AFO International Festival of Science Documentary Films 2016

19.-24.04.2016
Bericht von Maria Auerbach (COPY COMPLETE)

Das AFO Festival (Academia Film Olomouc) ist derzeit eines der wichtigsten europäischen Filmfestivals im Bereich des populären Wissenschaftsfilm. Das Filmprogramm setzt sich aus einem internationalen und einem tschechischen Wettbewerb zusammen, in dem die besten Wissenschaftsdokumentationen der letzten zwei Jahre gegeneinander antreten. Neben dem Hauptwettbewerb gibt es ein Kurzfilmprogramm, in dem sowohl internationale als auch nationale Kurzfilme im Wettbewerb stehen. Neben dem Wettbewerbsprogramm finden während des AFOs Filmvorführungen, Vorträge prominenter tschechischer und internationaler Wissenschaftler und Debatten zu verschiedenen Themen statt, mit dem Anliegen die weniger beachteten Sphären der Wissenschaft aufzudecken und neues Licht auf die eher populäreren Themen der Wissenschaft zu werfen. Insgesamt dient das Festival dazu, den Kontakt zwischen den Forschern und Wissenschaftlern und dem Durchschnittspublikum zu fördern.

Hinzu kommen noch Open-Air-Filmvorführungen, Filmvorführungen für Kinder, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen, welche über die ganze Stadt verteilt sind und eine lebhafte Atmosphäre verbreiten.

Erfreulicherweise wurde ich vom AFO mit meinem Kurzfilm COPY COMPLETE zum Kurzfilmwettbewerb eingeladen. Schon bevor ich zum Festival fuhr, war ich sehr auf die Kombination aus Film und Wissenschaft gespannt, die genau meinen Interessenfeldern entspricht.

Ich fuhr bereits einen Tag vor dem Beginn des Festivals nach Olomouc in Tschechien, um mich mit der Stadt und dem Festivalgelände vertraut machen zu können. Am Bahnhof wurde ich von Marketa, einer Studentin, die mich und fünf weitere Gäste während des Festivals begleiten sollte, abgeholt. Ich bezog das Hotel Flora, welches fußläufig recht nah am Festivalzentrum, welches die Filmhochschule Olomoucs ist, lag, sodass ich nur 15 Minuten für den Weg zu Fuß benötigte.

Am ersten Tag des Festivals lernte ich das Festivalteam im Gästezentrum kennen und bekam dort meine Akkreditierung und meinen persönlichen Zeitplan ausgehändigt, auf dem die Vorführung meines Films, aber auch Abendveranstaltungen vermerkt waren, die neben einem reichlich gedeckten Buffet die Möglichkeit zum „Netzwerken“ bot. Dort lernte ich am ersten Abend die italienische Medienkünstlerin Daniela De Paulis kennen. Daniela kommt, genau wie ich, aus der Freien Kunst und arbeitet interdisziplinär im Bereich der SETI-Forschung (Search for Extraterrestrial Intelligence). Wir haben während des Festivals gemeinsam Veranstaltungen besucht und viel über das Gesehene geredet. Diese Begegnung hat einen großen Eindruck auf mich hinterlassen.

Am Nachmittag des zweiten Tages wurde mein Kurzfilm gezeigt. Zwar fand die Vorführung in einem der kleineren Kinosäle des Festivals statt, war dafür aber gut gefüllt gewesen. Neben meinem Film gab es sehr unterschiedliche Kurzfilme, was den Filmblock sehr abwechslungsreich und kurzweilig machte. Ich war die einzig anwesende internationale Filmemacherin, sowohl innerhalb dieses Blocks als auch im gesamten Kurzfilmprogramm, sodass bis auf meinem Kurzfilm keine Questions&Answers stattfanden. Somit fiel auch das Q&A nach meinem Film recht kurz aus, da nicht viel Zeit dafür eingeplant wurde, was aber vollkommen ausreichend war. Das Publikum machte einen interessierten Eindruck und eine kleine Gruppe an Studenten kam im Anschluss auf mich zu, um mir ein paar Fragen zu stellen. So erzählte ich ihnen unter anderem auch von der AG Kurzfilm und von German Films und übergab ihnen, weil sie sehr daran interessiert waren, einige DVDs. Insbesondere waren sie von den DVDs mit Animationsfilmen und denen mit Experimentalfilmen angetan.

