KROK International Animation Festival 2016

30.09. - 07.10.2016
Ein Bericht von Anna Levinson (Iwan und der Wolf)

Das „internationale Animationsfilmfestival KROK“ lud mich mit meinem Film „Iwan und der Wolf“ vom 30.09. - 08.10.2016 nach Russland ein.

Gerne bin ich dieser Einladung gefolgt, denn wie häufig hat man schon die Möglichkeit einen direkten Einblick auf die Animationsszene in Russland werfen zu können?

Auch die Location des Festivals ist eine Besonderheit: Das gesammte Programm findet auf einem schwimmenden Schiff statt. Je nach Jahr wechselt der Ort zwischen Ukraine und Russland und versucht so die Partnerschaften der beiden Länder am Leben zu erhalten.

Dieses Jahr ging es von Moskau nach Yaroslavl, den Fluss Volga entlang.

Das Schiff ist ein großer Dampfer mit mindestens 250 Gästen an Bord.

Der Vorsitzende des Festivals, Juri Norstein, ist nur ein bekanntes Gesicht unter den vielen anderen Animatoren. Die Gästeliste ist lang. Von jungen Animationskünstlern, bis hin zu den großen Gesichtern, wie z.B. Alexander Petrow, Igor Kovalyov, als auch Produzenten aus der Animationsbranche, Filmkritikern und Vorsitzenden anderer großer internationaler Festivals ist alles vertreten. Grob geschätz lag der Anteil an ausländischen Besuchern bei ca. 40%. Die Jury bestand überwiegend aus international geladenen Fachgästen, was natürlich sehr positiv aufgenommen wurde.

Nicht nur die Location wechselt jedes Jahr, sondern auch das Programm. 2016 stand ganz im Rahmen des Studentenfilmes, Abschlußfilmes und Erstlingswerkes. Dementsprechend gab es besonders viele junge Animatoren an Bord, im Schnitt Ende 20 / Anfang 30, die gerade erst in das Berufsleben einsteigen. Das ermöglichte mir, mich nicht nur mit den alten Hasen, sondern auch mit Menschen aus verschiedenen Ländern auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich und die Unterschiede zwischen Deutschland und dem Markt außerhalb der Bundesrepublik besser zu verstehen.

Die sieben Tage des KROK Festivals waren sehr intensiv, aber doch anders, als man es vielleicht von anderen Festivals kennt. Da das Programm direkt an Bord des Dampfers stattfand gab es natürlich keine Parallelveranstalungen und man hatte nie das Problem sich zwischen zwei interessanten Programmpunkten entscheiden zu müssen. Jeden Tag gab es zwischen zwei und drei Programmblöcken des Wettbewerbs. Zwischendurch gab es immer für etwa zwei bis drei Stunden eine Besprechung der Filme mit den jeweils vohandenen Regisseuren. Und fast jeden Tag gab es noch eine Masterclass von unterschiedlichsten Leuten aus dem Fachgebiet vorgeführt.

Alles in allem ein sehr volles Programm, was durch die Tatsache, dass man nicht weit laufen musste, sondern sich einfach aus seiner Kabine zu dem Vorführraum bewegte, schon sehr entspannt verlief. Zwischendurch gab es immer die Möglichkeit die unterschiedlichsten Orte, in denen wir hielten, zu besuchen.

Am Abend gab es dann immer unterschiedliche, meist lustige, Veranstaltungen an Bord. Es wurde gesungen, getanzt und Musik gemacht. Alles wirkte sehr gut organesiert und durchplant. Jedoch gab es einige Veranstaltungen, die leider nur auf russisch waren und somit automatisch die internationalen Gäste ausschloßen.

Ein weiterer großer Kritikpunkt von meiner Seite ist die Filmbesprechung gewesen. Was ich von anderen Festivals als Q&A kenne, war hier das öffentliche Kritisieren von Filmen, ohne den Filmemacher zu Wort kommen zu lassen. Ein Mann, der an einer russischen Animationsschule unterrichtet und eine Frau, die eine Filmkritekerin ist, begutachteten die Filme, die sie dann auseinandernahmen, und das auf eine sehr unprofissionelle Art und Weise.

Im Großen und Ganzen hat das Festival aber bei mir sehr positiven Eindruck hinterlassen. Man hatte immer die Möglichkeit mit den Leuten in Kontakt zu tretten. Durch die lange Zeit, die man miteinander verbringt, knüpft man natürlich andere Verbindungen zu den Menschen, als auf einem Festival, wo man sich kurz über den Weg läuft. Die Organisation war fantastisch und es gab immer mindestens einen Ansprechpartner. Auch die Wahl des Programms empand ich als sehr gelungen, denn es war eine perfekte Mischung aus russischen, als auch internationalen Animationsfilmen. Ein sehr gelungenes Festival, dass ich auf jeden Fall jedem weiter empfehlen würde!

http://www.krokfestival.com