San Sebastian Horror & Fantasy Film Festival

29.10 - 04.11.2016
Ein Bericht von René Schweitzer (Resolut)

Am 1. November 2016 sollte unser Rape & Revenge Kurzfilm Resolut auf dem 27th San Sebastian Horror & Fantasy Festival Weltpremiere feiern. Dazu sei gesagt, dass es sich bei dem Film um eine Seminararbeit der HFF München handelt, die im sogenannten Genreseminar der Drehbuchabteilung entstanden ist und an der insgesamt acht Regisseure und sieben Kameraleute beteiligt waren. Da die anderen Mitwirkenden im Gegensatz zu mir keine Zeiten hatten, sollte ich es sein, der unser Team bei der Premiere vertreten würde. Ich hatte mich im Vorfeld schlau gemacht und das Festival hatte einen guten Ruf, außerdem würde es die Kosten für zwei Übernachtungen in San Sebastian übernehmen. Da die AG Kurzfilm freundlicherweise für einen Teil der Reisekosten aufkommen würde, sagte ich kurzentschlossen zu.

In San Sebastian angekommen lief das Festival bereits seit mehreren Tagen. In dem kleinen, zentral gelegenen Hotel, in das mich das Festival einquartiert hatte, erwartete mich ein Umschlag, in dem sich der üppige Festivalkatalog, sowie meine Akkreditierung und vier Restaurantgutscheine befanden. Der Weg zu einem der beiden Festivalkinos führte mich an San Sebastians wunderschöner Strandpromenade entlang. Dazu muss gesagt werden, dass in München zum Zeitpunkt meiner Abreise um die 10 Grad Höchsttemperatur der Standard waren, während der Sandstrand in San Sebastian noch von Badegästen bevölkert war.

Das Hauptkino des Festivals lag in der Altstadt und sah von außen schon mal sehr spektakulär aus. Passend zum Eröffnungsfilm des Festivals guckte eine übergroße Godzilla Puppe auf Höhe des zweiten Stocks aus der Fassade des Gebäudes. Sobald die Dunkelheit einbrach, leuchtete der Schlund des Monsters rot aus dem Inneren. Das Hauptkino bot etwa 800 Menschen Platz. Für gewöhnlich gab es drei Vorstellungen am Tag, an denen jeweils ein Kurzfilm gefolgt von einem Langfilm lief. So gut wie alle Vorstellungen waren restlos ausgebucht. Ein paar hundert Meter weiter gab es auch noch ein zweites Festivalkino, dessen Inneneinrichtung auf Grund des Alters des Kinos noch spektakulärer war und in dessen Vorhalle eine Art Ausstellung mit allerlei Horror und Fantasy Utensilien aufgebaut war. Leider lief in diesem Kino nur eine Sonderreihe japanischer Filme im O-Ton mit baskischen Untertiteln, was leider dazu führte, dass ich in diesem wunderschönen Kino nur sehr wenig Zeit verbrachte. Der Festivalleiter und seine Mitstreiter begrüßten mich sehr freundlich und waren sehr zuvorkommend. Leider gab es im Gegensatz zu anderen Festivals keine Hangout-Area oder Bar oder sonstiges für die Filmschaffenden, was es etwas schwierig machte herauszufinden wer aus der Branche eigentlich vor Ort war und mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Eher zufällig lernte ich beim köstlichen, üppigen Essen in einem der Restaurants, in denen unsere Gutscheine akzeptiert wurden, dann doch noch ein paar Filmschaffende kennen (den Sadaku vs. Kayako Regisseur Koji Shiraishi aus Japan und den Hollywood Produzenten Jimmy Maslon).

Im Großen und Ganzen war es aber doch sehr schade, dass es abseits der Filmvorstellungen keine sozialen Aktivitäten gab, wie auf anderen Festivals.
Sehr abgefahren war dagegen das Publikum des Festivals. Über die Jahre scheint sich das Festival eine treue und auch etwas fanatische Anhängerschaft geschaffen zu haben. So eine Stimmung wie hier habe ich im Kino noch nie erlebt. Alle Vorstellungen waren ausverkauft und sämtliche Filme wurden lautstark und gnadenlos vom Publikum kommentiert. Eine Stimmung die teilweise sehr mitreißend, manchmal nervig aber auf jeden Fall einzigartig war. Auf Grund der lautstarken Kommentatoren war die Lautstärke der Filme so hoch, dass es für deutsche Verhältnisse eher einem Clubbesuch ähnelte. (besonders wirksam war das bei Refn’s The Neon Demon)

Klassische Q&A’s gab es übrigens nicht, dafür präsentierten die anwesenden Filmschaffenden aber ihre Werke im Vorfeld auf der Bühne. Die meisten übrigens mit Dolmetscher, da die englische Sprache in San Sebastian nicht ganz so verbreitet ist, wie ich es gedacht hätte.

Vor der Vorstellung bekam jeder Zuschauer einen Stimmzettel, auf dem er die gesehenen Filme auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten konnte. Die Ergebnisse standen dann am nächsten Tag für alle Beteiligten sichtbar auf eine große Tafel über dem Eingang des Kinos. Ich war froh, dass unser Film irgendwo im oberen Mittelfeld landete.
Ich blieb nach der Premiere noch einen Tag länger, um noch ein bisschen was von San Sebastian zu sehen und das schöne Wetter zu genießen.

 

Fazit:

Unterm Strich hat sich die Reise nach San Sebastian natürlich gelohnt. Die Stadt an sich ist allein schon einen Ausflug wert. Das Festival ist mit sehr viel Liebe zum Detail auf die Beine gestellt, die Filme waren interessant und die Vorstellungen waren auf Grund der Zuschauerreaktionen sehr spektakulär. Hotel und Essen waren gut und zwei Tage lang umsonst und die Mitarbeiter des Festivals waren sehr freundlich. Leider gab es abseits der Screenings zu wenig Möglichkeiten andere Filmschaffende kennen zu lernen, was schade ist, da ich als Filmschaffender ja auch auf diese Festivals gehe um andere Filmschaffende kennen zu lernen. Ein Hangout-Raum für Filmschaffende oder eine Bar, hätten hier sicher Wunder bewirkt. Trotzdem empfehlenswert.