Message to Men - International Filmfestival 2016

26.09. - 30.09.2016
Ein Bericht von Sarah Schreier (Fische)

Ungefähr vier Wochen vor Festivalbeginn habe ich den genauen Zeitpunkt erfahren, wann mein Film laufen wird. Eine Woche später kam die schriftliche Einladung, die ich brauchte um ein Visum zu beantragen. Die Kurzfristigkeit störte mich sehr.

Jedoch gab es da eine ausgewählte Person – sie kümmerte sich um die Visumangelegenheiten und stand mir kompetent und ruhig zur Seite, als ich schon glaubte das Visum nicht mehr rechtzeitig zu bekommen. Außerdem hielt Anastasia Zaizman mit mir Kontakt – sie betreute die TeilnehmerInnen des internationalen Wettbewerbs im Vorfeld und vor Ort freundlich, optimistisch und unterstützend. Ihr ist es zu verdanken, dass ich mich wie noch nie zuvor auf einem Festival so willkommen gefühlt habe.

Ich wurde am Flughafen abgeholt und in meine Unterkunft gefahren. Dort angekommen führte mein Weg direkt zum Festival, um mich akkreditieren zu lassen und den Festivalkatalog abzuholen.

Das „Message to Men“ war mir bekannt als Dokumentarfilm-Festival mit internationalem Wettbewerb. Mein eigener Film ist eine Mischung zwischen Fiktion- und Dokumentarfilm und so war ich gespannt auf das, wie ich dachte, beiläufige fiktionale Kurzfilmprogramm. Im durchblättern des Katalogs erfuhr ich, dass Werner Herzog mit „Lo and Behold, Reveries of the Connected World“ das Festival eröffnet hatte und dass Filme von zum Beispiel Frederick Wiseman, Chris Marker, Guy Maddin, Gust van den Berghe (auch persönlich vor Ort) in „Retrospektiven“ gezeigt würden. In den Wettbewerben wurden gleichwertig fiktionale, experimentelle und dokumentarische, lange wie kurze Arbeiten präsentiert. Ich war überrascht und erfreut über die Haltung gegenüber den Filmgenres, die sich mir erschloss. Jenseits der Round Tables und Master Classes, die mir nicht so spannend erschienen, interessierte mich vor allem die Sektion „Superreal“ wegen ihrer sehr kreativen Produktionen.

In ästhetischer Vielfältigkeit und poetische Dichte zwischen Kino und Kunst wurde der Zuschauer an unterschiedliche Sichtweisen von Wirklichkeit geführt: Geprägt von einem spielerischen Umgang mit dem Dokument und der Auseinandersetzung mit der Abbildbarkeit von Realität, waren die einzelnen Filme zwar manchmal im Format sperrig, haben sich jedoch untereinander auf besondere Art in der thematischen Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichem Verhalten ergänzt und vor allem gestärkt.

Dieser Fokus des Festivals interessierte mich sehr, so dass ich mich entschied, mir während meines Aufenthaltes die Stadt nicht anzuschauen, sondern mich auf das Festival zu konzentrieren. Dennoch nahm ich gern das Angebot des Festivals an die TeilnehmerInnen wahr, sich durch das russische Museum, die Eremitage und auf einem typischen Boot durch die Kanäle von St. Petersburg lenken zu lassen. Ich bin kein Freund von Führungen und brauche auch keine exquisiten Sonderangebote. Doch während ich zusammen mit anderen RegisseurInnen in langen Gängen und großen Hallen hinter einer Dame hinterherrannte, die rückwärtslaufend und ausladend gestikulierend uns in atemberaubendem Tempo durch das beeindruckende Gebäude sowie die vielfältige Ausstellung schleuste, fühlte ich mich absolut bereichert. Ausgehend von den alten Meistern und den Gesprächen mit anderen Kunstschaffenden, schaute ich mit anderen Augen auf meinen eigenen historischen und künstlerischen Kontext.

Rückblickend waren es diese Art Veranstaltungen, die einen großen Unterschied zu anderen Filmfestivals gemacht haben: Das Festival hat es geschafft eine harmonische und stärkende Atmosphäre zu kreieren, die mehr durch die gemeinsame Bewegung und das gemeinsame Erfahren geprägt war, als vom Wettkampf und Darstellen. Ich habe viele Kontakte zu anderen Regisseuren, Produzenten und Experten der Filmindustrie knüpfen können. Es war eine sehr besondere Woche, die sich für mich persönlich sehr gelohnt hat!

www.message2man.com