Am dritten Tag checkte ich am Vormittag aus dem Hotel aus. Ich hatte mich mittlerweile mit meiner Festivalbegleitung Marketa während und durch die gemeinsamen Buffet- und Partyabende sehr gut angefreundet und wir hatten uns entschieden, dass ich die restliche Festivalzeit bei ihr in der WG unterkommen sollte. Dort war noch ein Zimmer frei und die Wohnung lag nur zwei Minuten Gehzeit von dem Festivalzentrum entfernt, was ein großer Luxus für mich war. Zum Mittag aßen Marketa, drei weitere ihrer zu betreuenden Gäste und ich in einem traditionell tschechischen Restaurant. Unter diesen Gästen befand sich auch Doug Vakoch, Leiter der METI-Forschung (Messaging Extraterrestrial Intelligence) und langjähriges Mitglied der SETI-Forschung. Für mich war die Begegnung mit Doug definitiv eine der interessantesten während des gesamten Festivals.

Ich besuchte die nächsten zwei Tage abwechselnd Filmvorführungen und Vorträge und nahm jeden Abend an den Veranstaltungen für die Festivalgäste teil. So lernte ich über das Festival viele interessante Menschen kennen, Filmemacher, Wissenschaftler, Filmverleiher und Festivalmitarbeiter.

Am Samstag- und somit meinem letzten Abend beim AFO fand die Preisverleihung im Metropol Kino und anschließend die zeremonielle Abschlussveranstaltung gegenüber im Jazz Tibet Club statt. Dort fanden sich die Gäste des AFOs für ein fantastisches Essen, viele Getränke und lange, interessante Gespräche ein. Für mich war dies ein wunderbarer Abend, der das Festival nicht besser hätte ausklingen lassen können.

Zusammenfassend kann ich das AFO jedem empfehlen, der sich für wissenschaftliche Themen interessiert. Einige der Filme, die ich während des Festivals gesehen habe, waren technisch sehr gut gemacht, da sie beispielsweise von der BBC produziert wurden. Allerdings waren auch ein großer Teil der Filme formal nicht besonders hochwertig produziert worden, da die meisten Regisseure keine Filmemacher, sondern Wissenschaftler sind. So gab es immer wieder verwackelte Aufnahmen, mittelmäßige Schnittarbeiten und teilweise hatten einige Filme Längen, weil es an dem Thema entsprechender Dramaturgie fehlte. Dafür aber legten diese Filme mehr Wert auf den Inhalt, da sie vorrangig zum Ziel hatten die jeweilige Forschung und das daraus resultierende Wissen zu vermitteln.
Aus diesem Grund war das Festival für mich sehr bereichernd und recht schnell spielte die technische Umsetzung der Filme für mich keine so große Rolle mehr.

Eines sollte ich allerdings noch erwähnen: ab und zu kam es vor, dass eine Filmvorführung oder ein Vortrag, leider nur auf tschechisch wiedergegeben bzw. gehalten wurde und nicht englisch untertitelt oder übersetzt wurden, obwohl die Veranstaltung auf der Webseite des AFOs als englisch-freundlich ausgewiesen waren. Wenn dies vorkam, war das doch etwas ärgerlich. Aber da es nur bei einigen wenigen Veranstaltungen der Fall war, konnte ich dies entschuldigen, und möglicherweise wird dieser Fehler schon im nächsten Jahr behoben worden sein.

 

http://www.afo.cz/