Festival Stop Motion Montreal

16.09 - 19.09.2016
Ein Reisebericht von Theresa Grysczok (Trapped)

Das „Festival Stop Motion Montreal“ fand im September 2016 zum neunten Mal statt und präsentiert ausschließlich Stop-Motion Produktionen. Es wurde von Érik Goulet, Professor für Animation (Stop-Motion) an der Concordia Universität Montreal ins Leben gerufen. Zusammen mit einem Team von ehemaligen StudentInnen präsentieren sie studentische Arbeiten, freie Produktionen, Masterclasses, Studiopräsentationen und Workshops. Das Festival fand an einem Wochenende im hauseigenen Kino der Concordia Universität statt.

Mein Film TRAPPED, den ich zusammen mit Florian Maubach 2015 fertiggestellt habe wurde für das akademische Programm ausgewählt und am 17.09.16 vorgeführt.

Ich kam am 14.09.16 in Montreal an und verschaffte mir an den ersten beiden Tagen einen Überblick über die Stadt. Besuchte Ausstellungen im Phi Centre und dem Belgobuilding, in dem zahlreiche Galerien für zeitgenössische Kunst ansässig sind. Untergebracht war ich bei einem lokalen Filmemacher, Nicolas Brault, dessen Film auch beim Festival vertreten war.

Das Programm startete dann am Freitag, dem 16.09.16 mit einer Masterclass von Clyde Henry Productions, bekannt durch den Kurzfilm „Madame Tutli-Putli“. Chris Lavis und Maciek Szczerbowski stellten neue Projekte und einige Puppen vor, und redeten über ihre Arbeitsweise und Inspirationen. Der Tag endete mit der offiziellen Eröffnung des Festivals mit Apple Cider und Kuchen. Eine gute Möglichkeit erste Kontakte zu knüpfen.

Am Samstagmorgen wurden beim Q&A Filmausschnitte anwesender Filmemacher gezeigt und diese interviewt. Es waren, neben den lokalen, auch Filmemacher aus Belgien, England, Frankreich und den USA anwesend. Das Publikum beteiligte sich interessiert am Gespräch und verglich die verschiedenen Arbeitsweisen und Techniken miteinander. Es folgten studentische Filme und ein Best-Of Programm des Stoptrik Festivals (2015, Maribor, Slovenien). Mark Shapiro vom Laika Studio, zeigte anschliessend Making-Of Material und Puppen ihres letzten Featurefilms „Kubo“. Das Interesse an allen Veranstaltungen war groß. Unter dem Publikum waren nicht nur Stop- Motion- Enthusiasten sondern auch viele Personen, die selbst in Bereich (Animations-)Film arbeiteten. Thema der Diskussion am Schluss der Studiopräsentation waren die Arbeitsbedingungen, der Workflow des Studios und der wachsende Einsatz von CGI in deren Stop-Motion-Produktionen. Der Tag endete mit einem Get-together der Filmemacher, Puppenbauer, Animatoren und des Organisationsteams in dem benachbarten Pub Kafein.

Am Sonntag folgen auf ein 2tes StudentInnenprogramm, die freien Produktionen und die Vorführung des Featurefilms 'Little Prince', an dessen Produktion sowohl der Festivaldirektor als auch einige seiner StudentInnen beteiligt waren, und somit auch spezielle Fragen vom Publikum beantwortet werden konnten. Die anschließende Preisverleihung fand direkt im Kino statt. Die Juri vergab 3 Preise, jeweils einen an studentische, freie und Studio-Produktionen. Das Publikum wählte aus allen Filmen ihren Favoriten. Der Preis für jede Kategorie ist, praktischerweise, eine Armatur. Die Gewinner sind:

Studentische Produktion: Hi, It's Your Mother – Daniel Sterlin-Altman

Freie Produktion: The Five Minute Museum – Paul Bush

Studio Produktion: Under the Apple Tree – Erik van Schaaik

Publikumspreis: Fulfilament – Rhiannon Evans

Das „Festival Stop Motion Montreal“ bekommt immer mehr Aufmerksamkeit und internationale Filmemacher machen sich auf den Weg dorthin. Neben Partnerhotels, Hostels und Air-B&B gibt es die Möglichkeit bei der Festivalorganisation private Unterkünfte anzufragen. Es war für mich sehr hilfreich bei einem lokalen Filmemacher untergekommen zu sein um die Besonderheiten der Stadt aus erster Hand zu erfahren. Das Interesse am deutschen Film, Filmkultur, den Universitäten und dem Fördersystem war sehr groß, die mitgebrachten Kataloge und DVD´s waren da aufschlussreiches Infomaterial. Durch neugeknüpfte Kontakte, vor allem dank Martine Chartrand , war es mir möglich das „National Film Board of Canada“ zu besuchen, um die Studios dort entstehender Animationsfilme zu besichtigen und die Vor- und Nachteile der Studioproduktion kennenzulernen.

Da man eine Einladung braucht um reinzukommen, kann ich nur empfehlen, sich vorher mit Filmemachern etc. in Verbindung zu setzen oder sich bei der Festivalorganisation durchzufragen.

Die Ziele des Festival sind die Arbeit der Stop-Motion-Filmschaffenden in einem speziell dafür geschaffenen Rahmen zu präsentieren, lokale und internationale Künstler zu vernetzen, und sowohl die lokale Industrie zu stärken als auch für ein interessiertes Publikum sichtbarer zu machen. Weswegen ich das „Festival Stop Motion Montreal“ nur empfehlen kann. Das Programm ist vielseitig und dehnt die Grenzen der klassischen Stop-Motion Films aus. Die Filmemacher und Besucher sind sehr interessiert am Austausch und die Voraussetzungen dafür sind gegeben.

Montreal ist eine sehr lebendige Stadt, das Angebot an Kinos, Museen und Musik ist groß. Bei einem möglichen Aufenthalt empfehle ich eine private Unterkunft und ein Fahrrad (z.B. Bixi- Bike). Die Stadt ist geteilt in einen frankophonen und anglophonen Teil, mit Englisch allein kommt man aber gut zurecht. Es finden zeitnah andere interessante Festivals im Umkreis statt, zum Beispiel das „Ottawa International Animation Festival“, welches mit dem Zug in kurzer Zeit zu erreichen ist.

Ich bin dankbar für die Unterstützung durch AG Kurzfilm und German Films, die mir die einzigartige Gelegenheit ermöglicht haben, unseren Film TRAPPED persönlich in Montreal vorzustellen.

www.stopmotionmontreal.com