Palm Springs International ShortFest 2016

21.06 - 27.06.2016
Ein Bericht von Helena Hufnagel (Willa)

Im letzten Frühjahr bekam ich die Zusage zum Palm Springs Short Filmfestival. Ich habe mich über die Einladung wahnsinnig gefreut. Es war das 40. Festival für meinen Kurzfilm

„Willa“ (nach einer Kurzgeschichte von Stephen King). Der Film lief zu dem Zeitpunkt auf deutschen Festivals eher schleppend. Das Genre, eine romantische Geistergeschichte, hat nur wenige deutsche Festivalplaner überzeugt. In den USA war Palm Springs dafür bereits das zweite Oscar Qualifying Festival (nach L.A. Shorts). Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich nur bei deutschen Screenings dabei sein. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich dank German Films endlich die Gelegenheit hatte, bei einem Screening in den USA dabei sein zu können.

Auf den ersten Blick scheint Palm Springs nicht der ideale Ort für ein Filmfestival zu sein. Es ist eine kleine Stadt, mitten in der Wüste, ca. 2-3 Autostunden von Los Angeles entfernt. Bei unserer Ankunft hatte es ca. 50 Grad. Selbst Hunde konnten nicht mehr auf der Straße laufen und mussten von ihren Herrchen über die heißen Steine getragen werden. Die Bewohner, wenn sie nicht über den Sommer geflohen waren, hielten sich meistens in klimatisierten Räumen auf, oder hechteten von einem Pool zum anderen. Doch genau dieser bizarre Ort zählt für mich zu einem der tollsten Filmfestivals weltweit. Das Festival hat die gesamte Stadt eingenommen. Überall hängen Plakate, die Bewohner sind ganz verrückt nach den Filmen und kommen zahlreich zu den Screenings. Das Festival besteht aus vielen Volunteers, meistens Rentner, die sich unglaublich über die Gäste aus der ganzen Welt freuen.

Wir haben uns beim Renaissance Hotel angemeldet und auch direkt unsere Akkreditierung bekommen. Das Hotel ist die „Base“ des Festivals. Hier gibt es Veranstaltungen, Workshops, eine Meeting-Lounge, Interviewmöglichkeiten, Sichtungsmöglichkeiten der andern Filme etc. Überall hängen Plakate der Filme. Meine mitgebrachten Flyer und Kataloge konnte ich gut sichtbar auf den Tischen platzieren. Bei kühlen Getränken und kleinen Snacks fällt es sehr leicht mit anderen Filmemachern ins Gespräch zu kommen. Bereits am ersten Tag konnte ich tolle Regisseure und Producer aus der ganzen Welt kennen lernen. Von den meisten habe ich mir die Filme angeschaut. Das Niveau und die Qualität der Kurzfilme ist extrem hoch. Ich selber habe am 25.6. an einer Masterclass zu Alfred Hitchcock teilgenommen „Creating Tension a la Hitchcock“ von Jeffry Michael Bays. Mr. Bays – Gründer des Borgus Network und Autor für das Moviemaker Magazin – hat sich sehr über die neuste Ausgabe der Sichtungs- DVD der AG Kurzfilm gefreut.

Das Festival kümmert sich um so ziemlich alles. Es gibt Shuttel Busse zwischen dem Renaissance Hotel und dem Camelot Theater. In diesem Kino werden die Filme gezeigt

Am 24.6.2016 gab es ein Straßenfest. Auf diesem haben Volonteers meine mitgebrachten Willa-Flyer ausgelegt und verteilt. Das Festival bemüht sich sehr, die eingeladenen Filme auch zu bewerben.

Am Screening-Tag war ich sehr aufgeregt. Mein Film lief in dem Block „Mind over Matter“. Die Zuschauer waren zum einen Rentner, zum anderen Stephen King Fans. Im Nachhinein hat sich rausgestellt, dass auch Branchenvertreter anwesend waren. Nach dem Screening gab es ein kleines Q&A. Ich hatte mich schon darauf gefasst gemacht, dass es keine einzige Frage zu meinem Film geben wird. Doch ich hatte mich getäuscht. Die Bewohner von Palm Springs sind unfassbar interessierte Festivalbesucher. Das Q&A hat sich zu einem tollen Diskurs über meinen Film entwickelt. Die Fragen betrafen zum einen den Inhalt meines Filmes, die Kurzgeschichte von Stephen King, sowie die Möglichkeiten deutscher Filmemacher im Allgemeinen. Die Stimmung war interessiert und sehr warmherzig. Dies hat mir sehr schnell geholfen, meine Aufregung etwas ablegen zu können.

Auch nach dem Screeningblock konnte ich Gespräche mit interessierten Fachbesuchern führen. Vor allem im Hinblick auf die deutsche Nachwuchsbranche habe ich an dieser Stelle die mitgebrachten Festivalkataloge aushändigen können.

Mein persönliches Highlight war der Block „Laugh&Hide“. Der Filmemacher von „Last call Jenny“ Brian Groh, war ebenfalls sehr interessiert an der Sichtungs-DVD der AG Kurzfilm. Der Dokumentar-Film „Roast Battle“ von Jason Reitman (Regisseur von Juno) war so super, dass ich zwei Tage später den Roast Battle, mitsamt seinen Darstelleren, in Los Angeles besucht habe. Es ist wirklich ein unfassbar toller Kontakt.

Das Festival bietet wunderbare Gelegenheiten Kontakte zu knüpfen. Derzeit habe ich intensiven Austausch mit einer neuseeländischen Filmemacherin. Wir arbeiten gemeinsam an einem konkreten Projekt.

Abschließend kann ich den Besuch beim Palm Springs Short Film Festival wärmstens empfehlen. Es war ein unvergessliches Erlebnis und ein sehr inspirierendes und produktives Filmfestival.

http://www.psfilmfest.org