MONSTRA – Lisbon Animated Film Festival 2016

03.-13.03.2016
Bericht von Anna Lytton (ANOTHER SEASON)

Vom 3. bis 13. März fand zum 15. Mal das MONSTRA – Lisbon Animated Film Festival statt. Ich wurde mit meinem Film ANOTHER SEASON zum Studentenwettbewerb eingeladen und war froh, dank der Unterstützung von AG Kurzfilm und German Films die Reise nach Lissabon antreten zu können.

Die Vorfreude wurde anfangs etwas gemindert, da ich den Festivalkoordinatoren ein wenig wegen meiner Unterbringung hinterhermailen musste. Das Festivalteam vor Ort hat dies aber mehr als wiedergutgemacht, alle waren sehr freundlich, interessiert und hilfsbereit.

Das Festival übernimmt die Kosten für drei Übernachtungen und ich wurde zusammen mit den anderen Filmemachern, die am Studentenwettbewerb teilnahmen in einem schönen, kleinen Hostel in Chiado untergebracht, einem belebten Stadtteil mit vielen Cafés, Bars und kleinen Geschäften. Beim Frühstück im gemütlichen Aufenthaltsraum des Hostels lernte man schnell die anderen Festivalgäste kennen, so dass sich direkt ein familiäres Gefühl einstellte.

Das Festival zeigt Studentenfilme, Kurzfilme und Langfilme, sowie verschiedene Sonderprogramme und Retrospektiven. Das Rahmenprogramm war sehr abwechslungsreich, von Filmblöcken aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, über Animation & Jazz hin zu Horror und experimenteller Animation. Außerdem gab es noch ein großes Kinderprogramm, liebevoll Monstrinha genannt, das sehr gut besucht war. Neben dem Filmprogramm wurden jeden Tag Workshops und Masterclasses angeboten. Abgesehen vom Kinderprogramm ging das Filmprogramm immer um 18 Uhr los, so dass man vorher ein wenig die Stadt erkunden konnte, was ich unbedingt empfehlen würde. Lissabon ist wunderschön, eine bunte Mischung aus prunkvollen Gebäuden und verlotterten Fassaden, mit den berühmten Kacheln und oft auch mit Street Art und Graffitis geschmückt. Die interessante Vegetation und vor allem das Wetter waren eine willkommene Abwechslung zum im März doch eher immer noch winterlichen Wetter in Köln.

Das Wettbewerbsprogramm lief im Cinema São Jorge, einem großen Kino aus den vierziger Jahren auf der Avenida da Liberdade. Außerdem gab es noch das Cinema Ideal, ganz in der Nähe des Hostels, und das Cinema City Alvalade, das ein wenig außerhalb der Stadt liegt und zu dem ich es deswegen leider nicht geschafft habe.

Das Festival organisiert keine offiziellen Partys oder ähnliches. Stattdessen traf man sich nach den Screenings meistens in der Lobby des großen Kinos, wo es auch eine kleine Bar gibt und einen Balkon mit Blick auf die Avenida. Später am Abend gab es auch ab und zu kleine Häppchen, Wein oder einen Kaffeestand. Meistens habe ich mich hier mit Leuten unterhalten, die ich im Hostel kennengelernt habe, was sehr schön war. Mit Festivalorganisatoren, Produzenten oder ähnlichem bin ich so aber leider nicht in Kontakt gekommen, auch fand ich schade, dass es nach den Screenings keine Q&As gab. Trotzdem habe ich nach meinem Screening viel positive Rückmeldung zu meinem Film bekommen.

Leider konnte ich nur drei Nächte bleiben, an meinem letzten Abend hatte ich zum Glück noch Gelegenheit zum Sonderprogramm ‚Jazz and Animation’ zu gehen. Dieses fand im Hot Clube statt, von dem ich schon viel gehört hatte. Animationsfilme wurden von Musikern der lokalen Jazzschule live begleitet. Der Laden war rappelvoll und wir haben uns zusammen mit dem Festivalleiter, dem die Musik sichtlich gefallen hat neben die Bühne gequetscht, eine schöne Abwechslung zu den Kinosälen, in denen man sonst seine Zeit verbringt.

Das Filmprogramm war eine interessante Mischung von technisch gutgemachten, eher klassischen Animationsfilmen und experimentelleren Filmen. In der Kurzfilmsektion hat einer meiner Favoriten gewonnen, SUNDAY LUNCH von Celine Devaux, den Gewinnerfilm des Studentenwettbewerbs habe ich leider verpasst.

Insgesamt hat mir das Festival sehr gut gefallen, auch wenn ich es schade finde, dass es nicht mehr Gelegenheiten zum Austausch mit anderen Filmemachern oder dem Publikum gab. Trotzdem hat sich der Besuch sehr gelohnt und ich hoffe ich kann in den nächsten Jahren noch einmal wiederkommen.

http://monstrafestival.com