Bristol Encounters Short Film Festival 2015

15.-20.09.2015
Bericht von Franka Sachse (Schifffahren)

Wird man mit dem eigenen Film zum Bristol Encounters eingeladen, erhält man zwar leider keine Reisekostenunterstützung vom Festival, aber man kann einen Industry Forum Pass, zwei Mal Breakfast with the Industry, kostenlosen Zugang zur Digital Viewing Library und zwei Übernachtungen in einem schnuckeligen Hotel genießen.

Der Industry Forum Pass ermöglich den Zugang zu allen Wettbewerbsscreenings, den Workshops (alle zwischen 2 bis 5 Stunden) und einigen Sonderveranstaltungen. Gegen einen Obolus von etwa 7 Pfund erhält man Zugang zu weiteren Veranstaltungen, wie etwa besonderen Lectures oder Konzerten. Es gibt jedoch auch öffentliche Screenings, die kostenlos sind und ohne Akkreditierung besucht werden können (rechtzeitig online reservieren!).

Nach meiner Ankunft wurde ich freundlich am Festivalschalter empfangen. Mein Pass lag bereit – die Kataloge waren noch nicht eingetroffen, wurden aber am nächsten Tag standesgemäß im Encounters-Beutelchen nachgereicht.

Das gesamte Festival fand an zwei Spielorten (Watershed & Arnofini) direkt im Zentrum von Bristol an einem kleinen Hafen statt. Dort dümpeln die Segelbötchen gemütlich in der steifen englischen Brise dahin und Ausflugskähne fahren stündlich um die Stadt, die Massive Attack und Banksy ihre Heimat nennen. Man hat es nie weit – weder zu den Kinos, noch zum nächsten Pub. Das sorgt dafür, dass man sich begegnet und kennenlernt. Die meisten amüsanten und auch nützlichen Bekanntschaften macht man in der Warteschlange vor dem Kinosaal.

Besonders bemerkenswert fand ich auch diesmal wieder die Qualität und Zusammenstellung der gezeigten Filme. Selten habe ich erlebt, dass mich ein Programm durchgehend fesselt. Das mag zum einen daran liegen, dass die Programmdirektoren ihren Fokus weg von bloßer Optik und hin zu gelungener Vereinigung von Inhalt und Form gelegt haben, aber auch daran, dass sie es geschafft haben, die Filme im Arrangement zueinander sprechen zu lassen. All das wurde unterstützt von einer persönlichen und prägnanten Einführung zu jedem Programm und den Filmemacher Q&As nach den Screenings. Ganz ungewohnt wurden diese nicht im Anschluss an das Programm im Kino abgehalten, sondern in einem kleineren separaten Raum. Dies schuf die Möglichkeit, länger und intensiver mit allen wirklich interessierten Zuschauern zu sprechen, während diejenigen, die es eilig hatten, schon zum nächsten Screening (oder zur Theke) stürmen konnten. Das einzige Manko war, dass es aus zeitlichen Gründen nicht nach jedem Screening ein solches Q&A gab. Daher mussten die Filmemacher, deren Filme im letzten Screening des Tages liefen, entweder am Q&A vor ihrem Screening, oder am Q&A am nächsten Tag teilnehmen. So trug es sich zu, dass in meinem Q&A (vor dem Screening meines Films) der weltberühmte Animator Richard William seinen Film vorstellte. Dies wiederum führte dazu, dass der Raum restlos überfüllt war und keiner – auch ich nicht – mehr hinein gelassen werden konnte. Etwas seltsam, aber letztendlich war ich froh, nicht neben Richard William bestehen zu müssen. Andererseits hätte ich ihm gern die ein oder andere Frage gestellt – oder zumindest gern ein Angeber-Selfie gemacht.

Das Bristol Encounters ist ein mittelgroßes, familiäres Festival. Es ist, wie der Name schon vermuten lässt tatsächlich ein Ort der Begegnung. Eine gute Filmauswahl, warmherzige Menschen – ob Zuschauer, oder Filmemacher und die nahegelegenen Pubs haben zur Vernetzen auf beruflicher und freundschaftlicher Ebene beigetragen.

Nächstes Jahr gern wieder!