St. Louis International Film Festival 2015

05.- 15.11.2015

Reisebericht von Konstantin Bock (HATTIE GOES CRUSING)

St. Louis ist eine frustrierende Stadt. American Midwest. Zu viele Highways und zu wenig Access, wenn unmotorisiert unterwegs. Für mich hatte das den netten Nebeneffekt jeden Tag mit Sarah – eigentlich Produzentin in Nashville, einmal im Jahr aber aus Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt Festivalfahrerin in St. Louis – von Venue zu Venue fahren zu können. Mein persönliches Highlight des Venue-Hoppings war die Plaza Frontenac Shopping Mall; dort befindet sich neben Michael Kors und Louis Vuitton das Frontenac Kino, das das Festival mit zwei Sälen den ganzen Tag über bespielt. Uncharmanter ist nur das Center for Global Citizenship: Eine konvertierte Basketball Arena, in der auf einer 5x5 Monitor Wand tatsächlich Filme gezeigt werden.

Das Programm ist (zu) groß und will sehr viel abdecken – muss es vielleicht auch, denn das Festival ist so ausgerichtet, alles nach St Louis zu bringen, was noch nicht oder nicht mehr in die Multiplexe der Stadt kommt. So kommt ein ganz schönes kuratorisches Wirr-Warr zustande. Das ist per se nicht negativ; fordert den leicht überrannten Festivalbesucher nur zur genauen Auswahl und Disponierung der Screenings für den Tag, bevor es zur Abstimmung mit Sarahs Tagesplan kommt.

Da bietet sich schnell an, als programmatische Klammer primär Filme von Festivalbekanntschaften zu gucken. Unter der Woche sind die etwas mau, an den Wochenenden aber tatsächlich reichlich und ganz fantastisch! Trotz fehlendem Festival Hub und zähem Rahmenprogramm gab es unzählige Begegnungen mit Gleichgesinnten, die mich sehr berührt haben.

Mein Film wurde zwei Mal, am Eröffnungs- und Abschlusswochenende, vor einem Langfilm gezeigt. Besonders das Q&A nach dem zweiten Screening war sehr persönlich und ein interessierter Austausch mit den rund 60 Zuschauern im High Pointe Backlot, einem kleinen, frisch renovierten Kino. Die Besucher schienen hauptsächlich local, wenig Fachpublikum – bis auf die Filmemacher mit denen man sich am Abend vorher angefreundet hatte.

Unter’m Strich: Ein ziemlich grässlicher Ort, der zu wunderbaren Begegnungen mit wahnsinnig inspirierenden Menschen geführt hat.

 

Highlight film: Alice Rohrwacher’s ‘The Wonders’
Verpassen können hätte man: Kyle Rideout’s Biopic ‘Eadweard’