekommen, bekommen wir Infomaterial, Essensmarken und natürlich einen Festivalausweis, womit wir alle Filmvorführungen besuchen und die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt kostenfrei nutzen können. Schnell wird mir klar, dass wahrscheinlich mehr Musiker und Sounddesigner angereist sind als Regisseure – was verspricht, dass das Festival eine aufgelockerte Atmosphäre haben wird. (Wenn ich im Übrigen im Verlauf dieses Berichtes den Begriff Filmemacher verwende, schließe ich dabei Komponisten, Sounddesigner und Regisseure ein).

Das Hotel, in dem wir untergebracht sind, ist allerdings, wie die Unterkünfte der meisten Filmemacher, relativ abgelegen, so dass man am komfortabelsten mit dem Shuttle-Service des Festivals unterwegs ist. Der Schuttle-Service funktioniert gut und es gibt keine Probleme morgens in die Stadt und abends ins Hotel zu kommen (eine kleine Hürde ist allerdings, dass die meisten Fahrer kein Wort Englisch sprechen). Das Festival übernimmt die Kosten für zwei Nächte pro Person, jede weitere Nacht kostet 40 Euro. Die Festivalorganisation war aber im Vorhinein sehr bemüht, dass Kooperationen, wie z.B. in meinem Fall mit German Films, zustande kommen um die Kosten für den Festivalbesuch weiter zu minimieren.

Das Festival findet im Wesentlichen an zwei Spielstätten und am Festivalspace statt. Die beiden Spielstätten sind ein Kino und ein mit Leinwand und Projektor ausgestattetes Theater. Beide liegen am zentralen Platz der Stadt, an dem es auch eine Hand voll Cafés und Restaurants gibt, sowie einen Supermarkt und einen Bäcker. Der Festivalspace liegt von hier aus etwa 300 m entfernt in einem modernen Gebäude mit einem geräumigen Veranstaltungsraum. Hier gibt es in der Früh ein einfaches Frühstück (Croissant, Müsli, Kaffee), tagsüber finden hier Workshops und Diskussionsrunden statt und abends gibt es Konzerte oder ein DJ legt auf.

Nun zum Wichtigsten, dem Filmprogramm: Jeder Film läuft nur einmal, wobei Kurzfilme zu Blöcken zusammengesetzt werden. In der Regel läuft in einer der Spielstätten ein Kurzfilmblock während in der anderen parallel ein Langfilm zu sehen ist. Die meisten Vorstellungen sind gut besucht bis ausverkauft. Die Qualität der Filme ist mit kleinen Ausreißern durchweg hoch. Die Projektion der Filme war allerdings teilweise etwas durchwachsen, da das Festival bei Filmen ohne oder nur mit englischen Untertiteln die französischen Untertitel direkt in die Videodateien eingebrannt hat. Dafür wurden offenbar die Videos nach dem Einfügen der Untertitel in unzureichender Qualität oder mit falschen Einstellungen erneut ausgespielt, was ärgerlich ist. Daher meine unbedingte Empfehlung Filme nur auf DCP einzusenden. Hier werden die Untertitel mit einem gesonderten Beamer unterhalb des Bildes projiziert – Bild und Ton bleiben somit unangetastet. Darüber hinaus kann man auch nur bei einer DCP gewiss sein, dass der Film in echter 5.1-Mischung zu hören ist.

Eine Besonderheit des Festivals ist, dass die Filmemacher nur vor der Filmvorführung nach vorne gebeten werden um sich kurz vorzustellen. Ein Publikumsgespräch direkt nach dem Film gibt es indes nicht. Eine Filmbesprechung fällt allerdings nicht aus, sondern wird auf den Folgetag in den

Festivalspace verlegt. Dorthin werden am Vormittag alle Filmemacher so wie das Publikum zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Die Qualität und die Ausführlichkeit der einzelnen Filmbesprechungen ist sehr gut. Auch gibt es die Möglichkeit einzelne Ausschnitte aus Filmen erneut zu zeigen um besser über Arbeitsweisen bei der Komposition und dem Sounddesign zu sprechen. Inhaltliche oder visuelle Aspekte des Filmemachens werden hier weniger diskutiert. Grundsätzlich ist die Atmosphäre bei der Filmbesprechung sehr gut und die Filme werden ausführlicher diskutiert als bei den üblichen Q&A anderer Festivals.

Ein wichtiger Bestandteil des Festivals sind auch die Workshops, die Branchentreffen und die Masterclasses, die allerdings alle für Komponisten und Sounddesigner ausgelegt sind und zusätzlich nur auf Französisch stattfinden. So habe ich leider keinen Einblick in dieses Angebot erhalten können und kann auch nicht darüber berichten. Allerdings präsentierten die Teilnehmen der Filmmusik-Masterclass am Ende des Festivals live mit einem kleinen Orchester eine während des Festivals entstandene Stummfilmvertonung.

Jeden Abend gibt es am Festivalspace ein Konzert oder ein DJ legt Musik auf. Zu Bier und Wein wird getanzt und die Tage enden so immer in schöner Atmosphäre. Grundsätzlich funktioniert die Mischung perfekt, tagsüber Filme und abends Musik zu genießen. Durch diese Mischung wird das Festival in jedem Fall zu einem Highlight.

Leider musste ich am vorletzten Tag abreisen, so kann ich nichts über die Preisverleihung und den Ausklang des Festivals berichten.

Abschließend lautet mein Fazit: Ich habe mich auf dem Festival sehr wohl gefühlt. Das liegt vor allem daran, dass der Fokus des Festivals auf der Musik liegt. All die vielen Komponisten und Musiker, die das Festival besuchen, sind nicht so routinierte Festivalgänger wie viele Filmemacher auf anderen Festivals. Das hat zur Folge, dass in Aubagne eine besondere, sehr herzliche Atmosphäre herrscht. Ich habe auf noch keinem Festival so viel ehrliches Interesse füreinander und so wenig Konkurrenzdenken unter Filmemachern gespürt. Also – klare Empfehlung.