Hiroshima International Animation Festival 2016

18.08. - 22.08.2016
Ein Bericht von Gerhard Funk (Fruit)

Das Animationsfestival in Hiroshima ist neben Annecy und Ottawa eines der größten und wichtigsten weltweit. Und es wohl auch das am besten organisierte Festival, das ich jemals besucht habe. Zwar ist die Anreise lang und kostspielig, doch ist die persönliche Anwesenheit bei dem Festival außerordentlich lohnenswert. Sehr viele Filmemacher sind anwesend und seitens der Festivalorganisation wird man wirklich königlich behandelt.

Bei dem Hinflug habe ich direkt den Flughafen in Hiroshima angesteuert, was einen zehnstündigen Aufenthalt in Shanghai notwendig gemacht hat. Alternativ kann ich empfehlen, einen Flug nach Osaka zu nehmen und von dort mit dem Shinkansen (dem japanischen ICE) nach Hiroshima zu reisen. Diese Zugfahrt dauert nur zweieinhalb Stunden.

Das Festival hat großzügig die Verpflegungskosten und 6 Übernachtungen übernommen: Anreise am Vortag 17.8. und Abreise nach dem letzten Tag am 23.8. Die Unterkunft war gleich an der Festival-Location, dem Aster Plaza, so dass die Filmemacher sich alle einfach treffen und gegenseitig kennenlernen konnten.

Das erste Festivalevent - einen Festzug vor der Eröffnung des Festivals habe ich leider verpasst, doch an weiteren Highlights hat es nicht gemangelt. Einige seien hier genannt: Die Festessen an dem ersten und an dem letzten Abenden. Das Takehara-Picknick mit Schwimmen im Meer, Besichtigung der wunderschönen Altstadt Takeharas, traditionellen Trommel- und Tanzperformances und, natürlich, tollem Essen. Ein Ausflug nach Miyajima. Geführte Führung durch den Peace Meomorial Park. Die ASIFA Rooftop Party, bei der man ganz informell mit Filmemachern und anderen Fachleuten plaudern konnte und noch einiges mehr. Das Otis muss auch erwähnt werden - eine kleine gemütliche Kneipe ganz nah am Aster Plaza. Der Ort, an dem man vor den Veranstaltungen, danach oder als Alternativprogramm, einfach nur sitzt und gemütlich redet.

Es gibt bei dem Festival nur ein Wettbewerbsprogramm, von dem pro Tag nur ein Screening läuft. Dadurch fokussiert sich die Aufmerksamkeit und die Wettbewerbsscreenings sind sehr gut besucht. Während der Screenings gab kein Q&A wie bei vielen anderen Festivals, sondern nur ein kurzes wortloses Grüßen von der Bühne. Fragen zum Film wurden bei einer Pressekonferenz am Tag nach dem jeweiligen Screening gestellt und beantwortet. Das ganze Setting, die Festivalorganisation und das Publikum vermitteln den Filmemachern das Gefühl einer hohen Wertschätzung ihrer Arbeit. So wurde zum Beispiel ein persönliches Interview mit mir über meinen Film geführt und nach dem Screening kamen Menschen auf mich zu und baten um ein Autogramm.

Zusammenfassend kann ich sagen: es ist ein großartiges Festival. Unbedingt hinfahren und am besten noch über die Festivalzeit hinaus etwas Zeit für eine Japanreise mit einplanen.

www.hiroanim.org