Akademski filmski centar Belgrad (Werkschau 2016)

06. - 07.04.2016
Bericht von Sylvia Schedelbauer (Erinnerungen, Way Fare, Sounding Glass, Meer der Dünste, Ferne Intimität und Falsche Freunde)

Das Akademski filmski centar Beograd (Akademisches Filmzentrum Belgrad) wurde 1958 vom Filmemacher Predrag Conkic gegründet, mit der Intention, sich weg vom traditionellen Film zu bewegen, um neue Einflüsse zuzulassen. Man fing damit an, surrealistische und russische Filme zu studieren, und legte Wert auf den individuellen Ausdruck des Künstlers. Ursprünglich bekannt geworden ist das Filmzentrum für die sogenannte Black Wave Bewegung, die in den 60er Jahren aus eigenen Kreisen geboren wurde. Seit 1974 befindet sich das Filmzentrum im Dom Kulture Studenski Grad, dem Kulturzentrum in der sogenannten “Studentenstadt”, einem Campus auf dem die Mehrheit der Belgrader Studierenden wohnen. Das Filmzentrum veranstaltet jedes Jahr zwei Festivals: das 1982 ins Leben gerufene Alternative Film/Video Festival, sowie das Balkanima, das sich seit 2004 dem Animationsfilm widmet. Zusätzlich zeigt das Filmzentrum etwa ein Mal im Monat Experimentalfilme und lädt internationale Gäste ein, ihre Arbeit zu präsentieren.

Eingeladen wurde ich von den Kuratoren Greg de Cuir Jr. und Milan Milosavljevic. Die Vorbereitung und auch der Aufenthalt waren sehr gut organisiert, die Beiden haben sich rundum sehr gut um mich gekümmert. So wurde ich zum Beispiel von Flughafen abgeholt und auch wieder hin gebracht. Untergebracht wurde ich in einer Jugendherberge im Kulturzentrum auf dem Campus. Alle Mahlzeiten und Getränke wurden übernommen, überall wurde ich eingeladen. Greg de Cuir hatte sich extra zwei Tage frei genommen, sodass er mir eine Stadtführung inklusive Tour durch das Kino Museum und die alte jugoslawische Kinemathek geben konnte. Er gab sich besonders Mühe, mich den Mitgliedern und Mitarbeitern, sowie Kuratoren der serbischen Kinemathek vorzustellen.

Meine zwei Veranstaltungen liefen sehr gut. Am ersten Abend, am Mittwoch, dem 6. April stellte ich drei meiner Kurzfilme, Erinnerungen, Way Fare, und Sounding Glass vor. Danach hielt ich einen Vortrag über meinen Arbeitsprozess. Am zweiten Abend, am Donnerstag, den 7. April, zeigte ich weitere Kurzfilme: Meer der Dünste, Ferne Intimität und Falsche Freunde. Danach gab es ein längeres Gespräch, das ein lokaler Filmemachehr Igor Simic mit mir führte. Igor Simic hat an der Columbia University in New York Film und Philosophie studiert, und sprach mit einwandfreiem englisch. Seine Fragen mündeten in einem der intensivsten Gespräche, die ich nach einer Vorführung mit einem Publikum gehabt habe.

Die Veranstaltungen waren für serbische Verhältnisse sehr gut besucht, das Kino, in dem ca. 80 Personen Platz finden können, war über die Hälfte gefüllt. Unter den anwesenden Zuschauern waren eine Handvoll Filmemacher der ersten jugoslawischen Garde, Künstler, die quasi seit den 60er Jahren den Filmklub besuchen. Ein Filmprofessor brachte seine Studierenden mit, und einige junge Filmemacher kamen, weil sie sich für Found Footage Experimentalfilm interessierten. Darunter auch das serbische Künstlerpaar Doplgenger, bestehend aus Isidora Ilic und Bosko Prostran, die Interesse für eine künftige Zusammenarbeit bekundet haben. Als Teil ihrer künstlerischen Praxis pflegen sie auch Filmprogramme zu kuratieren, um sie international an unterschiedlichen Orten zu zeigen. So bin ich nach den Veranstaltungen in sehr intensive und produktive Gespräche gekommen.

Im Großen und Ganzen war es eine sehr bereichernde Reise, die sich sehr für mich gelohnt hat. Greg de Cuir hat bereits einen meiner Filme in einem weiteren Filmprogramm für das GoEast Festival untergebracht, und auch Milan Milosavljevic will künftig weiter mit mir zusammenarbeiten. Die Reise war nicht nur deswegen sehr schön, weil mir dort ein ganz anderes Publikum begegnet ist als in Zentraleuropa oder Nordamerika, sondern auch weil dies einen Anfang für eine nachhaltige Beziehung zu den Kuratoren, dem Filmzentrum, und dem dortigen Festival bildet.

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