Glasgow Short Film Festival

17.03. - 21.03.2016
Ein Bericht von Nicolaas Schmidt (Autumn)

Berlin Schönefeld – Flug nach Glasgow fällt aus. Ich danke Wiebke Weckbrodt für die Organisation der Alternative: Edinburgh Airport – Sanne Jehoul, Guest Manager, berät engagiert per SMS über Busverbindung nach Glasgow, sind zwei Stunden in Verzug. Der Bus startet exakt zur Golden Hour. Ich freue mich nachträglich über den Ersatzflug, die Gelegenheit schottisches Land und die ersten Strahlen einer Frühlingssonne entspannt erfahren zu können (draußen ist es noch zu kalt und die Fenster meiner Hamburger Parterre-Wohnung bekommen durch eine ungünstige Baumkonstellation davor, nur wenig Strahlen ab). Wir fahren auf geschlungener Strecke der Sonne entgegen, mal scheint sie links mal rechts herein. Der Bus ist fast leer, so ist es kein Problem öfter die Sitzseite zu wechseln. Nach einer Stunde dann: Glasgow Sunset.
Das Festival hat uns im Victoria Hotel untergebracht. Man ahnt den Luxus vergangener Zeiten – sehr charmant, I like. Obergeschoss, bis zum Boden reichende Erker-Fenster gen Süd-West – perfekt. Erschöpft schlafe ich sofort ein, verpasse dadurch leider nun doch Sven Schwarz mit dem „Black&Light“ Programm, das ich im Vorfeld bereits fett markiert hatte.

Das Hotel befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Art School und den beiden Spielstätten des Festivals: das Glasgow Film Theatre und das Centre for Contemporary Arts in dem sich auch das Festivalzentrum eingerichtet hat. Der Info-Schalter ist ständig mit freundlichen Menschen besetzt, es gibt WiFi und jeden Abend eine Stunde Umtrunk für/mit alle/n, Gelegenheit für Gespräche, Kennenlernrituale...

Das erste Screening meines Films "Autumn" am Freitag Abend ist wenig besucht, das mag eventuell am vorherigen St. Patricks Day liegen. Die Wiederholung Sonntag Mittag fast ausverkauft, bei Sonnenschein – interessant. Die Gespräche finden jeweils zusammengefasst am Ende des Programms statt. Am Ausgang sprechen mich, dank meiner kleinen Performance, einige Zuschauer an, ich verteile Autumn Pocket Posters.

Wegen der ersten hellwarmen Sonnenstrahlung kann ich nicht alle Filmprogramme sehen, aber die von mir besuchten finde ich durchweg gelungen – mutig, experimentell, interessant, richtig.
Es gibt auch einige Sonderprogramme wie z.B. das mit Filmen von Jan Soldat und das großartige "Bleeding Edge" Virtual Video Programm, kuratiert von Matt Lloyd.
Auch besuche ich eine Art Podiumsdiskussion über Filmvertrieb mit Schwerpunkt TV. Einige Filmemacher stellen dabei später Ausschnitte ihrer Filme zur Diskussion/Bewertung. Die Veranstaltung bekommt dann auch durchaus DSDS Charakter. Statements wie "a bit too poetic" oder "not clear what this is about" stimmen mich ein wenig traurig. Irgendwann kommt dann auch die Problematik "Prätentiös vs. Art" auf...

Intensiviert Trink/Talk/Tanz kann man Samstag Abend auf der großen Festivalparty betreiben. Das Ganze findet in der etwas entfernter liegenden Glue Factory statt. Zusammen mit Ananda Pellerin und Patrick Buhr, dessen wunderbaren Film "Something About Silence" ich eben entdeckte, begebe ich mich auf den Weg dorthin. Etwas früh dran schaue ich mir noch die dort ebenfalls installierte Ausstellung "Cinema of Transgression" an, treffe auf Jan Soldat und lerne ihn näher kennen. Ich mag ihn ganz gern. Wir erwarten das Highlight, die Performance von Lydia Lunch. Später stellt er mir/mich noch einige/n Menschen vor. Zusammen mit Christoffer Olofsson und John Canciani treten wir den Rückweg zur Unterkunft an. Dabei unterqueren wir Europas meistbefahrene innerstädtische Autobrücke – heftig.

Am Abreisetag holt uns Festivalfahrer Colin Campbell vom Hotel ab. Die Sonne ist bedeckt von Wolken, so fällt es mir heute ein wenig leichter den Platz am Zimmerfenster zu verlassen. Wir fahren zum Flughafen, meine Anspannung steigt. Nach wenigen Metern steigt auch noch Stine Wangler von der Kurzfilmagentur Hamburg hinzu – it's a small world/scene.

Zusammenfassung:

Top! (Filme, Atmosphäre, Rahmenprogramm, Service, Hotel, Essen, Menschen, Stadt, Wetter)
Ich kann die Reise zu diesem sympathischen Festival nur empfehlen.

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