Festival des Films du Monde | FFM 2015

27.08.-07.09.2014
Bericht von Waldemar Oldenburger (MALINA)

Am 26. August 2015 haben meine Hauptdarstellerin Christina Schmideder und ich uns auf den Weg nach Montreal gemacht, um meinen ersten Kurzfilm „Malina“ in der World Competition des „Montreal World Film Festival“ zu vertreten. Ich war aufgeregt darüber was uns erwartet, da es mein erstes Festival war, doch der erste Eindruck war großartig. Wir wurden mit einem Shuttle vom Flughafen in das Hyatt Regency Hotel gebracht, wo sich auch das Festivalzentrum befand. Das Festival hat im Hotel für uns 3 Nächte übernommen.

Nach einem tollen Frühstück begannen leider auch die ersten Herausforderungen. Das Personal des Festivals war mit den Anmeldungen und Ankünften der Filmemacher etwas überfordert. Es fehlten die Accreditation-Pässe (mein Pass war auch nicht dabei). Leider wurde auch nicht sofort ersichtlich, wer für unseren Film zuständig war, wann wir wo sein müssen und wie die Abläufe bei den Aufführungen des Films sind. Der Eröffnungsfilm fand im historischen Cinema Impereal statt, wo auch alle Filme in der World Competition liefen, und wir uns riesig auf unsere Weltpremiere am nächsten Tag in diesem großartigen Kino freuten.

Die Aufführungen meines Films waren in der Früh und am Abend jeweils mit unterschiedlichen Untertiteln (engl/franz) an denselben Langfilm „The Petrov File“ geknüpft und waren fast ausverkauft. Mit ca. 300 Zuschauern war im Cinema Impereal eine großartige Stimmung. Ich durfte auch ein paar Worte zu dem Film sagen. Eine tolle Weltpremiere, die ich so schnell nicht vergessen werde. Das sehr gute Feedback gab es sofort von allen Seiten. Zuschauer kamen auf uns zu und die Filmemacher lobten den Film.

Nun konnte ich mich entspannt den anderen Filmen und den Filmemachern widmen und dazu gab es auch Gelegenheiten. Eine davon war die tägliche Happy Hour auf der Terrasse des Hyatt Hotels. In den zwei Stunden gab es Bier und eine Menge tolle und interessante Gespräche mit Filmemachern aus aller Welt. Wir wurden außerdem im Laufe des Festivals sehr gut von dem Goethe-Institut empfangen. Leider waren es auch die einzigen Möglichkeiten sich auszutauschen.

Nun zu eher ernüchternden Seiten des Festivals. Es gab keine Workshops für Filmemacher. Die Einladungen zum Kennenlernen von Distributern kamen zu spät oder nie an, weil es Mail-Server-Probleme gab. Die verantwortlichen Organisatoren, mit denen man sich gerne auch über die deutsche Filmszene austauschen wollte, waren sehr selten bis gar nicht greifbar und reagierten nicht auf Email-Nachfragen. Die Gründe wurden von allen Seiten immer lauter. Finanzielle Schwierigkeiten. Die Mitarbeiter des Festivals wurden nicht bezahlt und standen kurz vor einem Abbruch bzw. vor dem Niederlegen ihrer Tätigkeiten.

Die anderen Filmemacher, die mit ihren Filmen nicht in Cinema Impereal liefen, erlebten technische Abbrüche der Vorführungen, Verwendung falscher Kopien, keine Plakate wurden aufgehängt und viele weitere organisatorische Schwierigkeiten. Was aber am meisten wehtat, war die Tatsache, dass die Kinos leer blieben. Teilweise blieben im Saal die Zuschauer nur im einstelligen Bereich. Der Altersdurchschnitt der wenigen Zuschauer lag weit über Studentenalter und alle vermissten die jungen Menschen aus Montreal.

Für mich persönlich war es eine tolle Erfahrung; allerdings wünsche ich für das nächste Mal (vorausgesetzt das Festival bleibt bestehen), dass das Festival sich auf weniger Filme konzentriert und denen auch die gebührende Aufmerksamkeit gibt.

Die wenigen helfenden Hände des Festivals waren dafür immer sehr freundlich und hilfsbereit, wo sie nur konnten. Es wäre schade, wenn es dieses Festival nicht mehr geben würde.